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Der Israelit · 1895-05-06 · Heft 36 (6.5.1895) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 36 (6.5.1895)
Date
1895-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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68i brannte mein dem Juden seine Wohn-, Bet-, Lehr- und Gemeindehäuser nieder. Allein so lang sie verschont waren, durfte der jüdische Geist in ihnen frei seine Segnungen entfalten, und es war vor allem die Nacht, welche die jüdischen Genosse« unter seine Segensfittigr sammelte. Und er ward dies immer mehr, je mehr im Laufe der Jahrhunderte das jüdische Schriftthum zum Gemeingut des ganzen Volkes wurde, je mehr der eigentliche Am Haarez der früheren Zeit zur Seltenheit in unserer Mitte ward, je mehr das schon von den Weisen (Berachoth 4. b. angebahnte a"ijn mm p N3 bin nONi N-np nnp*? V’n n« n'^> dm: bbsnü) pvV nNnp N*npi nur zu einer allgemeinen Verwtrklchung gelangte, 71^2 '•npy» ov Diese wenigen Worte sind der tnhaltreichste Ausdruck für all das Herbe und all das Große der jüdischen Galuthjahrhunderte. Welch ein Segen, welch ein Glück wäre eS für unsere schwere, ernste Zeit, wenn in den jüdischen Gemeinden wieder die alten Bothe-Midrasch erstünden! Wenn das Verständniß und Bedürfaiß für sie wieder erwachte, wenn unsere dtu wenn unsere Jünglinge wieder die Sehnsucht nach Höherem, Edlen und Wahren ergriffe, und sie sich der leeren, schaalen und blastrten Weise zu schämen anfingen, mit welcher sie ihre Mußestunden vergeuden. Welch' ein Glück, welch' ein Segen wäre es, wenn jede jüdische Gemeinde eine Stätte gründete, die Tag und Nacht für alle offen stünde, die Sinn und Verständniß für die Nothwendtgkeit haben ihre freie Zeit mit der Aneignung unseres Lebensgesetzes, unseres einzig herrlichen Schrtftthums, unserer Geschichte und dessen alles, was Juden und Judenthum betrifft, fruchtbringend auszufüllen. Wenn sie das geist- und gemüthtödtende Wtrthshausleben, das Spiel, das Trinken, die sogenannten Zerstreuungen aller Art in ihrer ganzen Fadheit begriffen, als ihrer unwürdig von sich wiesen und man rva wn würden! Wie viele junge Leute gerathen in dieses Lotterleben nur deßhalb, weil ihnen Anregung und Gelegenheit zu Besserem und Höherem fehlt! Wie viele führt die Langeweile dazu in diesen Plattheiten. Kurzweil zu suchen und zu finden, und wie viele Seelen wären auf diese Weise zu retten, die sonst rettungslos verloren sind! Welch' eine Wohlthat wäre es für das ganze Familienleben, wenn das «men nn seinen Mittelpunkt bildete! Welche Wohlthat wäre es für die durchreisenden Armen, wenn sie statt verurtheilt zum Wirthshaus und zu schlechter Gesellschaft eine solche Stätte hätten, die sie liebevoll mit der Gesinnung jener Gleichheit und Brüderlichkeit aufntmmt, die draußen nur in der Phrase lebt, hier aber ihre schönste Verwirklichung feiert! Man muß dieses Ideal kennen, wie es einst ln allen jüdischen Gemeinden seine schönste Verwirklichung fand und Gottlob noch heute findet, wo der Geist der Bote Midrasch noch seinen Segen über das Leben des ganzen Gemeindewesens verbreitet, und die leere Oede sich dagegen veranschaulichen, die unser gesellschaftliches Leben erfüllt, um den vorliegenden Väterspruch in der ganzen Tiefe seiner Bedeutsamkeit zu würdigen. Wenn die Söhne unserer Zeit auch nur den Vorsatz zu dem ihrigen machten: rD'ttw o-n »naten •pnny ba »ton. „Ich denke über meine Lebenswege nach und lenke meine Tritte wieder zu Deinen Zeugnissen!" (Psalm 119. B. 58.) Wenn sie durchdrungen von der Nichtigkeit und Weihelostgkeit ihres Lebenswandels wieder das Beth-Hamidrasch aufsuchten, auch wenn sie noch nicht die neuen, alten Wahrheiten, die es seinen Besuchern bietet, so voll und ganz in sich aufnähmen, daß sie sofort zur That drängten, welchen Gewinnst würde dieser ro^n idv schon dadurch bedeuten, daß man die anderen bisher eingeschlagenen Wege miede! Freilich ist die That der Zweck der Lehre, welche vom Beth-Hamidrasch ausgeht. Wer diese That vollbringt ohne auf dem Wege zum Beth-Hamidrasch dazu gelangt zu sein, hat gewiß den ungeschmälerten Lohn dieser That zu erwarten. Aber wie wunderselten sind diese Vereinsamten, welche auf die gemeinsame Anregung Gleichgesinnter verzichten können und irrelos allein das Ziel zu erreichen vermöchten, das sonst nur mit Genossen vereint zu erlangen ist! Wäre aber dieser Vereinzelte wirklich der Vollendete, der auf die Anderen verzichten kann, so können die anderen nicht ihn, seine Anregung, sein Beispiel und seine Lehre entbehren. Der wahre Ton ist doch derjenige, der seine Vollendung nicht auf sich beschränkt, sondern auch andere für dieselben Ziele gewinnen möchte, der deshalb rnvipi *]Vn, der das Beth-Hamidrasch, dessen er vielleicht für sich entrathen könnte, aufsucht, um damit auf andere zu wirken. Wenn aber derjenige schlecht ist, der fbin ab ntpiy den Weg ins Beth-Hamidrasch verschmäht und die Vollendung, die es bringt, auch nicht auf anderen Wegen erstrebt, welches traurige Prognosti» kon stellt dann dieser Väterspruch unserer ganzen Zeit, welche die Bothe Midrasch verkümmern und verfallen ließ und ihr gottentfremdeUs Thun und Lassen als Fortschritt und Bildung nicht laut genug anpreisen kann! Da bewährt sich denn das Wort der alten Väterweisheit als der untrügliche Maßstab unserer Zeit. Sie mag noch so laut und aufdringlich ihre Vorzüge verkünden, das Urtheil der Väter law et: Vitn rwv ab) mpv\ ab (Fortsetzung folgt.)

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