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Der Israelit · 1895-04-22 · Heft 32 (22.4.1895) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 32 (22.4.1895)
Date
1895-04-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Gouverneur schon vor längerer Zeit in dieser'Richtung vorgegangen, indem er die Benützung der heilkräftigen Kemmern'schen Schwefel- und Moorbäder den Juden verboten hat." Petersburg. Die Juden Rußlands haben dagegen Protest erhoben, daß ihre Reisepässe anstatt mit schwarzer, mit rother Tinte ausgesertigt werden. Diese Steuerung hatte der gewesene Stadthauptmann von Petersburg, General Grcßner, eingeführt uud die Polizeibehörden anderer Städte folgten diesem Beispiele. Wie nun russische Blätter melden, haben die kompetenten Kreise die Taktlosigkeit oieser Maßregel, die in den bestehenden Gesetzen nicht begründet, eingesehen und soll Wandel geschaffen werden. Amerika. Rew-Uork. Vor dem Good Governement Club N. hielt gestern Abend in Nr. 179 Ost 93. St. der Präsident des Gesundheitsrathes, Herr Wilson, über das Thema: „Die Beziehungen des Gesundheitsrathes zu der in Tenmenthäusern lebenden Bevölkerung" einen Vortrag. Herr Wilson führte aus, daß etwa zwei Drittel der Bevölkerung der Stadt in Tenementhäusern leben. Die Sanitätsbehörde sei der Gesundheitswächter des Volkes und sie habe für die Tenementhaus-Distrikte bestimmte Regulationen entworfen. Die 39,168 Tenementhäuser der Stadt würden durch die Sanitätspolizei und eine Anzahl Jnspectoren regelmäßig inspicirt und die Zahl dieser Leute sollte erhöht werden. Man sollte hierzu unter der Polizei Plumber, Bauhandwerker 2c. aussuchen. Der Gesundheitsrath sollte die Macht haben, alte, schmutzige, mit Krankheitskeimen gefüllte Tenementhäuser zu kondemniren. Die gesetzlichen Bestimmungen betreffs gehöriger Drainage, Licht und Ventilation habe viel Gutes geschaffen und die Sterblichkeitsrate reducirt. Es existire eine Bestimmung über die Anzahl von Personen, welche einen Schlafraum benutzen dürfen und dies richte sich nach dem Kubikinhalt der Räumlichkeiten. Ein großes Nebel seien die sogenannten Hinterhäuser, von denen noch immer 22,000 in der Stadt existirten. Wo immer sich solche Gebäude befinden, sei die Sterblichkeitsrate um etwa 8 Prozent höher als anderwärts. Diese Häuser sollten abgerissen werden. In der 15. Ward lebten auf dem Acre mehr als 522 Personen und doch sei dort im Jahre 1892 die Sterblichkeitsrate nur 17.12, in den übrigen Stadttheilen aber 23 per Tausend gewesen. Er glaube, daß dies dem Umstande zugeschri eben werd en müsse, daß dort fast lauter Jsraeliten wohnten, die die mosaischen Reinlichkeits-Vorschriften streng beobachten und dadurch der Verbreitung von Krankheiten entgegen arbeiten. > -Vermischtes. -4- In Lrarrstadt (Unterfranken) feierte Herr Simon Hirsch und seine Frau Jette, geb. Kohn, im engen Familienkreise ihre goldene Hochzeit. Der Jubilar sowohl als die Jubilarin stehen im 78. Lebensjahr und erfreuen sich einer noch geistigen und körperlichen Frische. Möge ihnen vom Allgütigen ein langes, ungetrübtes Alter beschieden werden! Stuttgart. Am Samstag, dem Vorabende unseres Purimfestes, veranstaltete der durch Herrn Kirchenrath Dr. Kroncr gegründete und seit einem halben Jahre hier bestehende iSrael. Jünglingsverein