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Der Israelit · 1895-04-25 · Heft 33 (25.4.1895) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 33 (25.4.1895)
Date
1895-04-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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636 Festtagen gibt uns die willkommene Gelegenheit die Frage aufzuwerfen, ob, wie unS von unterrichteter Sette mitgetheilt wird, selbst in den Festsälen, in denen der Gottesdienst nach dem gemäßigt conservativen Ritus der Katsersynagoge vor sich gehen sollte, christliche Sänger mitgewirkt haben?! Sollte für den Osten Berlins von der jüdischen Gemeinde gottesdienstliche Versammlungen veranstaltet werden, so ist natürlich zu verlangen, daß zum mindestens die Gebetordnung der Kaiserstraßensynagoge dort Eingang findet. Außerdem wurde noch die Subvention an die jüdische Religionsgemeinde unserer westlichen Nachbarstadt Charlottenburg im Betrage von 7000 M. für das Jahr 1895/96 gewährt, mit dem Vermerk, daß der Etat, welche der jüdische Gemeindevorstand Berlins von der charlottenburger Verwaltung eingefordert hat, „nach keiner Richtung zu irgend welchen Bedenken Anlaß gab." Die Berathung über den Antrag in Betreff der Abänderung des Gemeindestatuts wurde vertagt, weil die Commission die dazu erforderlichen Vorarbeiten noch nicht genügend gefördert hatte. Daß gleiche Schicksal widerfuhr dem Anträge über die Neuordnung der Gebete für den Jugendgotttsdienst. Wenn ein guter Rath aus ehrlich jüdischem Herzen noch nicht verspätet kommt, so meinen wir aus pädagogischen, wie aus religiösen Motiven sei das Beste, daß die Gebete in derselben Form und in derselben Reihenfolge belassen werden, wie der Heidenheimsche Sidur, der doch trotz aller Reformen und Verbesserungen immer noch die gottesdienstliche Agende für die jüdischen Synagogen ist, sie gibt. Hat doch der Jugendgottesdienst vornehmlich die Aufgabe für den Gemeindegottesdienst heranzubilden. Und dann noch eines, weniger brausender Orgelklang und mehr frischer Kindersang! Wir empfehlen übrigens den Herren, die den Gemeinde-Jugendgottesdienst neu organisiren wollen, einmal den Besuch des Jugendgottesdienstes, den allsabbatlich und allfesttäglich die Religionsschule der „Adaß-Jisroel Gemeinde" in ihrer Synagoge Gypsftraße 12 a veranstaltet. Da gibt es noch viel zu lernen für unsere Repräsentanten und ohne Uebertreibung — man wird eS uns glauben — können wir behaupten, daß wenn die jüdische Gemeinde diesem Vorbild folgt, sich binnen Kurzem der religiöse Verfall der jüdischen Jugend, über die man doch so allgemein Klage führt, beseitigt sein wird. Es würde uns wahrlich eine rechte Herzenfreude sein, wenn die berliner jüdische Gsmeindeleitung einmal eine gutgemeinte Anregung aus der Mitte der allergetreuesten Opposition zum Besten der jüdischen Gesammtintereffen aufnehmen würde. Geschieht dies aber nicht, dann werden wir dem Vorstand und der Repräsentantenversammlung die schmerzlich ernsten Worte zurusen müssen, mit denen der verehrte jüdische Literarhistoriker Dr. A. Berliner seine meisterhaften Ausführungen gegen die kindisch-närrischen Gebetverstümmelungen des Stettiner Reformhelden Vogelstein in der jüngst erschienenen Broschüre schloß: „Die Schwachen habt ihr nicht gekräftigt, die Schwächen habt ihr nicht geheilt." X Wougrowitz, im April. Der im vorigen Winter in hiesiger Gemeinde gegründete Verein für jüd. Geschichte und Literatur, der z. Z. ca. 60 Mitglieder zählt, hat in diesem Winter eine rege Thätigkeit entfaltet. Den Reigen der Vorträge eröffnete am 15. September, anläßlich der 70jährigen Geburtstagsfeier des Prof. Lazarus, Herr Rabbinats- Verweser Nischkowsky hier, indem er das Lebensbild des gefeierten Gelehrten entwarf. Nach den Festtagen sprach Herr Rabb. Dr. Rosenthal-Rogasen über „das Gemeindeleben der Juden in Alexandrien vor 2000 Jahren." Im Laufe des Winters sprach noch Herr Schriftsteller Alb. Katz Pankow über „die Ethik des Talmuds", Herr Dr. med. Peiser hier über „Culturleben der Juden in der vorprophettschen Zeit", die rühmlichst bekannte Frau Nahida Remy über „das Weib im Talmud", die, wie wir hören, zum Judenthume übergetreten ist, um Herrn Prof. Lazarus zu hetrathen; Herr Rabb. Verw. Nischkowsky über „Akiba ben Joseph", Herr Lehrer Sptewkowskt hier über „die Vertreibung der Juden aus Spanien, Herr stuä. eliem. Pinczower über Uriel Acosta. Am vorletzten Sonntag hielt Herr Rabb. Rosenthal-Rogasen einen interessanten Vortrag über „Herder und die Bibel", mit welchem der Vorträgecyclus in dieser Saison geschloffen wurde. Es würde den Rahmen eines Berichtes weit überschreiten, wollte ich auf die einzelnen Vorträge näher eingehen; ich beschränke mich daher nur noch hervorzuheben, daß der Besuch und namentlich seitens der Damenwelt im Allgemeinen ein recht reger war, und die Vorträge mit sichtlichem Interesse und Beifall ausgenommen wurden. Erwähnt sei noch, daß an jedem Vortragsabend auch verschiedene Fragen religiöser und literarischer Art zur Erörterung gelangten. Durch Zuwendung einer Reihe von Werken seitens des Centralverbands sowie durch Prtvatschenkungen ist es uns möglich geworden, eine Vereinsbibliothek zu errichten, von der die Mitglieder ausgiebigen Gebrauch machen. So ist der Vorstand des Ltteraturvereins nach allen Seiten hin eifrig bemüht, das Interesse für die Geistesschätze unseres Schriftthums zu beleben und zu förderen. Mögen seine Bemühungen vom besten Erfolge gekrönt werden. nin»

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