Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 37 (9.5.1895)
- Date
- 1895-05-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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700 Beilagen, beim Taufscheine ausdrücklich der „Geburts"- schein alternativ snbstituirt erscheint. Dänemark. Kopenhagen, 5. Mai. Am 20. v. M. p"v jd’j V3 »jw 's feierte hier Herr M. S. Frankel, ein sehr achtbares Mitglied der hiesigen Israel. Cultusgemeinde, sein achtzigjähriges Geburtsfest. In Anbetracht seiner gemeinnützigen Thätigkett und treuen Ausführung seiner Obliegenheiten war die Behelligung an dieser Feier eine allgemeine. Viele Jahre hindurch übte er unentgeltlich das heilige Amt als i>mv an vielen Hunderten von Kindern aus. Schon am frühen Morgen brachte ihm der hiesige Synagogenchor in seiner Wohnung ein Ständchen bestehend aus religiösen Gesängen dar. Die Bürgerwehr Kopenhagens überreichte ihm, als ihrem ehemaligen Copitän, eine Glückwünschadreffe. nachdem sie ihm schon vorher an seinem 70. Geburtstage einen prachtvollen Ehrensäbel präsentirt hatte. Herr Oberrabbiner D. Simonsen, in seiner Eigenschaft als lokaler Präsident der Alliance Isra61ite Universelle, begrüßte den Jubilar in einer schönen Ansprache (derselbe collektirt nämlich die Jahresbeiträge für letztere) und schaltete auch besten Namen im Gebete nach der Predigt ein. Nach dem Gottesdienste fanden sich in der Wohnung des Jubilars verschiedene Deputationen ein. Drei Damen überreichten ihm im Namen des zu diesem Zwecke gebildeten Frauen-Comttes eine Staatsobltgation pr 1000 Kronen als Ehrengeschenk, das der Empfänger, wie er es ausgesprochen, zu einem Legate für fromme Zwecke bestimmen werde. Der Vorstand der neuen D*rop tron (Beerdigungsveretn) überreichte ihm einen großen silbernen Pokal mit einer passenden hebräischen und dänischen Inschrift. Er empfing ferner Deputationen der Brod-, Holz- und Torfvertheilungs Gesellschaften, deren Geschäfte er besorgt, wie auch viele Privatbesuche und Prtvatgeschenke. Sein Sitz in der Synagoge war an diesem Tage mit Sammt dekorirt, und die Häuser der Straße, wo er wohnt, meistens von Christen inne habend, waren größtentheils beflaggt. Ein Festessen am Abend, zu dem Herr Oberrabiner Simonsen nebst mehreren anderen achtbaren Gemeindemitgliedern geladen waren, und wobei eS an geistreichen Toasten nicht fehlte, beschloß die würdige Feier. Möge es dem greisen Jubilar, der sich noch einer großen Rüstigkeit erfreut, von Gott beschicken sein, noch eine Reihe von Jahren die Ausübung gottgefälliger Werke fortzusetzen. England. London. Am 21. April fanden in dem jüdischen Geschichtsverein zwei sehr interessante Vorträge statt. Der eine wurde gehalten oder vielmehr nach englischer Sitte gelesen von Dr M. Friedländer und behandelt den Aufenthalt Jbn Esras in London. Obwohl die Zut nicht genau feststeht, in der Jbn Jsra nach England kam, so ist doch festzustellen, daß er 1158 in London war. Der Vortragende behandelte dann die Bücher, die Jbn Esra in London schrieb und gab sehr hübsche Skizzen derselben. Der lebhafte Beifall der Versammlung, den Dr. Friedländer fand, bewog ihn zu der Zusage demnächst einen Vortrag über Jbn Esras Tod zu halten. Diesem Vortrage folgte eine Diskussion, an der sich außer dem Redner die Herren Rcv. Levy und Mr. Joseph Jacobs betheiligten. Dann begann Mr. B. L. Abraham den zweiten Vortrag über die Lage der Juden in England und zwar behandelte er die Zeit von 1210. Er wies nach, daß zu dieser Zeit die englischen Juden sehr arm waren und durch die Ausbeutung seitens der englischen Könige mit wenigen Ausnahmen das Vermögen verloren hatten, das ihre Vorfahren vor 100 Jahren besessen hatten. Noch Ende des 12. Jahrhunderts hatte die Judensteuer eine Einnahme von 60.000 Mk. gebracht, 100 Jahr später war cs trotz aller Erpressunzen nicht möglich den Betrag über 14.000 Mk. pro Jahr zu steigern, er sank sogar auf 6000 Mk. Trotzdem die Kopfzahl der Juden gewachsen war, waren sie fast völlig verarmt, so daß die wenigen Familien, die noch etwas besaßen, ganz vereinzelt waren. Oft waren in einer Gemeinde nur 1 oder 2 Familien vorhanden, die überhaupt Eigenthum besaßen und das Vermögen aller 16.000 Juden bei ihrer Austreibung schätzt der Vortragende nur auf 300.000 Mk. Auch an diesen Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an der sich viele Herren betheiligten. Mit lebhaftstem Dank an beide Redner schloß die höchst interessante Sitzung. Feuilleton. Dur eine Tochter. Erzählung von H. Berger. 37.) (Me Rechte Vorbehalten. Am Nachmittage ließ sich Willy in das Haus des Bauern führen. Er fand in ihm einen gebrochenen, bußfertigen Sünder, der sowohl des Beistandes eines Rechtsgelehrten als auch des eines