Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 37 (9.5.1895)
- Date
- 1895-05-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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705 im Jahre 1830 zu Altona geboren und ging Anfangs der fünfziger Jahre nach St. Thomas, wo er eine Tochter des Vorbeters der portugiesisch jüdischen Gemeinde, Josua Piza, heirathete. Im Jahre 1867 verließ er St. Thomas, um sich in Europa der Erziehung seiner Kinder zu widmen. Der Verstorbene nahm in St. Thomas regen Antheil an den Geschäften der damals sehr zahlreichen Gemeinde, zu deren Vorstand er gehörte. Er ist bis kurz vor seinem Tode in reger Beziehung mit der Gemeinde geblieben, der sowohl er wie seine Kinder als Mitglieder angehörten. Kurz nach seiner Uebersiedelung wurde er zum Vorsteher der portugiesisch jüdischen Gemeinde zu Hamburg und Altona erwählt und verblieb bei der ersieren fast ununterbrochen als Vorstandsmitglied. Bei den Mafsenauswanderungen unserer Glaubensgenossen aus Rußland wurde er verschiedentlich von der „Alliance isra61ite universelle'\ der er schon in St. Thomas angehörte, zu den Berliner Konferenzen delegirt. — Im Jahre 1889 gründete er mit feinem ältesten Sohn die Firma B. Luria und Co., Im- und Export nach Süd-Centralamerika. — Die Beerdigung des Verstorbenen fand am 23. v. M. vom Sterbehause aus nach portugiesisch-jüdischem Ritus statt. Die große Betheiligung legte ein beredtes Zeugniß ab von der Beliebtheit, welcher sich der Verstorbene zu erfreuen hatte. Im Sterbehause widmete Herr Dr. M. Piza dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf. Auf dem Friedhof in Ohlsdorf wurden unter Leitung des „Chasan" der portugiesisch-jüdischen Gemeinde Herrn Chomacheiro die nach portugiesischem Ritus vorgeschriebenen sieben Hakafot um den Sara unter Abstngung des 91. Psalms ausgeführt. — Der Verstorbene hinterläßt in der portugiesischjüdischen Gemeinde zu Hamburg eine Lücke, welche schwer auszufüllen sein wird. Zachan (Pommern). Als alter Abonnent Ihres gesch. Blattes gestatte ich mir heute folgende Bemerkung, in Bezug auf Ihre jüngsten Leitartikel die Abschaffung des zweiten Feiertags durch Bezirksrabbiner Dr. Sondheimer. Ich frage erstaunt, ist das möglich? Sollte sich nicht der Verfasser jener Aufsätze doch in der Person geirrt haben? Oder gibt es zwei Rabbiner dieses Namens? Ich besitze nämlich zufällig ein «Geschichtliches Religions-Unterrichts-Büchlein" von Hrn. Dr. Sondheimer, Bezirks-Rabbiner in Heidelberg vom Jahre 1881; da lehrt ja dieser Herr auf Sette 47 ff. das gerade Gegentheil. Er lehrt dort z. B. von nos; Das Fest beginnt am Abend deS 15. Nissan und dauert 8 Tage, und ebenso von anderen Festen. Es ist da im Plural von zwei Sederabenden die Rede rc. Wie ist daS möglich, daß nsn ->d*w nsn ■mir? Sollte dieser Herr Dr. Sondheimer mit dem von Anno 81 identisch sein, so zählt er jedenfalls nicht unter die Thoragelehrten, die mit dem Alter an Reife zunehmen, d. h. zu den cnssn nrntno pjn p'pivv jdi bi. Jedenfalls wäre eine Aufklärung hierüber erwünscht. N. Levy, Cantor Kempen, im April. Einen schmerzlichen Verlust hat unsere Gemeinde zu beklagen. Der allgemein hochv. Talmudaelehrte, seit vielen Jahren als pn fungirende R. Riffel Dzialawsky, ist nach kurzem Krankenlager sanft entschlafen. Derselbe war ein Onkel des H. Dr. Ritter, Rabbiner zu Rotterdam. Mit ihm ist wieder einer der immer seltener werdenden Männer hingeschieden, deren Leben eine ununterbrochene Beschäftigung mit min und mny war. Treffend wies Herr Rabbiner Dr. Münz in seiner kurzen jedoch ergreifenden Grabrede darauf hin, daß wir diese Lücke dadurch ausfüllen, indem, wir alle dem edlen Greise nacheifern in aufrichtiger Religiosität und eifrigem Streben nach min und D'aiD Dwyo. Möge den Hinterbliebenen Trost und Ausdauer verleihen! rrnäin H. Roth. Dresden, 27. Adril. Die antisemitische «Deutsche Wacht", deren Direktor und Mitbegründer bekanntlich der Reichstagsabgeordnete Zimmerman» ist, gibt heute zu, daß gegen ihre Gründer Anklage wegen Uebertretung des Aktiengesetzes erhoben ist. Den Betreffenden ist die Anklageschrift am Anfänge dieses Monats zugestellt worden. Das böryte ein für die Charakteristik des Antisemitismus und seiner hervorragenden Träger sehr intereffanter Prozeß werden. — Cms, 1. Mai. Der Badearzt Dr. von Jbell wurde vom hiesigen Schöffengericht wegen Beleidigung, begangen gegen einen hier ansässigen Kaufmann, zu einer Geldstrafe verurtheilt. Die inkriminirte Aeußerung hatte einen antisemitischen Charakter. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie». Einmal war Friedrich Hebbel mit L. A. Frankl auf dem israelitisch n Friedhofe dahier, als Mosenthal's Frau gestorben war. Als er daselbst von Sulzer die Hebräischen Gebete recttiren hörte, sagte er: «Ich höre heute zum ersten Male die Laute der Bibel in der Ursprache. Es ist wunderbar, eine Sprache aus Jahrtausenden an das Ohr schlagen zu hören. Weil sie an ihrer Sprache sesthalten, find die Juden ewig. Kein Volk der Erde hat ein Document aufzuweise«, wie es das Alte Testament ist. Die Juden können noch reden, wie Mose sprach, mit denselben Worten und Wendungen. Mir ist, als verstünde ich mehr die