Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 36 (6.5.1895)
- Date
- 1895-05-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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man scheint zu hoffen, daß in dem Staube, den dieser Kampf zweifellos aufwirbeln wird, die ganze Angelegenheit verschwindet. Im Uebrtgen ist auch der Zweck der Errichtung eines besonderen Rabbtnates in den betreffenden Städten nicht recht einzusehen. Allenfalls für den Platz selbst, der Sitz des Rabbknates werden soll, dürfte sich daraus ein Vorthetl ergeben, für die anderen Gemeinden ist es jedenfalls viel besser, wenn sie von der Haupt- und Residenzstadt aus, wo ohnehin alle Landleute geschäftlich zu verkehren haben und wo alle Fäden zusammenlaufen, verwaltet werden. Wie wir erfahren, fand in der vergangenen Woche in Groß- Gerau eine Versammlung statt, in welcher sich der größere Theil der Anwesenden dem Anschluffe der unter Rabbiner Dr. Marx stehenden Religionsgesellschast günstig zeigten. In Kürze soll in einem anderen Orte eine weitere Versammlung behufs Beschlußfaffung über die eingeforderte Erklärung stattstnden. Wir bitten alle treue Anhänger des altüberlieferten JudenthumS, sich durch das Danaergeschenk eines angeborenen Rabbinates Michelstadt oder Bensheim nicht locken und irre machen zu lassen und glauben, daß der gesunde Sinn unserer Landbevölkerung, sich von dem geraden, richtigen Wege nicht abführen lasten wird. Die überwiegende Mehrzahl der jüdischen Gemeinden der Provinz Starkenburg wird, so hoffen wir, die an sie gerichtete Anfrage ohneBejtnnenmit dem Anschlüsse an das bereits bestehende gesetzestreue Rabbinat zu Darmstadt beantworten. Alzey, 1. Mai. In Bezug auf die Correspondenz aus Worms in Nr. 33 Ihres Blattes dürfte es von Interesse sein, zu erfahren, daß die Prüfung der israel. Kinder in „Religion" durch die Groß- Herz. Kretsschulkommisston durchaus nicht so neu ist, wie der verehrte Herr Berichterstatter meint. Schon vor zwei Jahren fand auf Anregung des Herrn Rabbiner Dr. Levi hier, diese Prüfung durch obengenannte Behörde statt. Es waren damals außer dem Großherzogl. Kreisschultnspektor, dem Kreisrath, dem Bürgermeister auch die übrigen Mitglieder des Schulvorstandes während derselben anwesend. Seit dieser Zeit wurde Herr Rabbiner Dr. Levi regelmäßig zu den Kreisschulkommisfionsprüfungen in den Gemeinden des Kreises, in welchen israel. Religionsschulen existieren, eingeladen, um gleichzeitig die ReligionSprüfung der israel. Kinder vorzunehmen. A. Stern. Berlin, 24. April. Das Jüdische Mädchenstift, Münzstr. 23, das die hauSwirthschastliche Heranbildung unbemittelter jüdischer Mädchen bezweckt, stellt in dem soeben herausgegebenen Jahresbericht die erfreuliche bisherige Entwickelung der seit fünf Jahren bestehenden Anstalt dar. Anfangs auf nur sechs Zöglinge beschränkt, erzieht daS Stift fitzt die doppelte Zahl und eben so viele Zöglinge befinden sich in Dienststellungen. Der Vorstand unter dem Vorsitz des WaisenhauSdtrektorS Dr. Sirelitz und der Frau Julie Neumann ist eifrig bemüht, den Wirkungskreis des Stifts zu erweitern. Die Zahl der immerwährenden Mitglieder ist auf 52, die der ordentlichen Mitglieder auf 407, die Summe der Jahresbeiträge auf 4387 Mk, das Anstaltsvermögen auf 18,212 Mk. gestiegen. Königsdorff Jastrzemb. Die in dem altbewährten Soolbade Köntgsdorff - Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete israelitische Kinderheilstätte soll nunmehr am 20. Mat d. I. zum sechsten Mal eröffnet werden. — Diese Anstalt, die bereits für viele kranke Kinder eine Quelle des Segens geworden, zeichnet sich besonders durch ihre hervorragende Gemeinnützigkeit aus. Nicht armen Kindern allein läßt die Anstalt ihre Wohlthaten zu Theil werden, indem sie dieselben ganz unentgeltlich aufnimmt: ihre Segnungen erstrecken sich auch auf mehr oder weniger bemittelte Kinder, die gegen einen, je nach den Berhältniffen bemessenen Satz Aufnahme finden. — Das humane Werk wird durch milde Beiträge erhalten und ist der Förderung edler Menschenfreunde würdig. Nähere Auskunft ist der Vorsitzende der Anstalt, Herr Rabbiner D r. Wilhelm Münz in Gleiwitz zu ertheilen gern bereit. England. London. Nach neuerlicher Berechnung kostete im Jahr 1894 jeder getaufte Jude den englischen Mtsfionsgesellschaften die runde Summe von 60,000 Mark. — Unter dem Titel „ Transactions of the Jewisch Historical Society of England“ erscheint der erste sehr interessante Band der Veröffentlichungen zur Geschichte der Juden in England, die der Londoner Verein für jüdische Geschichte jetzt herausgegeben hat. London. Der verstolbene David James, dessen Wittwe kürzlich starb, hatte bedeutende Summen, deren Genuß der Wittwe bisher zustand, für wohlthätige Zwecke htnterlaffen. 200,000 Mark fallen jüdischen Instituten zu und zwar besonders solchen, die den Juden des OstendS zu Gute kommen. Auch der Board of Guardians und die Congregatton der Spanier und Portugiesen erhalten große Summen. Rußland. Petersburg. Ueber die Aushebungen zum Militär veröffentlichen die russischen Zeitungen folgende interessante Zahlen für 1894: 21jährige