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Der Israelit · 1895-05-06 · Heft 36 (6.5.1895) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 36 (6.5.1895)
Date
1895-05-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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684 jungt Leute waren eingeschrieben 953,679, drunter 48.801 oder 4.8 Prozent Juden. Zur Musterung erschienen 924,011 Mann, davon 39,542 oder 4,46 Prozent Juden, ausgehoben werden sollten, im Ganzen 270.000 Mann, darunter Juden 16,534 oder 5,7 Prozent. Thatsächlich wurden zum Mckitär genommen 268,531 Mann, darunter 14,171 oder 5,25 Prozent Juden. Es wurden also von den sich Stellenden genommen bei den Juden 36,62 Prozent, bet den Ntchijuden 26.03 Prozent, das heißt, die Juden in Rußland leisten die Blutsteuer um den dritten Theil höher als die Nichtjuden! Man schreibt dem „Fr. Bl." aus Petersburg vom 20. v. M.: Ein Gerücht, das während der letzten Tage hier verbreitet wird, beschäftigt die Petersburger Judenschaft auf das lebhafteste. Mit Rücksicht darauf, daß dieses Gerücht vielfach Glauben findet, halte ich es für niht überflüssig, dasselbe Ihnen mitzutheilen, ohne jedoch für dessen Richtigkeit irgend welche Bürgschaft übernehmen zu können. Im letzten Regierungsjahre Alexanders II. beschäftigte sich der damalige allgewaltige Minister deS Innern, Graf Loris-Melikow, mit der Lösung der sogenannten Judenfrage in Rußland. Es bestand nämlich die Absicht, den Juden im Czarenretche eine gewisse Gleichberechtigung mit der christltchortbodoxen Bevölkerung zu geben. Der bekannte russische Eisenbahnbauunternehmer, Staatsrath Samuel Poljakow, überreichte zu diesem Zwecke dem Grafen Loris-Melikow eine Denkschrift, in welcher er für die Besserung der Lage seiner Glaubensgenossen warm eintrat und einige Vorschläge zur Herbeiführung dieser Besserung machte. So empfahl er die Aufhebung der Beschränkung in Bezug auf das Anstedlungsrecht, die Zulassung von Juden in die Militär- und Cadettenschulen und die Verleihung von Staatsämtern als Mittel zur Assimilation der jüdischen mit der christlichen Bevölkerung. Von dem Inhalte dieser Denkschrift soll Czar Alexander II. genau Kenntniß erhalten haben. Doch der grausame Tod des Czars und der alsbaldige Rücktritt des Grafen Loris-Melikow machten allen guten Abfichten'der^Regierung betreffs der Juden ein jähes Ende. Nunmehr will ein Gerücht wissen, daß Senator Graf Lieben diese Denkschrift der Vergessenheit entrissen und sie dem Czar N colaus vorgelegt hat mit der Begründung, daß das von Poljakow aufgestellte Programm am geeignetsten erscheine, die Judenfrage einigermaßen zu lösen. Der Czar soll die Denkschrift nicht verworfen haben. So weit das Gerücht. Die nächste Zeit wird beweisen, inwieferne es der Wahrheit entspricht; ein Glück jedoch wäre es für die Juden in Rußland, wenn wenigstens das Poljakow'sche Programm verwirklicht werden sollte. Afrika. Süd-Afrika. Die jüdische Gemeinde in Port Elizabeth beklagt den Tod von Mc. P. Barnett. Der Verstorbene stammte aus Russisch- Polen, siedelte sich in dieser Colonie im Jahre 1861 an und erwarb sich durch seine kaufmännischen Fähigkeiten und seinen Fleiß bald eine einflußreiche Stellung. Ein Localblatt schrieb über ihn: „Barnett läßt eine lange, ehrenvolle Laufbahn und viele gute Werke hinter sich. Als Jude war er einer der aeachtesien in der Gemeinde, deren Gründer er war. Eifrigst bemühte er sich um die Errichtung einer würdigen Synagoge, deren Verwaltung ihm auch späterhin immer am Herzen lag. Wenige Bürger genießen die Achtung, der sich Mr. Barnett durch seine Rechtschaffenheit erfreute." So lange es seine Gesundheit erlaubte, nahm er regen Antheil an der Führung der Stadtgemeinde, wo er auch durch mehrere Jahre Ehrenämter bekleidete, immer bestrebt seine Pflichten als Jude zu erfüllen und seiner Nation zur Ehre zu gereichen. Ein distinguirtes Publicum, unter welchem sich mehrere Geistliche befanden, bethetltgte sich am Leichenbegängnisse. M a r o c c o. Mogador, im April. Bor nicht allzulanger Zeit wuroe ein Glaubensgenosse ermordet, ohne daß die Regierung, trotz wiederholter von den Anverwandten etngebrachter Gesuche, um die Ergreifung der Mörder sich im Entferntesten gekümmert hätte. Die Verwandten haben nunmehr, da der Ermordete englischer Unterthan war, sich beschwerdführend an den Konsul des britischen Reiches gewandt. Hierauf hat der englische Konsul in Merakesch (Marokko), der Hauptstadt des Landes, der Regierung eine Erklärung zugesandt, in welcher er um Schutz der europäischen in Marokko wohnenden Juden nachsucht, andernfalls würde die Regierung von den europäischen Regierungen auf die Initiative Englands zur Rechenschaft gezogen werden. Er müsse nachdrücklichst um die Bestrafung der Mörder des unglücklichen Unterthans Jsak Nunan ersuchen. Wenn die marokkanische Regterung'nicht gewillt wäre, die Juden zu schützen, so würde England seine jüdischen in Marokko lebenden Bürger zu schützen wissen. > Vermischtes. «ch- Klcinlangheim, 7. April. Vor 9 Jahren wurde hier ein Maarif-Bismano-Verein gegründet. Derselbe erwies sich bis heute als nützlich in seinen religiösen Wirkungen und in seiner Wohlthatigkeit. Biele Thranen armer Israeliten wurden durch die Gaben genannten Vereines gestillt.

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