Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 32 (22.4.1895)
- Date
- 1895-04-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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der Gesinnung, sowie die Reinheit der Absichten des Vortragenden leicht zu erkennen. — Anläßlich einer Versammlung im jüdisch n Gemeindehause, bet der die Errichtung einer neuen Mikwah zur Berathung stand, nahm auch Herr Rabbiner D r. Neubürger Veranlassung namens der Gemeinderepräsentanz Herrn Dr. Deutsch in seiner Eigenschaft als Vorsitz-nder der Ritualcommisston mit warmer, herzlicher Rede zu begrüßen, darin die Hoffnung etnschließenv, oer Neuberufene werde, bet aller Entschiedenheit in der Glaubensrichtung, seines Amtes mit derjenigen Besonnenheit und Mäßigung walten, die ihn bisher ausgezeichnet und durch deren Hochhaltung der Gemeinde die Segnungen des Friedens erhalten geblieben sind. Herr Dr. Deutsch erwiederte auch hierauf sinnreich und angemessen, indem er nachwies, wie zu allen Zeiten Verschiedenheiten, ja sogar Gegensätze, in den Glaubensansichten hervorgetreten feien, wie ja selbst bei der Gleichheit in der Glaubensrichtung eine durchgängige Uebereinftimmung doch nur selten vorhanden ist, doch wisse die aufrichtige Ueberzeugungstreue stets die andere zu achten und laffe sich nie zu unfreundlichem, gehässigen Betragen gegen Andersdenkende verleiten. Durch leidenschaftslose Ruhe, Gerechttg. feit und Wahrheitsliebe werde es nicht schwer sein, die Gegensätze in den Glaubensansichten auszugleichen, oder wenigstens die Wege zu e*ner Verständigung zu ebnen. — Wir schließen unfern Bericht mit dem aufrichtigen Wunsche, es möge die hier zum Ausdruck gebrachte Sinnesweise unserer Führer sich zum Nutzen und Frommen unserer altehrwürdigen Gemeinde bewahren! Italien Bs. Rom Vor einiger Zeit hat sich einer der verdientesten Offiziere der italienischm Armee in das Privatleben zurückgezogen, der Oberst Enrico Guaftalla, der zugleich eine Zierde der italienischen Judenheit war. Er war 1826 in Guaftalla geboren und hatte sich in seiner Jugend den Geschäften gewidmet, aber als die Revolution ausbrach, gab er seinen Kaufmannsberuf auf, um sich an dem Kampfe für die Einheit Italiens mit den Waffen zu betheiligen. Ec kämpfte bei der Verteidigung von Rom gegen die Franzosen und nahm an vielen anderen Kämpfen Theil; für seine Tapferkeit in dem Treffen von Bacello wurde er Lieutenant. Nach dem unglücklichen Ausgange des Feldzuges flüchtete er nach Ptrmont und 1858 ging er nach England, wo er sich Mazzint anschloß. Im Kriege gegen Oesterreich trat er wieder 1859 als gemeiner Soldat ein, kam zu dem Korps Garibaldis und stieg von Stufe zu Stufe aufwärts. Er gehörte der Zahl der Tausend an, die unter Garibaldi auf Sicilien landeten und kämpfte in allen Treffen und Schlachten, bis er am 1. October 1860 im Kampfe am Volturno verwundet wurde. Kaum genesen und inzwischen bis zum Oberst avancirt, schloß er sich wieder Garibaldi bet seinem Angriff auf Rom an und gerieth mit ihm bet Aspromente in Gefangenschaft, worauf er. in der Festung Finiftrellt internirt wurde. Als aber 1866 der Krieg mit Oesterreich wieder ausbrach, war er sofort wieder au der Seite Gartbaidts, nahm an den Kämpfen bei Como, Brescia Lenato, Salo und dem Feldzuge in Tyrol Theil und zeichnete sich überall aus. Er errang die Militär-Verdienstmedaille, den Orden von Savoyen, wurde ferner Offizier des Ordens von St. Maurizio und St. Lazzaro, Commandatore des Ordens der italienischen Krone und endlich jetzt am 7. Februar 1895, als er zurücktrat, Commandawre des Ordens von St. Maurttio. Oberst Enrico Guaftalla ist eine der glänzendsten Figuren des italienischen Freiheitskampfes und wird in der italienischen Geschichte als Freund und Mitkämpfer des Nationalhelden Garivaldi fortleben. H e « t l l e r o «. 4^5 Uur eine Tochter. Erzählung von H. Berger. 33.) (Me Rechte Vorbehalten. Mehr als alle Pflege hatte diese Unterhaltung Einfluß auf die Genesung des jungen Mädch ns. Die Elastizität der Jugend war in ihre Glieder zurückgekehrt und besiegte bald die Schwäche, welche die Krankheit darinnen zurückgelassen hatte. Mit blitzenden Augen, schön wie der junge Tag, wenn auch etwas bleich, abgezehrt und mager stand ste denn auch vor dem Farmer und teilte ihm den Zweck der Reise mit. Bedächtig hörte er zu und sagte auch zu Anny, daß er gerne bereit wäre, ihr zu helfen, wenn sie seine Hilfe gut honorieren würde. Darauf war Anny nicht vorbereitet gewesen. Sie hatte gedacht, nur um der Wahrheit und Gerechtigkeit halber würde der Farmer die Bescheinigung ausstellm, aber sie irrte sich. Derselbe verlangte als Vergütung für Zeitversäumnis und für die Mühe, die er hatte, fünfhundert Pfund und Anny mußte, wollte sie ihr Z-el erreichen, seine Forderung bewilligen. Hawktns trieb jetzt zur Rückreise, die auch in Begleitung des Farmers in beschleunigtem Tempo angetreten wurde. Am dem Tage vor ihrer Abreise erhielt Ayyy Brief von dem Consul. In diesem Briefe waren Schreiben ihres Vaters und Bräutigams etnge-