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Der Israelit · 1895-04-25 · Heft 33 (25.4.1895) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 33 (25.4.1895)
Date
1895-04-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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626 Und so gebe Gott, daß die Feier dieses Festes unser lebenlang in wohlthätiger Erinnerung bleibe, daß in Ihrem Wirken und Walten stets Gottes Segen mit Ihnen sei und das gute Werk an dessen Beginn wir stehen, gedeihen lasten. Hierauf bestieg Hnr Dc. Hirsch feld das Podium zur Entwickelung der folgenden Programmrede: 'n vsb D'pn&D bt*iwy n»n bj) mm „Und David und das ganze Haus Israel scherzten vor dem Herrn." Also haben wir in der gestern verlesenen Haphthora gehört. Meine verehrten Festgenosten! Auch eine Freude, spielende, lärmende, lachende Freude, eine glaubensselige Heiterkeit, ein frohgemuthes Scherzen zum Zweck de- Heiligen und Göttlichen ist ein Gottesdienst, nicht minder Gottesdienst, als der fchwermuthsvolle Ernst frommer Butze. „Und David und das ganze Haus Israel scherzten vor dem Herrn " Der berühmte Verfaster deS Buches Cusari geht in dieser Anschauung von geweihter Frohlaune so weit, daß er ausdrücklich lehrt: Erst, wenn Deine Freude vor Gott in Gesang und Tanz übergeht, dann ist sie erst recht Gottesdienst; lehren doch unsere Weisen ausdrücklich selbst: DJ’DtEM mao bw nnw “an nwo n3n mw „Die Gottheit ruht nur in der Nähe religiöser Freude." isf3j/’1 D’p»nai 0»p3N »JD3 „Und die Frommen freuen sich und frohlocken vor Gott nnotCG ltP’itn und jauchzen auf in Freude." Selbst Freuden körperlicher Art, leibliche Genüsse dienen dem Zwecke des Gottesdienstes; besonders gilt dies gerade in Bezug auf die Freuden der Tafel. Unser Talmud sagt: ’3n -am „Und er sprach zu mir: 'fl uw jn?vn n? das ist der Tisch, der vor dem Herrn steht." So heißt es beim Propheten Ezechiel; vorher sprach der Prophet vom Altäre, jetzt spricht er vom Tisch .\rftW2 D»»D! rimon llNO in»inn ne*o 3tj/3n 'm pro» '3 R. I. u. B. El. sagten beide: 3N3L" 3y 3530 nmo o*»p r^npQ.n n»ntp pr 33. 1'2»3P1 und jetzt 1'3P 333Q D3N 3ff 121332* dient der Tisch, die Tafel deS Menschen, ihm zu Sühne und Versöhnung. Heute ist uns der Tisch Altar; hier kann und soll der Mensch die Kraft seiner Selbstbeherrschung beweisen, an diesem Altäre kann und soll er die größten Opfer bringen, hier, wo die Sinnlichkeit den Menschen in uns vergißt und gierig das niedere Bedürfnis befriedigt; hier sollen wir an Gott, an unsere höhere Bestimmung denken und uns mit dem göttlichen Worte beschäftigen. Israel gehöret nicht zu denen: iN3p N7> \n DP13 173N „die da Brod essen und den Herrn nicht zu Tische laden." Nun, meine Festgenossen, diese nmyD ist gewiß eine niLQ 32* nmyD, ein Gelage, an dem zumal wir daS Glück haben, einen herrlich duftenden Kranz wahrer, echter GotteSmänner ’2’2D nölD »2*2Ni mmn ’3’3N nnn blühen zu sehen, und nnipOQ 32323 33 „wer da gewetzt von einem Mahle, 33inn ’nitf can n’CDnt^ an welchem der Geist von 3"n, von GotteSgelehrten weht, i?N3 32»32*3 i’TD 3232, der genießt gleichsam vom Glanze der Gottheit selbst. Ein höherer Geist erfüllt alle Theilnehmer dieses Freudengelages, ein Geist herzlicher Glaubenswonne, wahrer, inniger, erquickender Gottesbegeisterung. Aber ich, tiefbewegt ist mein Inneres, eine Fülle unaussprechlicher, ernster Empfindungen übermannt mich, wie ein Flutenfall auS weiten Felsenrissen erströmen die Ergüsse meines Herzens in dieser Stunde. Dieses Fest, für mich ist es gleichsam die Schwelle, auf der ich in den heiligen Tempel der Gottheit hineintrete, um dort zu Ihrem schweren, verantwortungSreichen Dienste geweiht zu werden. Man hat mich berufen, mich bestellt auf eine hohe Warte n»33 pnn pin3 BHpn nx nr ww nnp* 333 n»3y 033 Doch, ob auch 3Dnnn »n2t:pi nmnn 'nnn ich arm an Thorakenntniffen, winzig an heiliger Weisheit