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Der Israelit · 1895-04-25 · Heft 33 (25.4.1895) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 33 (25.4.1895)
Date
1895-04-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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626 von ihren Lippen; wozu auch? Klabautermann ist ja erschienen und fordert unbarmherzig seine Opfer. AlS die Kunde von dem Untergang des großen Dampfers zugleich mit den Namen der wenigen Geretteten in Europa bekannt wurde, wußte man noch nichts von den Einzelheiten der furchtbaren Katastrophe und erst nach und nach hörte man aus dem Munde der Schiffbrüchigen, das ungetheilte Lob des wackeren Kapitäns und seiner tapferen Seeleute. Wie glücklich die Geretteten und ihre Angehörigen waren, das lieber Leser, kannst Du Dir leicht denken, und welches Leid gar manches Herz ergriff als es vergeblich den Namen einer geliebten Person unter den „Geretteten" suchte, vermag keine Feder zu schildern. Unter den Geretteten befand sich auch Anny. Sie war von Hawkins mit Schwimmgürtel-Kissen versehen worden und hatte mit ihm das Rettungsboot bestiegen welches stundenlang ans dem Meere herumtrieb, und wie eine Nußschale von Wind und Wellen umhergeschleudert wurde. Eine turmhohe Welle hatte das Boot zum Kentern gebracht. Alle Insassen wurden ins Meer geschleudert und versanken vor den Augen des jungen Mädchens, welches einen Ring am Bote ergriffen hatte und fich daran festhielt. So trieb sie auf dem Meere umher bis endlich ein vorbeifahrender Dampfer sie bemerkte und gerade zur rechten Zeit, als ihre Kräfte sie zu verlassen drohten, sie ansnahm. Nichts als das nackte Lebenhatte sie gerettet und der Schein, um dessen willen sie die ganze Reise unternommen hatte, lag mit ihrem Schmuck auf dem Boden des Meeres. Sie konnte es als ein Glück ansehen, daß sie Hawkins Rath befolgt und eine gerichtlich beglaubigte Copie hatte anfertigen lassen, die der Consul in vier Wochen nachzuschicken versprochen hatte. Auf diese Weise war der Erfolg der Reise voraussichtlich gesichert und sie dankte in ihrem Herzen Gott für ihre Rettung. Das Schiff welches Anny ausgenommen hatte, fuhr nach London und noch am Tage ihrer Ankunft daselbst telegraphierte sie ihrem Vater und erwartete mit Sehnsucht ihren Bruder Willy Sie hatte nicht nöthig, lange zu warten. Schon am folgenden Tage trat der Ersehnte zu ihr ins Zimmer und schloß die so wunderbar Errettete glücklich in seine Arme. War das ein Wiedersehen! Lange hielten sie sich innig umschlungen und ein Dankgebet stieg aus dem Herzen der Beiden zu dem Altvater empor. Anny wollte keine Minute versäumen; sie wußte mit wrlcher Sehnsucht der Vater sie erwartete und wäre am liebsten sofort abgereist. Das war aber unmöglich, denn es war Freitag und da sie am Sabbath nicht reisen konnten, mußten sie in London bleiben. Sie verließen Beide das Hotel nicht. Anny erzählte ihrem Bruder, was sie erlebt und erlitten, und als sie geendet, da glänzten auch die freundlichen Sterne am Himmel, der Tag des Herrn war vorüber und sie rüsteten sich zur Heimreise. Zwei Stunden später saßen sie Hand in Hand in einem Coupö erster Claffe des nach Dover führenden Expreßzuges und eilten der Küste zu. Nach zwei Stunden ruhiger Seefahrt und das Dampfroß, welches von Calais nach Deutschland eilte, hatte Anny und ihren Bruder als Passagiere ausgenommen und brachte sie in rasender Eile an die rebenbekränzten Ufer des Rheins. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preit des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 RetchS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Ar» DuchhanArl j» bestehen bei <. $. Klr tnucker» Leipzig. Drstplah IS. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland nnd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Et»» NSckse»d»»g Bo« tut die Redaktion eingesandten Manuskripte« findet nicht statt, «au dtttet deshald stch von allen Einsendungen eine Copie znrütkznbehalten. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Die Abschaffung deS zweiten Feiertags vor der badischen Synode. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Worms. Gernsheim. Frankfurt a. M. Köln. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Rußland: Petersburg. Wloclawrck. — Türket: Constantinopel. — Vermischtes. — Feuilleton: Nur eine Tochter. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt de» ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Amtseinführung des Herrn Rabbiners Dr. L. Hirsch selb in den Stadt- und Landkreis Gießen. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Wongrowitz. —Aus jüdischen Vereinen, Schulen und Stiftungen. — Feuilleton: AuS dem Tagebuch eines russischen Hausirers. Verantwortliche Redaetion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS »JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.

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