Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 33 (25.4.1895)
- Date
- 1895-04-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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«24 kaiserlichen Schutz angedeihen zu lassen. Czar Nikolaus II., der das ihm dargebrachte Geschenk huldvoll entgegennahm und die Ansprache freundlich anhörte, erwiderte: „An dem Patriotismus meiner jüdischen Unterthanen zweifle ich nicht und nehme den Ausdruck der Ergebenheit mit Vergnügen entgegen. Die Rechtsverhältnisse der Juden werden ohne Zweifel in naher oder ferner Zukunft einer Regelung unterzogen werden, wobei die Juden meines Schutzes sicher sein können." Die jüdische Deputation, welche aus dem Anitschkowpalais die Ueberzeugung heimbrachte, daß die russischen Juden auf eine Besserung ihrer Lage rechnen dürfen, soll beim Minister des Innern um Erlaubniß zur Veröffentlichung der Antwort des Czars im „Regierungsboten" nachgesucht haben. Aus Wloelaweck erhalten wir von den Vorständen der dortigen Gemeinde die traurige Nachricht von dem Heimgänge des bedeutenden Lehrers in Israel Rabbi Josef Chajim Karo Derselbe hauchte zur tiefen Trauer der ganzen Gemeinde am vergangenen Sabbatausgange kurz vor Mitternacht seine reine Seele aus. Der Dahingeschtedene war der Verfasser bedeutender hebräischer Schriften und wird namentlich fein Kommentar zu den Sprüchen der Väter allüberall wo wahre Juden wohnen hochgeschätzt. Die Beerdigung fand am vergangenen Dienstag unter zahlreicher Betheiltgung von Nah und Fern statt. rrasjn Türket. Csnftautinopel, 12. April. Seit Jahren schwebt ein Streit zwischen den im Staditheile Phanar lebenden Griechen und Juden, der nunmehr vor Beginn des jüdischen Paffahfestes von Sultan Abdul Hamid zu Gunsten der Juden entschieden worden ist. Die Juden in Phanar hatten vor Jahren eine Schule für Waisenkinder errichtet, die sich allgemeine Sympathien zu erwerben wußte. Die unduldsamen Griechen verlangten, daß die jüdische Schule in einen andern Stattheil verlegt werden soll, mit der Motivirung, daß für dieselbe innerhalb des den Griechen von der Pforte angewiesenen Territoriums zur Erichtung von Kirchen, Schulen, Spitälern rc. kein Platz sei. Die Juden beriefen sich auf eine ausdrückliche Erlaubniß der Pforte, im Phanar unbeschränkt gemeinnützige Anstalten errichten zu dürfen. Die Griechen, die da wähnten, ihren Judenhaß und ihrer Streitsucht auch in Constantinopel stöhnen zu können, wurden nunmehr eines Besseren belehrt. Sultan Abdul Hamid entschied vor wenigen Tagen, daß die Juden im Panar unbeschränkt und unbehindert Anstalten für Unterrichts- und Wohlthätigkeitszwecke errichten dürfen. Dieser Beschluß wurde bereits dem Vorstände der Judengemeinde und der Leitung der griechischen Colonie mitgetheilt. Gleichzeitig spendete der Sultan 10.000 Francs für die Armen jüd. Confesston, um dadurch sein besonderes Wohlwollen für die Juden zu documentiren. > Vermischtes. Im Großherzogl. Schlöffe in Romrod wird dem Besucher eine eigenartige aber nichts destoweniger wundervolle Kalligraphische Kunstarbeit gezeigt, die daS Auge deS Beschauers fesselt und ein um so größeres Interesse uns bietet, als dieselbe, wie die Unterschrift zeigt von unserem Glaubensgenossen Herrn Lehrer Spier von Groß-Zimmern (Hessen) angefertigt und vor einigen Jahren dem verstorbenen höchstsel. Großherzog Ludwig IV. zum Geburtstage gewidmet worden ist. Das Ganze ist eine Federhandzeichnung, die sowohl! große Geduld als auch vorzügliches Talent bekundet. Am Kopfe derselben sind auf goldenem Felde das deutsche Wappen (Reichsadler) und das hesstfche Wappen, welche durch Blumengewinde von Engeln getragen mit einander verbunden sind. Als Inschrift ist — und das ist daS Eigenartige — nyiK'n urun in freier deutscher Uebersetzung gewählt. Gewiß hatte sich dafür etwas anderes finden lassen. Doch scheint es dem Zeichner weniger auf den Inhalt als wie die Ausführung angekommen zn sein. Und in der That ist diese ausgezeichnet. Ganz besonders schön gelungen ist deS Grobherzogs Name, der auf mattblauem Grunde gemalt ist und auf den ein schwebender Engel sein Füllhorn anSgießt. (Wenn wir nicht irren, ist der genannte Herr derselbe, der auf der Chicagoer Weltausstellung eine Postkarte zur Ausstellung brachte, auf welche er 498 Linien (4 Gedichte Schillers) in kleiner aber deutlicher und schöner Courentschrift geschrieben hatte.) Aus Pest schreibt man: Der Verwaltungsausschuß des Heveser Komitates hat die Frage, ob ein Jude Matrikelführer sein kann, aus Anlaß eines konkreten Falles mit Stimmenmehrheit verneint. Der Ausschuß kandidirte nämlich infolge des bekannten Ministerial-ErlasseS sämmtliche Gemeindenotare für die zu führenden Matrikelführerstellen. Nur der jüdische Kreisnotar von Betov-BocS, Jakob Blumberger, wurde infolgedessen nicht gewählt. Der Ausschuß beschloß, für den Bezirk einen besonderen staatlichen Matrikelführer zu bestellen. Feuilleton. Nur eine Tochter. A» Erzählung von H. Berger. 34.) (Me Rechte Vorbehalten. Auf diesem Ausfluge betrat Anny die historisch geweihte Stätte, wo der, vor dem einst ganz Europa zitternd im Staube gelegen, die Schwäche der menschlichen Natur anerkennend sich dem Ruf des Allbezwingers beugen mußte, und von ehrfurchtsvoller Scheu ergriffen erblickte sie das Haus, in dem er gewohnt, den Tisch, an dem er grübelnd gesessen und über die Vergänglichkeit irdischer Größe nachgedacht haben mochte.