bin, ich fasse Muth, meine berechtigte Schüchternheit zu überwinden. Denn e i n Wort sprachen unsere Weisen, und dieses Wort läßt mich frei auftreten: “pN3p» "jD2*n „Bei Deinem Namen wird man Dich rufen, “jin»2*i» “Dipcm und an Deinen Ort wird man Dich setzen “p un» *p2*Di und vor den Deinigen wird man Dir zuertheilen." Der Wille Gottes war es, der sich in der Einstimmigkeit der Gesamtheit, die mich erwählt, kund gab; und wenn Gott mich berufen an die Spitze dieser ehrwürdigen, glaubensbegeisterten Vereinigungen, so spreche ich ein laute- »223 „hier bin ich" und bin bereit, die heilige Mission zu übernehmen. Ich, der ich eigentlich mit dem heutigen Tage daS Rabbinat hier antrete, will mit geweihtem Religionseifer und mit Thatkraft für die große Sache des traditionellen, doch des echten, wahren, unverfälschten JudenthumS wirken und schaffen, will Ausdauer bewahren in meiner AmtSthätigkeit, will nicht auf halben Wege stehen bleiben, sondern unermüdlich arbeiten an der mir anvertrauten Aufgabe. An die Glieder meiner Gemeinde Hinwiedrum richte ich das Ersuchen, mir die so freudig entgegengebrachte Vertrauensseligkeit und Liebe fürder in voller Kraft bewahren zu wollen und nie erlahnen zu lassen. An dieser Stelle erlaube ich mir, ein Wort meines hochseligen Großvaters, y"’l 3J72DDJ/3S 3D?2* m, die sinnige Deutung eines Satzes beim Propheten Zacharias darzubieten, wie ich sie selbst aus feinem weisheitsvollen Munde gehört TO01 »23 p'2 nn „Juble und freue dich, Tochter Zions, N3 »223 ’3 denn siehe ich komme, “pinn »3232*1 und werde bei Dir bleiben '3 DN2 spricht der Ewige." tw »23 „juble und freue dich," ist hier keine stumpfe und phrasenhafte Zusammenstellung zweier Ausdrücke gleicher Bedeutuug, jeder Ausdruck soll vielmehr etwas Neues, Besonderes bezeichnen, 323 von pn sich herleitend, bedeutet, wie schon der Doppellaut des Stammwortes bekundet, den lauten Jubel, die lärmende Freude, das übermüthige Frohlocken, das lustige, heitere Jauchzen nnn 323 ,3302* dagegen deutet aus die einfache, naturgemäße, bescheidene und besonnene Freude hin n3n 3nD2*. „Juble und freue Dich Tochter ZionS, denn siehe, ich komme und werde bei Dir bleiben. Gott kündigt sich als Gast an Nn »223 ’3, ich komme eben und das '23, den stürmischen Freudenrausch zu feinem Empfange; daS Wonnegefühl bemächtigt sich ZionS beim Einzuge Gottes und durch lauten Jubel gibt es seinen Gefühlen Ausdruck. „Wisse aber," spricht Gott, »3232*1 “pinn, daß ich bei Dir zu bleiben gedenke, ich werde Dir zur Gewohnheit werden, drum bitte ich Dich, da doch die schreiende Freude naturgemäß in Zukunft verstummen wird, mir wenigstens ein TOffi angedeihen zu lassen; mag, wenn die Flügel deS »23 sinken werden, die bescheidene, besonnene 3ni32* an dessen Stelle treten, nur daß Du durch mein Verbleiben in Deiner Mitte nicht von einem Extrem inandere fällst; '23 gilt dem N3 '223 ’3 und »3122*1 dem 33133 »32323. Auch ich, meine Freunde, wage es, eine ähnliche Anforderung an Sie zu stellen. Auch ich, der ich mit dem Dichter empfinde, daß die Zuneigung der Menschen einem schwachen Rohre gleicht, an welcheman mit Zuversicht sich nicht lehnen kann, auch ich bitte Sie, wenn der große Markt des Lebens Sie von religiöser Erbauung ablenken wird, wenn vor dem geschäftlichen Verkehr das Gotteshaus und dessen Vertreter in den Hintergrund gedrängt werden, daß auch dann nicht erkalten möge Ihre Liebe zu mir, mit der Sie jetzt so freundlich mir entgegenkommen. Ich werde auf's Eifrigste bemüht sein, Ihr Vertrauen, dessen Sie mich jetzt würdigen, zu rechtfertigen. Ich sage „Vertrauen rechtfertigen," weil da- Rabbinat Pflichten auferlegt, deren Erfüllung eine schwere, verantwortungsreiche Aufgabe des Rabbiners ist. Der Talmud sagt: »2X 3332*2* orw pmo3 D33 1312 ihr glaubt, daß ich euch eine Herrschaft gebe,

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