Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 35 (2.5.1895)
- Date
- 1895-05-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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664 nachstehende Daten: Am 19. März 1892 wurde von Frau Sophie Grünfeld die Anregung zur Gründung einer israelitischen Ferien Colonie gegeben, und Dank der Thatkraft der genannten Dame war e8 auch möglich, noch im selben Sommer 45 Kindern die Wohlthat des Landaufenthaltes zukommen zu lassen, ein Jahr später konnten bereits 181 Kinder aufs Land geschickt werden, und nun ging die unermüdliche Präsidentin daran, ein eigenes Ferienheim zu gründen, und aus der „Ferien Colonie" entstand der Verein „Ferienheim", der im ersten Jahre seiner Thätigkeit 227 Kinder während der Sommermonate in seinen Colonien Schattmannsdorf, Prerau, Straßnitz und anderweitig zu beherbergen vermochte. Wir entnehmen dem Berichte folgende lesenswerthe Stelle: „Schwachen, leidenden Kindern, die in ihrem Elternhause kaum genug zu effen haben, haben wir in der Ferialzeit Landaufenthalt und somit Erholung von der nicht immer gesund verbrachten Schulzeit geboten. Wir haben die jungen Pflanzen dem ungesunden Erdreich der Großstadt entzogen und sie behutsam in blühende Gefilde versetzt. Staunend konnten wir Gärtner das rasche Gedeihen unserer Pfleglinge beobachten, und manches Pflänzletn, das milde das Köpfchen sinken ließ und dessen blasse Farbe unser Mitleid erregte, war schon nach einigen Tagen durch den genossenen Landaufenthalt in Haltung und Farbe bedeutend verändert. Die Wangen rötheten sich, der Gang wurde elastisch, der Appetit ließ nichts zu wünschen übrig, das kleine Volk war lustig und fühlte sich auch einmal glücklich, so wie die Kinder der Reichen! Hätten unsere Gönner die Jubelschreie der Mütter vernommen, als man ihnen ihre Kinder wiedergab, wahrlich sie fühlten sich für ihre Gabe reichlich belohnt." — Der Verein kann auf seine erfolgreiche Thätigkeit stolz sein und es ist zu wünschen, daß sich viele Förderer für die Unterstützung seiner humanitären Ausgabe finden. Der Verein, dessen Kanzlei sich I., Schottenring 23 befindet, steht unter dem Präsidium der Damen Sophie Grünfeld, Clara Berger und Julie Ftalla: als Schriftführerin fungirt Frau Antonie Graf, als Casstertn Frau Jenny Schur. Nunmehr hofft der Verein, auch ferner den Kreis seiner Freunde und Gönnerinnen zu erweitern und so in edlem Wetteifer mit den übrigen schon bestehenden und blühenden Institutionen dieses Zweiges der Humanitätspflege auf seinem eigenen Gebiete für arme Knaben und Mädchen Ersprießliches zu leisten. Lemberg. Der dieser Tage im 43. Lebensjahre in Lemberg verstorbene Hausbesitzer, Herr Salomon Berger, hat die israelitische Cultusgemeinde zur Universalerbin seines 80,000 Gulden betragenden Vermögens eingesetzt. Das israelitische Waisenhaus wurde mit 40.000 fl. bedacht, außerdem erhielten große Legate das jüdische Spital, das Stechenhaus und andere Wahlthätigkettsvereine, endlich wurde eine Stiftung von 6,500 fl. errichtet, deren Zinsen jährlich an einige arme aus Galizien stammende Kandidaten des Wiener Rabbinersemtnars zur Bertheilung gelangen werden. Das Letchenbegängniß dieses Wohlthäters bot einen imposanten Anblick. Der gesammte Vorstand gab dem Verblichenen das letzte Geleite. Rumänien. Bukarest. Es ist bekannt, daß nach der rumänischen Verfassung jede Naturalisation sowohl von der Kammer als vom Senat bewilligt sein muß. So ist es möglich, besonders die Eingaben der Juden, die seit 10 Jahren zu Tausenden um Ausnahme in den rumänischen Staatsverband sich bemüht haben, abzuweisen. Kaum 50 Israeliten sind in dieser Zeit naturalisiert worden. Aus Prinzip und ohne überhaupt darauf etnzugehen, verwerfen die Kammern jede Eingabe eines Israeliten, welches auch seine Verdienste sein mögen. Kürzlich hatte das Parlament ungefähr über 20 Eingaben zu entscheiden, alle von Juden ausgehend, welche Grade oder Titel an der Universität erworben haben, und Rumänien durch ihr Wissen und durch ihr Leben Ehre machen. Eine einzige ist in Erwägung gezogen worden, nämlich die deS Herrn Bermann Tlutza, Apothekers in Jassy. Unter den Zurückgewiesenen befindet stch auch Herr Herrmann Rubin, Chefredakteur der „JndSpendance roumaine", eines der ersten Bukarester Blätter. Australien. Melbourne. Nach einer jetzt geschloffenen Uebereinkunft zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Schulrath unserer Stadt soll die konfessionelle jüdische Schule eingehen, dagegen in allen Staats¬ und Stadtschulen jüdischer Religionsunterricht ertheilt werden. Die Kosten werden durch freiwillige Zeichnungen der Juden aufgebracht und ist schon ein vielversprechender Anfang gemacht. — In Adelaide feierte Rev. A. T. Boas sein 25jähriges Jubiläum als Kultusbeamter in dieser Stadt. Feuilleton, Uur eine Tochter. A» Erzählung von H. Berger. 35.) <Alle Rechte Vorbehalten. Apolandt, den wir am Anfänge unserer Erzählung kennen gelernt haben, kam, von seinem Sohne begleitet, näher. Er war alt geworden.