Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 35 (2.5.1895)
- Date
- 1895-05-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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666 „Du hast Recht", versetzte Apolandt, „aber man muß nicht bei allem, was man thut, auf Verdienst rechnen. Gefälligkeiten machen sich oft bester bezahlt als man denkt." Die beiden Männer schritten rüstig neben einander her; jeder war mit seinen Gedanken beschäftigt und jeder litt unter der furchtbaren Hitze, die wie Feuer vom Himmel fiel. Sie kamen an den Hürden des Bauern vorüber. Da standen die armen Thiere und ließen traurig die Köpfe hängen. Hunger und Durst hatten ihnen arg zugesetzt; das sah man ihnen an und für den Metzger waren die Schafe kaum noch zu gebrauchen, so mager und herabgekommen sahen sie aus. „Es ist ein Rachmones", sagte Apolandt, auf die Hürde deutend; „hier geht ein Kapital zu Grunde." „Wenn wir sie kaufen könnten, wäre vielleicht doch noch ein Stück Geld daran zu verdienen", sagte der Sohn. „Wenn Du Fräulein Pretorius um das Geld dazu bitten würdest, könnten wir ein schönes Geschäft machen." „Nein, mein Sohn; ich spekuliere nicht mit fremdem Gelde. Anny hat mir schon so oft zu einem reellen Geschäfte in uneigennützigster Weise Geld vorgeschossen, daß ich es nicht verantworten könnte, ihr Geld bet einer Spekulation zu riskieren." „Aber, lieber Vater, das ist doch keine Spekulation! das ist doch ein reelles Geschäft." „Wie man es nehmen will. Ich werde mich mit meiner Provision begnügen." Der junge Mann erwiederte nichts weiter; er ordnete sich auch in Geschäftssachen der befferen Einsicht seines Vaters unter und die Sache war damit abgethan. Sie setzten ihren Weg weiter fort und hörten überall, 1 wohin sie kamen, dieselben Klagen. Hie und da begegneten ihnen Prozessionen im Felde, welche wegen der Dürre veranstaltet wurden. Das Geschäft war schlecht. Die Landleute standen händeringend und warteten auf Regen, aber er kam nicht. Müde und matt kamen Apolandt und sein Sohn des Abends nach Hause. Sie hatten nichts verdient und so wie heute erging es ihnen jetzt sehr oft. „Ich werde mir in der Stadt ein Geschäft anfangen", sagte der Sohn zu seinem Vater; „dort wird die Armut nicht so groß sein." „Die Armut ist überall gleich", sagte Apolandt „und Gott wird helfen. Noch nie hat er die verlassen, so ihm vertrauen. Hajad adoschem tikzor? Ist die Hand Gottes vielleicht nicht mächtig genug, um zu helfen? „Bleibe auf dem Lande", fuhr er fort. „Du kennst die Bauern und sie kennen Dich und vertrauen Dir. Wenn der Verdienst in der Stadt auch größer ist, so sind dort doch auch die Bedürfnisse größer, so daß im großen Ganzen die Verhältnisse in der Stadt und auf dem Lande dieselben sind." „Der Städter hat aber auch etwas von seinem Leben." „Nicht mehr, als Du auch hast. Du siehst das Leben in der Stadt so rosig an; mein Sohn, es hat scharfe, sehr scharfe Dornen." Es war Zeit, zu Bett zu gehen. Der junge Mann war müde; er begab sich in sein Schlafzimmer, während der Vater, wie er es gewöhnt war, noch einen Folianten heröeibrachte, um nach des Tages Last und Müh Erholung und Labung zu finden im Borne des Lebens, in der heiligen Thora. (Fortsetzung folgt.) D« „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt gam jährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Ar» Buchhandel p» beziehe« Art <. $. Ktrtnnckrr, Leipzig, Deßptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petttzeile oder deren Xium. — Oesterreichtsche Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland nab Oesterreich 14 RetchS-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. Sine NScksendnng »,« an die Redaktion eingefandten Manuscripte« findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Copie zurückznbehalte«. Inhalt (Hanhtblatt): Leitender Artikel: Sprüche der VäNr. — Zeitungsnachrichten und Carrespondenzen: Deutschland: Berlin. Hannover. Dresden. Fulda. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Lemberg. —Rumänien: Bukarest. — Australien: Melbourne. — Feuilleton: Nur eine Tochter. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung l. Inhalt der ersten Beilage'. Literarische Berichte. — Zeitungsnachrichten und Correfpvndenzen: Deutschland; BeUin. Heidelberg. Stuttgart. Hagenau i. E — Au8 jüd. Vereinen, Schulen und Stiftungen. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hessen-Nassau. — England: London. — Vermischtes. Verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraste Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Zoh. Wirt Hachen Hostuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei Beilage«