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Der Israelit · 1895-04-29 · Heft 34 (29.4.1895) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 34 (29.4.1895)
Date
1895-04-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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646 Ujjtf JVM 1 t1;-" ■*"• *** der einen Partei ihr Vorbeter, oder muß er es mit beiden Parteien halten, und für die eine Partei die v"i'-Gebete, für die andere hv n^sn beten? — Es lassen sich noch verschiedene andere Situationen denken, deren Aufzählung und Behandlung wir aber den Casuiften dieser neuen Religionssekte über, lassen wollen. Wir find zu Ende. — Wer Herrn Dr. Sondheimer kennt, wundert sich nicht über diese Extravacanzen und Absurditäten, so wenig wie über die Anmaßung, ohne welche ein solches Gebühren nicht denkbar ist. — Daß die Synode sich aber gleich bet ihrem ersten Auftreten dazu hergegeben hat, diesen Sondheimer'schen Allüren als Folio zu dienen, wird, trotz aller schönen Reden, nicht zur Erhöhung ihres Ansehens beitragen. — Daß der Einfluß derjenigen Elemente in der Synode die Oberhand hat, welche Anträge dieses Schlags auch nur zur Diskussion zu stellen gestatten, charakterisirt sie in nicht sehr Vertrauen erweckender Weise. — An dieser Charakterisirung wird durch dieLeisetreteret in geheimer Sitzung und die dann erfolgte Ablehnung wenig geändert. — Das ist das einzige Verdienstliche an dem Sakrilegium, das dieser Antrag bedeutet. Tin Kesllch im Kkdkl-Adend in der israes. Kuppenanstatt zu Jmnkfurt a. W. 8. Die Leser d. Bl. werden sich des Berichtes erinnern, den ich vor einem halben Jahre über die hier bestehende Suppenanstalt für Israeliten, die den Winter hindurch täglich an 200—300 Arme unentgeltlich speist, bet Gelegenheit der Eröffnung des neuen Gebäudes, an dieser Stelle veröffentlichte. Wenn ich heute noch einmal auf diese so wohlthättg wirkende Anstalt zurückkomme, so geschieht es eine Anregung nach außen hin zu geben und zur Nachahmung aufzufordern, den Ausspruch zur Wahrheit werden zu lassen, mit dem im Kreise der Unsrtgen die Feier des Seder-Abends beginnt: b NVS'I >rv> *pjn hi hm 'N" PD21. Wie waren meine Begleiter und ich überrascht, als wir auf Einladung eines der Vorsteher der Suppenanstalt nach Schluß der Synagoge dieser einen Besuch abstatteten! Es wurde uns warm ums Herz, als wir sahen, was man hier für die Enterbten gethan. Ist der bei aller Einfachheit doch so schöne von einem vielarmigen Gaslüstre hellerleuchtete Saal schon geeignet jeden, der Herz und Gefühl für die Armen hat, mit Befriedigung darüber zu erfüllen, daß man nicht nur für die Armen sorgt, sondern daß man ihnen durch Anweisung schöner Räume auch Achtung entgegenbringt: so war jedoch der Anblick einer Herrichtung für einen Sederabend in diesen Räumen ein ganz überwältigender. Eine lange Tafel mit blüthenweißen Leinen gedeckt, geziert mit Blumen und kerzentragenden Leuchtern ist in der Mitte des Saales aufgestellt; man scheint sechzig Personen zu erwarten, denn so viele Stühle befinden sich um den Tisch, auf jedem Platz eine Hagada und für je zwei Personen eine Flasche Wein. Am Ende des Tisches der S!tz für den Herrn Verwalter, der ebenso umsichtig wie wohlwollend sein schweres Amt versteht und für dessen Familie. Hier sehen wir die wohlbestellte Sederschüssel, die Sederklffen, kurz alles, was zu einem richtigen jüdischen Familieusedertisch gehört. Und um den Verwalter und seine Familie werden Arme geschaart sein, die sonst kein Heim haben, die das schönste Familienfest allein verbringen müßten, solche, die trotz vieler Einladungen, deren sich ja hier in Wirklichkeit Arme in Familien zu erfreuen haben, leer ausgegangen sind: Hier finden fie freundliche Aufnahme und liebevolle Behandlung, hier fühlen sie sich schnell zu Hause. Ja, der Anblick schon der Vorbereitung für den Empfang der Armen war überwältigend, eS war ein frohes inneres Bewußtsein, daS wir mit nach Haufe nahmen, das Bewußtsein, daß für Linderung socialer Uebel von den Juden doch noch alle lernen können. Zeitungsnachrichten «ud Correspondeuzen. Deutschland. Berlin. Wie antisemitische Blätter mit tiefer Betrübniß melden, hat der Oberstaatsanwalt Drescher gegen das Urtheil der 3. Strafkammer des Berliner Landgerichts I. in Sachen v. Mosch Revision eingelegt. Es handelt sich um den bekannten Prozeß, in dem Herr v. Mosch wegen des Artikels: „Der Tod Kaiser Alexanders von Rußland ein talmudisches Verbrechen", angeklagt war und mit der Motivirung freigesprochen wurde, daß, obwohl alle Requisiten der Gotteslästerung unzweifelhaft vorlägen, doch ein beschimpfender Ausdruck nicht vorhanden sei, und daß der Angeklagte nicht die Religion der Juden, sondern nur die Rasse treffen wollte. Ans Baden. In Hemsbach, Amt Weinheim, ist ein Brand während der jüngsten Feiertage ausgebrochen, der mehrere Scheuern in Asche legte; infolge dessen wurde auch die anstoßende Synagoge ein Raub der Flammen. Die heiligen Fahrnißgegenstände konnten gerettet werden. Die Synagoge ist noch nicht alt und hatte bet dem Neubau der selige Baron Herr Anselm von Rothschild einen großen Theil der Baukosten

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