Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 36 (6.5.1895)
- Date
- 1895-05-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448559-2448594--40700-2489624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
689 hervorgehoben, daß die Repräsentanten bei der schnellen Durchsetzung dieses Passus für die geheimen Wahlen ihre Pflicht durchaus nicht hinreichend erfüllt hätten, eine Thatsache, an welche die liebenswürdig gesetzten Worte des einzig anwesenden Repräsentanten, des Herrn Gustav Löwenberg nichts änderten. Hoffen wir, daß er wenigstens sein feierlich abgegebenes Versprechen in vollstem Maße erfüllen werde, daß er für die Durchsetzung des in Frage stehenden Paragraphen mit allen Kräften in der Repräsentanz eintreten werde. Bei den nunmehr folgenden starken Angriffen aus der Mtte der Versammlung gegen die Mißwirthschaft der Berliner Gemeindeleitung sah sich Herr Fabrikant Weinberg, der doch sonst an der Spitze der Opposition stand, und als Führer des conservativen Judenthums gilt, veranlaßt, den Vorstand gegen die scharfen Angriffe in Schutz zu nehmen und die harten Ausdrücke einiger Herren Vorredner energisch zurückzuweisen. Wie schmählich dieser Berliner Gemeinde-Vorstand seine Pflicht verletzte, wie er tendenziös daran arbeitete, das positive Judenthum in Berlin zu vernichten, dafür sprechen 2 Facta, die die Erregung und die Verachtung gegen die Berliner Gemeinde-Leitung, wenn es noch nöthig und möglich war, bis zum höchsten steigerten. Im Norden der Stadt hatten sich eine Anzahl Glaubensgenossen zusammengethan, um auf eigene Kosten eine Religionsgemeinde zu gründen. Der Rabbiner derselben, Herr Dr. Höxter, war genöthigt aus Mangel an anderen Räumlichkeiten, etwa 120 Kinder in engen und ungesunden Räumen, aus 1 Stube und 1 Küche bestehend, zu unterrichten. Als auf sein Ersuchen die städt. Schuldeputation geneigt war, geeignete Schulräume unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, antwortete der Berliner Gemeinde-Vorstand der Berliner städtischen Behörde, „es läge keine Veranlassung und kein Bedürfniß zur Ueberlassung solcher Räumlichkeiten vor." Ein ähnlicher Fall ist auch im Nordosten Berlins, in Moabit vorgekommen. Auch hier war es die städt. Schuldeputatton, die bereitwilligst ihre Räume gewähren wollte und wieder war es der Feind des jüdischen Religionsunterrichtes, der Berliner Gemeinde-Vorstand, der ein Rescript an die Berliner Schulbehörde mit den scheinbar stereotypen Worten richtete, „es liegt kein Bedürfnis vor." Und es liegt doch ein Bedürfnis vor! Nun, nächstens mehr! X. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Unterfranken. Eine edle Frau in hat Dienstag, 6. Jjar ihr thatenreiches Erdenleben vollendet. Frau Minna Hofmann aus Rimpar bei Würzburg wurde durch den Tod aus dem Kreise ihre Kinder und Enkel Hinweggenom» men. Weit über ihren Verwandtenkrets hinaus wird dieser Verlust mit großem Schmerze empfunden. Einfach und bescheiden in ihrem Wesen, vereinigte ste mit altjüdischer Frömmigkeit so viel EdleS und Vornehmes, daß sie stets mit vollem Rechte als row« bezeichnet werden konnte. In einer langen, glücklichen Ehe war sie stets treue Gefährtin ihres Gatten Hofmann rrorp 'n -onn, der ihr vor kaum 2 Jahren in den Tod vorangeellt ist. Im Vereine mit demselben wußte sie ihr Haus zu einem ächtjüdischen zu gestalten, und für .1112;, mm D’non in edler Weise zu wirken. Als Tochter eines mm kundigen Vaters und Gattin eines stets mm befliffenen Mannes, war ihr Herz von wahrer to rn'.nn erfüllt, die sie durch große Verehrung der Träger der mm und durch so vielfache Förderung des min Studiums bekundete. Ihr gottesdienstliches Leben als jüdische Frau konnte als mustergiltiges betrachtet werden. Da blieb nicht die kleinste rnxo unbeachtet, da wurde nicht der geringste übersehen und über alles Zweifelhafte, erholte sie sich stets bei mm Kundigen Rath. Außergewöhnlich anspruchlos in ihren eignen Bedürfnissen, spendete sie aber stets mit vollen Händen, wenn eS galt Not und Leid zu lindern. Die nmi» wurden stets in liebvollster Weise in ihrem Hause gastlich ausgenommen und es war wohl selten am v"'imv,daß nicht ein mm zu Tische geladen war. Sie übte aber nicht nurnpns, sondern auch in der vollkommensten Weise non mb’nj. In hingebenster Weise suchte sie Kranke nicht nur zu besuchen, sondern auf alle mögliche Weise ihnen hilfreich zur Seite zu stehen. Wenn es galt .idn bv non mb’Dj zu üben, war sie gewiß zu jeder Tages- oder Nachtzeit eine der Ersten zur Stelle. Jahrelang versah ste auch in treuer Weise das Amt einer Vorsitzenden der Frauen - mon in Rimpar. So wie sie das Leid der Traurigen zu mildern suchte, so wußte sie durch sorgliches Mitgefühl die Freude der Freudigen zu vergrößern und ihren zahlreichen Freunden und Freundinnen war sie eine selten tteue Freundin, denen ste so gerne mit Rath und That zur Seite stand. Sie hatte auch die jtdi ihren einzigen Sohn Herrn A. I. Hofm an n in Frankfurt a. M. ihre Töchter und Schwiegersöhne als ächte nmn» in ihrem Geiste und dem Geiste ihres Gatten bu\ weiterleben zu sehen. Möge ihr edleS Beispiel vielfach Nachahmung finden und dadurch mi2^ wnor werden. Dieses gereiche auch der trauernden Familie in ihrem Schmerze züm Tröste. nsjV mon jfea J. A. B. Meseritz, 12. April. Zwei jüdische Damen gehen langsam durch die. Hauptstraße des Städtchens