Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 33 (25.4.1895)
- Date
- 1895-04-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448559-2448591--40635-2489556- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXVI. Jahrgang. Erste Beilage ju M 33 des „Israelit". Leitender Artikel. Die Amtseinführung des Herrn Rabbiners Dr. $. Kirfchfrld in den $tabt- und Landkreis Kietzen. Mainz, 23. April. Das war ein wundervolles, erhabenes und erhebendes Fest, welchem betzuwohnen wir am vergangenen Sonntag das Glück und die Ehre hatten. Wir haben bereits in unser Nummer 27 u. 28 von den Vorgängen berichtet, welche sich seit einer Reihe von Jahren in dem obengenannten Kreise abspielten. Die Zustände daselbst in Bezug auf unsere heiligsten Institutionen waren thatsächlich jammervolle, bis es einer Anzahl wackerer Männer gelang, eine von der Hauptgemetnde getrennte Religionsgesellschaft ins Leben zu rufen, welche heute in der Anstellung des obengenannten Rabbiners ihre richtige Weihe empfing. Für diesen, für die Geschichte der Oberhessischen Judenheil so hochwichtigen Tag veranstaltete der „Cultusverein zur Wahrung der religiösen Jntereffen des Judenthums in Oberheffen", so heißt die junge Vereinigung, ein Fest, zu welchem viele Vertreter der Provinzgemeinden, sowie eine Reihe von Freunden der guten Sache aus Nah und Fern herbeigeeilt waren. In den herrlichen Räumen des Stetn'schen Etablissements versammelten sich die Festgenossen. Zur Eröffnung der offt.teilen Feter betrat Herr Bankier Grünewald, der Vorsitzende des Vereins, das Podium, gab, nach Begrüßung der anwesenden Theilnehmer des Festes, eine Skizze vom Entstehen und der Entwickelung des Cultusveretnes und stellte den neugewählten Rabbiner, Herrn Dr. L. Hirschfeld n, der in diesem Augenblicke von den Herren Rabbinen Dr. Cahn-Fulda und Dr. Bo u di -Mainz in den Saal hineingeführt wurde, den Festtheilnehmern in folgender Ansprache vor: Hochgeehrte Feftversammlung! Namens des Vorstandes des Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Oberhessen heiße ich Sie alle aufs herzlichste willkommen. ES gereicht uns Ihr zahlreiches Erscheinen zur großen Freude, legt eS doch beredtes Zeugnitz davon ab, datz Sie mit uns gleiche Jnterressen verfolgen, gleichem Ziele nachstreben. Wenige Monate sind es her, datz wir dem Bedürfnitz einen gesetzestreuen Rabbiner an unsere Spitze zu berufen näher getreten sind, wir haben zu diesem Zweck im Januar d. I. eine Versammlung von Vertrauensmännern abgehalten deren große Zahl, sowie die Anwesenheit Ihrer Ew. d. Herren Dr. Cahn und Dr. Marx dafür bürgten daß unser Vorhaben allseitigen Beifall gefunden. Diese beiden Herren Dr. Cahn und Dr. Marx haben durch ihre Begeisterung und durch ihre zündende Beredsamkeit dahin gewirkt, daß sofort zur Constituirung des Vereins geschritten wurde — und daß von sämmtlichen Anwesenden namhafte Beiträge gezeichnet wurden damit auch die materielle Unterlage gesichert sei. Unser Dank gilt daher in erster Beziehung den beiden Herren Ew. Dr. Cahn und Dr. Marx, durch deren verdienstvolles Wirken wir bis zu diesem Tage gelanat sind. Sie wurden nicht müde für uns das Beste von dem Guten zu suchen und wenn wir in richtiger Anerkennung des Verdienstes reden so gebührt Herrn Dr. Bon di nicht minder unser herzl. Dank, denn durch seinen Beistand veranlaßt gelang es uns Herrn De. «. Hirschfeld zu gewinnen, den ich mir hiermit erlaube der geehrten Festversammlung vorzustellen. Dabei wurde Herr Dr. H i r s ch f e l d von dem Cantor und Lehrer der isr. Religionsgesellschaft, Herrn Klein, der um das Gedeihen derselben sich unschätzbare Verdienste erworben hat, und des weiteren seine ergiebige Kraft derselben widmet, mit einem ebenso gefühlvoll wie kräftig gesungenen Nun ■pa begrüßt. Herr Grünewald richtete an Herrn Dr. Hirsch seid die folgenden Worte: Geehrter Herr Dr. Hirschfeld. Wie einst von Gott Moscheh dazu ausersehen war dem Volke seine Gebote, Gesetze und Lehren zu übergeben und dieses zur Befolgung anzuhallen, so sind Sie von der göttlichen Vorsehung dazu ausersehen uns die heilige Thora zu erläutern, unsere Heranwachsende Jugend mit den Satzungen unserer heiligen Religion bekannt und vertraut zu machen, auf daß sie im wahren Sinn des Wortes Jehudim werden und es bethätigen lernen in wahrhafter Begeisterung für alles Edle und Gute einzustehen und eS zu fördern, wo und wie es auch von Ihnen gefördert wird. In dieser Aufgabe deren Sie ja in Ihrem bisherigen Wirkungskreis oblagen und wie mir Ihr Herr Schwager schrieb zu Nutz und Frommen der Jugend gerecht wurden, werden Sie in dem Bestreben der Herrn Lehrer die sich zum Theil persönlich einfanden, zum Theil durch Abhaltung verschiedener Art verhindert wurden, eine willkommene Stütze sinden. Seien Sie denselben ein treuer Förderer und Berather, dann werden Sie ein harmonisches Verhältniß und durch ein Hand in handgehen ein ersprießliches Wirken erzielen. So übergebe Ihnen im Namen des Vorstandes des Vereins z. W. d. R. I. des Judenthum in der Provinz Oberhessen das Rabbiaat das Ihnen nur volle Befriedigung gewähren möge, wie er unsererseits in Beziehung auf Ihre Wahl der Fall ist, denn wie eS Ihnen bereits in den wenigen Wochen Ihres Hierseins gelungen, sich aller Achtung und Verehrung zu erfreuen, sowie alle persönlichen Vorzüge zur richtigen Geltung zu bringen, so werden auch in Zukunft sich die Herren Vorstände und Gemeindemitglieder bemühen und angelegen sein lassen in allem Ihr gutes Bestreben zu unterstützen und zu fördern.