ein schönes Fest in den Raumen des europäischen Hofes. Der rührige Vorstand deS Vereins, Herr Schwarzschild, sowie verschiedene Freunde und Mitglieder des Vereins, welche in dankenswerter Weise sich die Aufgabe gestellt hatten, durch ihre freundliche Mitwirkung den Purimabend zu einem genußreichen zu gestalten, seien an dieser Stelle lobend erwähnt. Der israel. JünglingSverein verfolgt die edelsten Zwecke und hat besonders die Unterstützung israelitischer Armen, die Förderung der Religion, die Fortbildung und Veredelung seiner Mitglieder im Auge. Der zahlreiche Besuch des Festes gab den Beweis, welch' reges Jntereffe die hiesige Gemeinde dem Bestreben entgegenbringt und sei dieses ein Sporn für den Verein, diese schönen Ziele auch weiter zu verfolgen. Möge der Verein fernerhin blühen, wachsen und gedeihen. H. S...er. Gtraßburg i. E, 25 März. Heute Vormittag 10 Uhr fand unter großer Betheiligung der hiesigen israelitischen Gemeinde, eine m? eines Mannes statt, dessen tragisches Ende allgemein bedauert wird. Der erst seit zehn Wochen verheirathete Kaufmann Werl aus Berfeld, Schwiegersohn, des hier allgemein geachteten, streng religiösen Kaufmanns Herr Heymann, in der Kinderspielgaffe, ging Freitag Nachmittag UM 4 Uhr in das Zahnpolytechnikum des Herrn Dr. Löp, am hohen Steg, um sich Zähne ziehen zu lassen, der Zahnarzt schläferte Herrn Weil ein, zog ihm die ihm Schmerzen verursachten Zähne schmerzlos aus, aber vergebens war nachher der Versuch, den Eingeschläferten wieder zu wecken: der Arme war todt. Als der Zahnarzt, zu seinem großen Schrecken sah, daß der Emgeschläferte nicht mehr zu sich kam, wurde zuerst Dr. med. Scholl, dann noch Dr. med. Schwarzenski herbeigerufen, um dem Tode seine Beute zu entreißen. Dr. Schwarzenski versuchte mehrere Stunden lang den regungslos Daliegenden wieder ins Leben zurückzurufen. Doch erwiesen sich alle Anstrengungen und alle angewandten Mittel als erfolglos. Durch das stundenlange Fortbleiben des Gatten beunruhigt, ließ die besorgte junge Gattin bei den Zahnärzten nach ihrem Gatten Nachforschungen halten. Wer vermag das Schmerzgefühl der trostlosen Gattin schildern, als man ihr das Borgefallene mittheilte? Briefkasten der Redaction. Herrn Heinrich MooS in Gailinge«. Auf Grund Ihrer wiederholten Zuschriften haben wir uns mit unserem Correspondenten in Verbindung gesetzt. Derselbe hält seine Angabe, betr. deS durch den Ihre Purimfeier zu Stande kam, vollständig aufrecht. Ob die Andacht in der Synagoge an jenem roitf eine größere ober geringere als sonst war, beruht auf subjektiver Anschauung und ist hier nicht von Belang. Wir haben trotzdem Ihre sogen. Berichtigung mit Weglassung aller verletzenden Stellen und alles desjenigen, was nicht zur Sache gehört, ausgenommen, und haben damit der publicistischen Loyalität mehr als genügt. — Die Sache ist hiermit für uns erledigt. Unser Correspondent erklärt sich übrigens bereit auf die Sache zurückzukommen, falls Sie seine Behauptung, daß ein Mitglied Ihrer Gemeinde am BHip rn&y nach Konstanz fuhr, die Erlaubnitz zur Abhaltung beS FestzugS zu erwirken, öffentlich in Abrede stellen. — DaS ist der Punkt, um den eS sich lediglich handelt, und hierüber ist von Ihnen nichts berichtigt worden.

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