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Der Israelit · 1895-04-22 · Heft 32 (22.4.1895) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 32 (22.4.1895)
Date
1895-04-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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613 gestaltete sich die Feier der Sederabende, an welchen der älteste Herr Bärmann einen rech', hübschen und wohldurchdachten Vortrag über verschiedene, schwierige Stellen der Hagada hielt und im Uebrigen, dem polnischen Ritus folgend, den Seder gab. D'e Chastdim, die allein mehr als ein Minjan bildeten, hielten ihren Seder für sich ab. Jeder hatte auf einem Teller die zum Seder nöthigen Utensilien vor sich und so gab Jeder, unbekümmert um den Anderen, selbst den Seder. Es war zwar laut genug, ich konnte aber dennoch kein Wort verstehen und zog mich bald zurück. Uebrigens leben hier Chastdim und Misnazdim sehr friedlich zusammen und außer talmudischem Pilpul pflegen Streitigkeiten nicht vorzukommen; doch auch über die Zeit des gemeinsamen Gebetes können stch die beiden Parteien schwer verständigen. Vielleicht werde ich Ihnen in einem zweiten Briefe noch einige hübsche Erlebnisse der Chastdim in der Fremde erzählen, sowie ich Ihnen auch noch eine Schilderung der Königswarterschen Anstalten für unbemittelte jüdische Kranke schuldig bleibe. Für heute empfangen Sie nur noch die ergebensten Grüße Ihres I. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bremen, 18. April. Ein größerer Trupp jüdisch-russtfchcr Colonisten traf heute von Ruhleben hier ein, um mit dem Norddeutschen Lloyddampfer „H. H. Meier" auf Kosten des Herrn Baron Hirsch nach Argentinien befördert zu werden. Unter den Emigranten befanden sich Männer reiferen Alters, Jünglinge von kräftigem Aussehen, Frauen, Jungfrauen und Kinder. Die Leute männlichen Geschlechts hatten durchweg in ihrer. Heimath Landarbeit verrichtet und führten ihr Ackerqeräth mit sich. Sie waren alle voll froher Hoffnung und guten Muthes, da die Nachrichten von dem Stande der argentinischen Colonien sehr günstig lauten. Die Direktion des Norddeutschen Lloyd bewies sich wiederum sehr human. Die Emigranten sollten eigentlich mit dem Auswanderer-Excrazuge von hier am r>2w-Morgen nach Bremerhaven befördert werden. Auf die Verwendung des Herrn Predigers Levtnger werden dieselben aber schon am Freitag Nachmittag per Dampfer nach Nordenham befördert, wo sie gegen 6 Uhr eintreffen und an Bord verbleiben bis zur Ankunft des Dampfers „H. H. Meier." Auch für rituelle Beköstigung bat die Direciton Sorge getragen. In den nächsten Monaten werden 1500 Personen aus Rußland in Trupps zu je 500 durch den Norddeutschen Lloyd nach Agentinien auf Kosten des Herrn Baron Hirsch expedirt werden. Diesen Auswanderern^.stellt der Nordd. Lloyd eine vollständige Küche, sowie lebendes Vieh und Geflügel zur Bereitung ritueller Kost zur Verfügung. Wrescheu, 17. April. (Diamantene Hochzeitsfeier.) Heute feierte das in weiteren Kreisen stch einer großen Beliebtheit erfreuende Julius Joseph'sche Ehepaar den Tag seines sechzig, jährigen HochzeitsfesteS, umgeben von einem großen Verwandten- und Freundeskreise. An dieser Feier nahm die gelammte Gemeinde innigen Anthetl. Die Vorstände aller in der Gemeinde extsttrenden Vereine, sowie ein kaum zu fassendes zahlreiches Publikum aller Konfefstonen hatten stch eingefunden, um dem Jubelpaare ihre Verehrung in würdiger Weife darzubringen. Der Verein 83.»1s-mveüa8»im, dessen ältstes Mitglied der Jubelbräutigam ist, überreichte das Diplom eines Ehrenmitgliedes, wobei die Herren Pollack und Stadtverordneter Ziegel diesbezügliche Ansprachen hielten. Der Jubilar, 84 Jahre alt, ist noch sehr rüstig und dessen Gattin zählt 80 Jahre. — Möge dem Jubelpaare ein noch recht langer und schöner Lebensabend beschieden sein! Ratibor, 14. April. In einer Zeit, wo man die Juden mit den Sozialdemokraten zusammenwirft und ihnen Vaterlandstreue gern abspricht, thut doppelt wohl die Aenßerung eines höheren Regierungsbeamten, die dieser Tage hier gefallen ist. Zum 25jährigen Amtsjubiläum d's hiesigen Geh. Regierungs- und LandrMhs Pohl sandte auch die Synagogengemeinde eine Glückwunschadresse, welche Rabbiner Dr. B lnm enth a l, sowie der Vorstandsvorsitzende und der Vorsitzende der Repräsentanten überreichten. In der Adresse hieß es u. a.: „Wir erfüllen nicht nur ein religiöses Gebot, welches Treue gegen den König, Liebe zum Vaterlande und Ehrfurcht gegen die Obrigkeit uns lehrt, wir lösen auch eine Herzenspflicht in dieser Stunde." Tiefbewegt dankte der Gcheimrath und betonte in längerer Ansprache besonders den Wohlthätigkeitssinn und die Königstrene der Israeliten seines Kreises. Der Jubilar schloß mit den Worten: „Was die Mitglieder Ihrer Gemeinde bei Wahlen und sonstigen Gelegenheiten, während des letzten Vierteljahrhnnderts für die königstreue Sache geleistet, das werde ich nie vergessen, so lange ich berufen bin, an der Spitze dieses Kreises zu stehen." Rußland. Rußland. Der Kriegsminister hat ein Zirkular erlassen, durch welches kranken Juden verboten wird, Heilung in kaukasischen Mineralbädern (im Don-Kuban- und Perm-Gebiet) zu suchen. Nach den geltenden Gesetzesbestimmungen dürfen die Juden zu klinischer Behandlung oder zum Gebrauche von Mineralwässern nur nach Kiew reisen. Dazu bemerkt ein Korrespondent der „N. Fr. Pr.: „Krank werden dürfen also die Juden auch in Rußland, Heilung suchen dürfen sie aber nirgends, außer in Kiew, das heilkräftige Mineralquellen bekanntlich ^nicht besitzt. In Livland ist der

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