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Der Israelit · 1895-04-29 · Heft 34 (29.4.1895) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 34 (29.4.1895)
Date
1895-04-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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JllyeS (unabhängig) schloß sich NamenS seiner Partei den Worten des Ministers an, weil die konfessionellen Schranken endlich einmal fallen müßten. Professor Neumann geißelte die Bestrebungen der Volkspartei und der Antisemiten und betonte, in Ungarn werde die Reaktion nie siegen. Graf Julius Szapary erklärte sich gleichfalls für die Rcception; sie sei nur recht und billig. Die interkonfessionelle Gesetzgebung müsse für alle Staatsbürger gleich sein. Redner unterbreitete sodann dem Hause eine ganze Reihe Modifikationsanträge, welche darin gipfeln, der Gesetzentwurf über die Reception müsse mit dem über die freie Reltgionsübung vereinigt werden. Der Minister Wlassics erklärte sich jedoch entschieden dagegen. Es sprachen noch Polonyi, Pechy, Appony und Pater Vajai, letzterer auf seinen dogmatischen Standpunkt sich berufend jedoch mit der höchsten Achtung von den Juden sprechend. Bet der Abstimmung über den Antrag Szapary's wurde dieser mit erdrückender Majorität abgelehnt; dafür waren nur die Nationalpartci und die Secessionisten. Der Antrag des Ministers auf Aufrechthaltung des Gesetzentwurfs wurde hierauf mit Ausnahme von vier Abgeordneten vom ganzen Hause angenommen. An der Abstimmung für die Reception nahm auch Franz Koffuth Theil, der heute zum ersten Mal im Abgeordnetenhause erschien. Kv»iginhof, 18. April. Die Wirkung der Wiener Gemeinderathswahlen sind auf die jüdische Bevölkerung in Böhmen nicht ohne Wirkung geblieben. Man besorgt hier ein stärkeres Anschwellen der antssemitisch-deutsch-nationalen Bewegung, und das könnte leicht auf die politische Stellung der Juden, welche bisher treu an der Seite der deutschen Partei in Böhmen gekämpft haben, eine Rückwirkung äußern. In einzelnen Städten, wie z. B. in Trautenau, soll sich bereits gegenwärtig der Antisemitismus in so vordringlicher Weise bemerkbar machen, daß die dortigen Juden sich zur Abwehr rallüren und über die Mittel zur Abwehr ernstlich berathen. Frankreich. Paris, 11. April. Einer der hervorragendsten Aerzte unserer Stadt, Herr Dr. Schaffier, ist plötzlich verschieden. Trotz der aufreibenden Pflichten feiner Berufsthättgkett hat der im besten Mannesalter Dahingeraffte eine philanthropische Thätigkeit (namentlich zu Gunsten seiner russischen Heimathsgenofsen) entfaltet, von deren Umfang sich nur die genauer Unterrichteten eine Vorstellung zu machen vermögen. Vertrauensarzt des greisen Präsidenten der ^lliavoe israölit« naiverssÜs, Herrn S. H. Goldschmidt, war er zugleich der Berather und Almosenier dieses fürstlichen Wohlthäters. Ein vortrefflicher, allezeit hilfsbereiter Mensch sinkt in's frühe Grab, an welchem in gerechter Trauer alle diejenigen klagen, welche Zeugen dieses der Menschenbeglückung gewidmeten Erdenwallens gewesen. Rußland. Wilrra, 31. März. Ein eigenartiges Fest wurde am 17. d. M. in Ltda gefeiert. Die dort garnisontrenden jüdischen Soldaten hatten beschlossen, zur Erinnerung an die Hochzeit Ihrer Majestäten eine Thorarolle zu schreiben, und veranstalteten mit Genehmigung des Regiments-Commandeurs in der Synagoge eine Festlichkeit zu welcher auch das gesamte Offiztercorps der Garnison erschien. Mehrere Reden wurden gehalten und musikalische Vorträge, vom Synagogenchor, zu Gehör gebracht. Sodann wurden „Hakofoth“ gemacht, worauf dann jeder der Anwesenden für sich einen Buchstaben schreiben ließ. Auch sämmtliche Offiziere überreichten dem Brauche gemäß dem Löter eigenhändig die Feder, ließen für sich je einen Buchstaben schreiben und spendeten je 5 Rubel. Fe«iUet o «. Uur eine Tochter. Erzählung von H. Berger. 35.) (Me Rechte Vorbehalten. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Kunde von der Rückkehr der auf so wunderbare Weise den Gefahren der Wüste und des Meeres glücklich Entronnenen durch die ganze Stadt verbreitet und bet der Beliebtheit, die sich Anny überall erfreute, gratulierte man schon jetzt dem überglücklichen Vater und fragte ihn um Auskunft über Dinge, die er selbst nicht wußte. Ein Telegramm meldete ihm die Zeit, wo er seine Kinder erwarten dürfte und er konnte eS nicht verhindern, daß sich Hunderte von Menschen auf dem Bahnhof einsande», um die Ankunft Annys zu erwarten. Er selbst ging vor Aufregung zitternd im Wartesaale auf und ab und hörte und sah nichts von dem, was um ihn her vorging. Endlich war die bestimmte Zeit da und auf die Sekunde fuhr der Zug donnernd in die Halle ein. Dr. Pretorius sah nach den Fenstern der Wagen, aber er konnte seine Kinder nicht erblicken und erst als die größte Anzahl der Reisenden de« Zug schon verlassen hatte, erblickte er Willy, der seiner Schwester behutsam ausstetgen half. Der Vater eilte mit offenen Armen auf Anny zu; einen Augenblick noch und sie hing aufjauchzend an seinem Halse. Thränen der Freude rannen über fein, von den Ereignissen des letzten Jahres gealtet»

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