Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 35 (2.5.1895)
- Date
- 1895-05-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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669 scheut, von den tausenden antisemitischen Verläumdungen, die täglich ungerügt in die Welt geschleudert werden, sich einmal eine herauszugreifen, um sie in ihr Nichts zurückznführen. Stuttgart, im April. Die K. Israel. Oberkcrchenbehörde hat in sehr anerkennenswerthrr Weise einem schon längst gehegten Wunsche der jüngeren Lehrer bezw. Vorsänger des Landes in zuvorkommendster Weise entsprochen. Auf das Gesuch einiger Vorsänger wurde ein Fortbildungskurs für Kantoren eingerichtet. Leiter des Kurses ist der in Stuttgart auch als tüchtiger Gesanglehrer hochgeschätzte Herr Kantor Tennenbaum. Die Kosten des Unterrichts werden von der K. I. Oberktrchenbehörde aus den Mitteln der Centralkirchenkasse bestritten. Außerdem wurde jedem der Kantoren, die am Unterricht theilnehmen, ein namhafter Beitrag zu den Reisekosten aus derselben Kasse genehmigt. Der Unterricht findet während der Dauer eines Jahres an den Sonntag-Nachmittagen statt. Durch diese Einrichtung hat diese Behörde des Landes wiederum bewiesen, daß es ihr ernst ist, in jeder Weise das religiöse Leben unter den Israeliten des Landes zu fördern, indem sie besonders keine Kosten scheut, den Gottesdienst in den Synagogen des Landes auf eine würdige Weise zu gestalten. Die Israeliten des Landes und nicht zum Mindesten die Vorsänger werden der Behörde dafür Dank w ssen und auch dem Herrn Kirchenrath Dr. Kroner. der das Gesuch aufs Wärmste befürwortete, dankbar dafür sein. — In jüngster Zeit hat sich hier, auf Anregung des Herrn Kirchenraths Dr. Kroner, ein Verein „Talmud Thora" gebildet. Der Verein hat sich zur Aufgabe gestellt, das Studium der jüdischen Quellenschriften und hauptsächlich dadurch auch die Förderung des jüdischen Lebens unter seinen Mitgliedern zu bewirken. Hagenau i. E. 26. März. Geehrter Herr Redacteur! Indem Ihr nicht nur in jüdischen, sondern auch in nichtjüdtschen Kreisen gerngelefenes geschätztes Blatt, der „Israelit" seit neuerer Zeit den reichsländischen Ereigniffen auf jüdischem Ge biete eine wohlwollende Aufmerksamkeit schenkt, bitte ich Sie ergebenst, auch folgenden Zeilen die Spalten des „Israelit" gefälligst erschließen zu wollen. Unter der Ueberschrift „Hagenauer Armenlotterie" veröffentlicht der hiesige Damenveretn von St. Georg in der letzten Nummer der hier erscheinenden „Hagenauer Zeitung" seinen Geschäftsbericht, wonach sich das Erg bniß der Lott.rie auf 1992 M. 59 Pf. beläuft Hiervon erhält die protestantische Gemeinde 100 M., die israelitische 40 M. Es ist sicherlich anerkennenswerth, wenn auch hier, wie in Stratzburg eine Armenlotterie veranstaltet wird. Doch drängt sich wohl manchem beim Lesen obiger Zahlen die Frage aus, warum denn die Armenlottertc säst ausschließlich zu Gunsten katholischer Armen stattfindet. Die Armen der anderen beiden Bekenntnisse haben doch dasselbe Recht auf die Unterstützung, die ihre wohlhabende Mitbürger ohne Unterschied der Consession durch Ankauf von Loosen und durch Spenden von Gewinnen ihren Glaubensgenoffen zukommen zulaffen. Wenn daS Büraermeisteramt die Ausstellung der Gewinne und die Ziehung in seinen Räumen gestattet, der Verkauf von Loosen im Bürgermeisteramt und in hiesigen Läden stattfindet, so nimmt doch der unbefangene Käufer an, daß da ein gemeinnütziges Unternehmen vorlicgt! Es ist viel über die Art und Weise der Verwendung der Gelder hier schon gesprochen worden. Mancher sagt, daß er seine armen Glaubensgenossen lieber direkt unterstützen will und enthält sich dcßhalb des Ankaufes von Loosen. Nach allgemeiner Ansicht müßte eine Armenlotterte nie ein confesstonelles Gepräge tragen, sondern es müßte das von der gesammten Bevölkerung gebrachte Opfer auch unter den einzelnen Bekenntnissen entsprechend verthetlt werden. Unser Städtchen zählt 10,243 Katholiken, 3891 Protestanten, 594 Israeliten. Es wäre demnach nicht mehr als billig, wenn den katholischen Armen 69/100, den protestantischen 14/100, den israelitischen 7/100 des Erlöses der Lotterte zugewiesen würde. Ans MWei Uereliik«. Inlett unü Stiftungen. Landsberg a W. Die hiesige „Jüdische Privat- Armenkasse" feierte am 6. April ihr 100jähriges Bestehen. Airs Anlaß dieser Feier hat Herr Adolf Nathan, Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde und der Privat-Armenkasse in einer kleinen Schrift die Geschichte dieser Armenkasse geschildert, der wir Folgendes entnehmen: Am 6. April 1795 traten 8 Mitglieder unserer Gemeinde zusammen, um gemeinsam über die Statuten einer festen Organisation der jüdischen Privat-Armenpflege am hiesigen Orte zu berathen und solche festzusetzen. Was die Mitgliederzahl der Caffe anbetrifft, so ist aus den ersten Jahren solche nicht recht ersichtlich, da Listen erst später geführt wurden und wegen der Verschiedenheit der einzelnen Beiträge die Zahl der Mitglieder hieraus nicht zu ermitteln. Die ersten Listen datiren vom Jahre 1818; damals betrug die Zahl derMitglieder 42, 1825 schon 49, 1835 48, 1849 52, 1855 64, 1865 79 1875 61,1885 67 und 1895 50. Auf die finanziellen Verhältnisse der Caffe übergehend, muß ich zuvörderst erwähnen, daß dieselbe im Jahre 1795 weder mit einem Stammkapital noch mit irgend einer erheblichen Geldzuwendung begonnen; die Beiträge der Mitglieder waren die einzigen Mittel, welche zur Verwendung kommen konnten. Trotzdem weist der Caffenbestand 20 Jahre nach der Stiftung, also im Jahre 1815 die schon immerhin ansehnliche Summe von 379 Thlr. 5 Sgr. 7 Pf. auf, jetzt hat er einen Bestand von 14052 M.22Pf. In den verflossenen 100 Jahren hat der Verein im Ganzen ca. 38000 Mark an Unterstützungen u. s. w. gewährt.