Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 35 (2.5.1895)
- Date
- 1895-05-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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qrsyspswqwaggagwsg^j^^ 662 Eigenliebe als Menschenliebe erscheinen zu lassen. — Wie sich diese schlechtverhüllte Rohheit der Gesinnung aber auch als sociale Weisheit und Tugend spreizen möge, die Weisheit der Weisen bricht unerbittlich den Stab darüber, indem sie lehrt: »Wer selber nicht giebt und nicht will, daß andere geben, der ist schlecht." Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. AK Berlin, 20. April. Die Obrrin des Berlins für jüdische Krankenpflegerinnen, Fräulein Rosa Blau, ist am 18. d. Mts. in ihr neues Amt feierlich eingeführt worden. Die Einführungsrede hielt der Vorsitzende des Vereins, Herr Alb. Ph. Meyer, unter Ueberreichung des von Frau Dr. Frankl gespendeten an einer goldenen Kette befestigten Vereinsab Zeichens, während Frau Commerzienrath Julie Gerson- Lieb ermann Namens der Damen und Herr Stadtverordneter Louis Sachs Namens des Krankenhauses die neue Oberin herzlich begrüßten. Auf die Feier folgte ein gemeinsamrs Abendessen der Schwestern, welchem in gehobener Stimmung eine größere Zahl der Erschienenen beiwohnten. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen verfügt zur Zeit über 5 ausgebildete Schwestern und 11 Schülerinnen. Berlin, 22. April. Vorgestern Abend ist wegen Abbruchs des Hauses Klosterstraße 99 die daselbst von Herrn Abraham hier, begründete »Israelitische Volksküche" geschlossen worden, und wird solche am 1. October c. im neu erbauten eigenen Gebäude der Anstalt, Gorman- Ecke Rosenthalerstraße, zu Gunsten der ärmeren Bevölkerung (ohne Unterschied der Confession) wieder eröffnet. Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch nachträglich kurz der, wie alljährlich, so auch in diesem Jahr am 8. und 9. von Herrn Abraham in würdevoller, streng ritueller Weise veranstalteten Seder-Feier gedenken. — An 230 Personen jüdischen Glaubens, — von denen die Meisten „F r e i- Marken" erhalten hatten, nahmen an dieser Theil, labten stch an den reichlich verabfolgten Speisen und dem vorschriftsmäßigen Wein und folgten andächtig der Vorlesung des Herrn Abraham aus der Hagadah, das Tischgebet nicht vergessend. — Dankerfüllten Herzens blicken alle Teilnehmer zu Herrn Abr. auf, der, unterstützt durch seine Frau Gemahlin, durch diesen Akt der Menschenliebe aufs neue seinen bekannten Wohlthätigkeilssinn bekundet und das unnütze Gerede müßiger Gegner in jüngster Zeit vollständig widerlegt hat. Mögen Glück und Segens stets seine edlen Handlungen begleiten! — E. Berlin. Im Jahre 1893 sind in Preußen 1480 selbstständige Personen in den Staatsverband ausgenommen d. h. naturalisirt worden; darunter befinden stch der Religion nach 1050 evangelische und 406 katholische Christen und 24 Juden, der seitherigen Staatsangehörigkeit nach 75 Russen, 189 Oesterreicher und Ungarn, 250 Holländer, 117 Nord-Amerikaner (meistens ehemalige Deutsche) 360 Dänen, 204 Angehörige anderer deutscher Bundesstaaten und 285 Angehörige sonstiger Staaten. Ehefrauen und minderjährige Kinder find in den mitgetheilten Zahlen nicht enthalten. Wie man an der Zahl von 24 naturalistrten Juden sieht, ist die Regierung auch ohne neues Gesetz in der Lage, »ihre Uuterthanen, von der lieber fluthung durch ausländische Juden" zu retten. Hannover. (Einschulung vonJuden.) Auf den Bericht der König!. Regierung hat der Kultusminister unterm 11. Januar erwiedert, daß er den Antrag eines hannoverschen Schulvorstands auf Einschulung der Juden für begründet erachte, da hierdurch der christliche Charakter der Schule nicht berührt wird, im übrigen den Bethelligten, falls sie eine solche Maßregel mit den Gesetzen nicht vereinbar halten, der Weg des Verwaltungsstreitverfahrens offen bleibe. Dresden, 21. April. Die seiner Zeit unter großartigen Hoffnungen und Versprechungen in's Leben gerufene antisemitische „Deutsche Wacht" hat während der ersten 5 Vierteljahre ihres Bestehens einen Zuschuß von 98,869.10 Mk. erfordert. Es geht das aus dem ersten Rechenschaftsbericht über dre Zeit vom 1. Oktober 1893 bis 31. D.zember 1894 hervor, den der Direktor der Aktiengesellschaft »Deutsche Wacht". Reichstagsabg. Ztmmermann dieser Tage veröffentlicht hat. Da das Aktienkapital zur Zeit 179,600 M. beträgt, so ergibt sich also für die Herren Aktionäre ein Verlust von reichlich 55 pCt. des von ihnen eingezahlten Kapitals, während ihnen bet der Gründung eine Dividende von 10 bis 15 pCt. in Aussicht gestellt wurde. Ob die beabsichtigte Erhöhung des Aktienkapitals' unter solchen Umständen so leicht zu ermöglichen sein wird, wie die »Reformer" hoffen, darf wohl bezweifelt werden. Fulda. In Folge der Berichte in Nr. 29 und 33 Ihres gesch. Blattes bin ich von mehreren ersucht worden, die genaueren Merkmale der an den betr. »na gefundenen zu ver> öffentlichen, um die Fachkundigen in den Stand zu setzen, wo ihnen derartige pten ’ra in Händen kommen, den Betrug zu entdecken. Ohne die ge-