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Der Israelit · 1895-04-25 · Heft 33 (25.4.1895) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 33 (25.4.1895)
Date
1895-04-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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625 ■ % Auch Mr. Hawktns theilte ihre Empfindungen und er ließ die Gelegenheit nicht unbenutzt vorüber gehen, ohne Anny einen Einblick in sein gründliches geschichtliches Wissen zu gestatten. „Napoleon", so sagte", er hat Anspruch darauf, besonders von Ihren Glaubensgenossen verehrt zu werden, denn er war doch der Erste, welcher der jüdischen Religion die staatliche Anerkennung verschaffte, die ihr bis zu jener Zeit versagt geblieben war. Und die israelitische Religion wird äs kaoto auch nur in Frankreich und in den Vereinigten Staaten von Amerika mit den übrigen Religionen gleichgestellt, nur diese Staaten sorgen auch für ihre Unterthanen israelitischen Glaubens, nur hier hat der Jude nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. Frankreich ist das Land, in welchem die Gleichberechtigung aller Confesstonen nicht nur auf dem Papier, sondern in Wirklichkeit besteht." Und doch hat Frankreich seine Dragonaden, seine Bartholomäusnacht und doch erhebt der Antisemitismus am Ende des 19. Jahrhunderts auch in Frankreich sein Haupt und findet einen günstigen Boden, in dem;r wachsen und gedeihen kann." „Das darf uns nicht wundern; Iss sxtrömss ss lonedsut; die Gegensätze berühren sich und da, wo die größte Toleranz herrscht, findet auch der schlimmste Fanatismus eine Stätte. Wenn ihm nur immer richtig und zur rechten Zeit entgegengetreten wird, wird er schon von selbst sich verkriechen." So tauschten Mr. Hawkins und Anny ihre Gedanken aus. Ehe sie es ahnten, war die Zeit verflossen; sie eilten wieder an Bord und nach Mitternacht lichtete der Dampfer die Anker und verließ die Rhede. Das Wetter, welches bisher sehr günstig war, schlug mit einem Male um. Schwarze Wolken zogen am Himmel auf und die frische Brise, die seither geweht hatte, steigerte sich zum Sturm. Wie von bösen Geistern gejagt flog der Dampfer vor dem Winde und die Steuerleute mußten ihre ganze Kraft anwenden, damit sie dem furchtbaren Druck, der sich dem Steuer entgegenstellte, nicht unterlagen und das Schiff ein Spiel der Wellen wurde. Sechs, acht Mann wurden an das Steuer commandiert — sie wurden umgeriffen, als ob es schwache Kinder wären. Der Sturm wurde zum Orkan, und als man die Linie passierte, machte der Kapitän ein sehr ernstes Gesicht. Er wußte, daß die Stürme in dieser Gegend selten waren, daß sie aber, wenn sie auftraten, lange anhielten von unaussprechlicher Heftigkeit waren und schon manches Schiff mit Mann und Maus auf den Boden des Meeres versenkt hatten. Auch seinem Schiffe drohten ernste Gefahren, das wußte er. Aber so lange das Steuer Stand hielt und kein Leck das Wasser eindringen ließ, hatte er für sein Schiff nichts zu befürchten. Wie ein Fels im Meere, mit unbeweglichem steinernen Antlitz stand er auf der Commandobrücke und gab kalten Blutes seine Befehle. Die Passagiere mußten in den Cajüten bleiben, damit das Schiffspersonal in keiner Weise gestört wurde. Anny lag mit bleichem Antlitz in ihrer Cabine. Die Angst war in ihr Herz eingezogen und sie betete zu Gott, daß er sie und das ganze Schiff erhalten und vvr den Gefahren, die der Sturm bot, erretten möge. Sie mußte, wenn sie nicht von dem Bette herunter geworfen werden wollte, sich mit Leibeskräften festhalten, so wurde das Schiff geschaukelt und auf- und niedergeworfen. Das Stampfen der Maschine, das Heulen des Sturmes, das Knarren der, Wanten, das Aechzen der Segel, das Geschrei und Gestöhne der Furchtsamen und Aengstlichen, das alles zusammen bildete ein schauriges Concert, und die bleichen ängstlichen Gesichter, welche hie und da hinter den Lucken erschienen, zeigten mehr, als Worte zu schildern vermögen, die Angst, welche alle Gemüther befallen hatte. Schon drohten die Kräfte der Mannschaft zu ermatten und noch immer wütete der Orkan in unverminderter Heftigkeit. Die Nacht brach jetzt ein und zu dem Schrecken des Sturmes gesellten sich die Grausen der Nacht, die Schrecken der Finsternis. Wie ein Federball wurde der Dampfer von dem Winde hin- und hergeworfen; jetzt legte er sich auf die Seite und schoß wie ein heimtückischer Schwimmer dahin. Die Passagiere in ihren Cabinen beteten jeder zu seinem Gotte, daß er dem Winde und dem Meere Einhalt gebiete. Jetzt richtet er sich wieder auf und gleitet mit Blitzesschnelle in eine jäh hinabführende Tiefe; jetzt erhellt ein Blitz das schaurige Dunkel — ein Schrei ertönt von den Lippen der Seeleute — sie wissen, das Schiff ist verloren, denn Klabautermann, der fliegende Holländer ist mit seinem gespensterhaften Schiffe soeben an ihnen vorbeigesegelt. Jetzt helfen alle Befehle des Kapitäns nichts mehr. Der Angst und Zaghaftigkeit konnte der unerschrockene Muth des Führers imponieren, sie konnte er aus dem Herzen der Matrosen bannen, vor dem Aberglauben jedoch ist auch er machtlos und der Aberglaube versenkt das Schiff in die Tiefe. Bis jetzt hat er sich noch nicht nach Hülfe umgesehen; nun sucht sein scharfer Blick den Horizont ab, ob nicht bald der Morgen und mit diesem Rettung erscheine. Mechanisch wie Automaten verrichten die Seeleute ihren Dienst; kein ermunterndes Wort kommt

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