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Der Israelit · 1895-04-29 · Heft 34 (29.4.1895) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 34 (29.4.1895)
Date
1895-04-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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L ^y^g^Jr^g^~T5g'*r?CT^?^yr-'r- "*r 649 tes Antlitz und das erste Wort, das über feine Lippen kam, war ein Dankaebet: „Ich danke Dir, Du Retter Israels, daß Du mir mein Kind wiedergegeben, meine Tochter hast heimkehren lasten in mein verödetes Haust" Nun kamen auch die näheren Bekannten herbei und bewillkommten Anny und als sie endlich an der Ausgaugspforte des Bahnhofs am Arme ihres Vaters erschien, da brachen die Draußenstehenden in ein jubelndes Hoch aus, das sich wiederholte bis sie das Haus des Vaters erreicht hatte. Hier erwartete sie Fanny und empfing sie mit Umarmung und Kuß. Dann wurde sie ins Zimmer geleitet, woselbst sie der Vater abermals umarmte und küßte. Er ließ sie nicht von seiner Seite. Kaum, daß sie ihre Garderobe wechseln und sich waschen konnte, wartete er schon wieder auf sie und führte sie in sein Zimmer, wo er einige Erf.ischungen batte hinbringen lasten. Hand in Hand saßen Vater und Tochter auf dem Sopha und er bediente sie, als ob sie ein kleines Kind wäre und war glücklich, daß sie seine Dienste dankbar annahm. Willy saß ihnen gegenüber und aus seinen Augen leuchtete das Glück und die Freude, die Schwester, die Geliebte wieder in der Heimath zu haben. Nun ging das Erzählen von Neuem an. Dr. Pretorias fragte nicht. Er saß nur da und hörte aufmerksam zu und wischte von Zeit zu Zeit eine Thräne ab, die verrätherisch über seine Wangen rollte. Mit Anny war der gute Geist des Hauses wiedergekommen. Die Stille und Grabesruhe, die seither in'den weiten Räumen geherrscht hatte, wich einem angenehmen Leben und Treiben. Der Rechtsanwalt athmete wieder auf von dem Drucke, der auf ihm gelastet hatte, undZer fühlte sich wieder glücklich und zufrieden in der Nähe seiner Tochter. Am anderen Tage erschien Herr von Gilsa; er brachte der „kühnen Reisenden" ein herrliches Rosenbouquet und schalt sie scherzend, daß sie ihn nicht als Reisemarschall mitgenommen habe. „Sie haben Besteres gethan," entgegnete sie, den dankbaren Blick voll zu ihm aufschlagend, „Sie Haben meinem Vater Gesellschaft geleistet und ihn getröstet über seine ungehorsame Tochter." „Sprich nicht davon, mein Kind," wehrte der Vater ab. „Möchte Jeder eine solche Tochter haben, wie mir der liebe Gott in Dir - eine gegeben hat; so wie Du bist." „O Vater," scherzte sie, „mache mich nicht eitel, sonst erröthe ich gar vor Herrn von Gilsa. Er kennt meinen Werth und meine Mängel, nicht wahr?" „Den Werth wohl, die Mängel nicht," entgegnete der Freiherr galant. „O, Sie fangen auch an, zu schmeicheln, da muß ich mich wohl an Willy wenden, wenn ich die Wahrheit hören will," sagte Anny lachend. „Für mich," entgegnete dieser ernsten Tones, „bist Du das vollkommenste Geschöpf, welches auf Gottes Erde existirt." „Schweig," rief Anny, in komischem Entsetzen sich die Hände vor die Ohren haltend, „Du bist ganz blind." „Ich habe das noch nicht bemerkt," entgegnete Herr von Gilsa trocken. „Im Gegentheil; ich glaube, der Herr Rechtsanwalt hat einen ganz scharfen Blick. Ueb.igens soll die Differenz in unseren Ansichten uns nicht entzweien und „darum keenr Feendschast nlch!" So zog sich die Unterhaltung hin. Herr von Gilsa blieb zu Tische da und genoß das Glück seiner Freunde mit. Als er sich endlich gegen Abend verabschiedete, drückte er einen Kuß auf Annys Sttrn und sagte: «Glücklich der Vater, der Dich besitzt, glücklich der Mann, dem Du die Hand zum Bunde fürs Leben reichst, Du herrliche Tochter Israels." Anny hatte lange an ihren Reiseerlebnissen zu erzählen und der Rechtsanwalt konnte nicht müde werden, ihr zuzuhören. Mit verhaltenem Athem lauschte er der Schilderung der Gefahren, die sei« Kind überstanden und athmete wie erlöst auf, wenn die Erzählung vorüber war. Hawkins Andenkens hielt er hoch, stimmte mit Anny in das Lob dieses treuen Menschen ein. Seiner Vorsicht war es zuzuschreiben, daß der ganze Erfolg der Reise mit dem Untergang des Dampfers und dem Verluste der Papiere Anvys nicht in Frage gestellt wurde, denn nach vierzehn Tagen kamen mit der Post von Capstadt die Originalpopiere an, deren beglaubigte Abschriften Anny mit sich geführt und beim Untergange des Dampfers verloren hatte. Nun waltete in dieser traurigen Affaire kein Zweifel mehr, Dr. Pretorius war glänzend gerechtfertigt und sein Name und sein Ansehen waren größer denn je. Seine Klienten vermehrten sich von Tag zu Tag, sein Einkommen vergrößerte sich immer mehr, so daß der Schlag, den ihm der Bankerott seines Bankhauses versetzt hatte, bald überwunden war. In Willy hatte er einen tüchtigen getreuen Mitarbeiter, dessen Ruf bald mit dem Seinigen rivalisiren konnte, und der nicht nur unter seinen Berufsgenoffen, sondern auch unter den Gelehrten Israels einen bekannten Namen hatte. Das Schicksal schien das Füllhorn des Glücks über unsere Helden ausgegossen zu haben und sie für das entschädigen zu wollen, was sie durch seine *Tücke erlitten hatten. Anny hatte sich wieder all ihren Ehrenämtern

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