Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 32 (22.4.1895)
- Date
- 1895-04-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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604 fünf Büchern Moses und tn der Bibel bereits erwähnt wird. Aber was nicht in der Bibel steht, dafür bedarf es nur eines Pamphlets von vier Druckseiten, und eines badischen Synodebeschluffes, um es auf den Index zu setzen. Gut. Gehen wir ein wenig auf diese Bezirks- und Konferenzrabbinerliche Weisheit ein. In Absatz HI der uns vorliegenden Sondheimer'fchen Erörterung, wird mit einem noch weiterhin zu würdigenden, echt spießbürgerlichen Krämergeist der Rücksicht auf die materiellen Bedürfnisse das Wort geredet, welche für die Abschaffung des zweiten Feiertags, weil er nicht biblisch geboten ist, plaidiren soll. Dieser Zaunpfahlwink ist noch mannigfacher, fruchtbarer Anwendung fähig. Welch großes Kapital repräsenttren z. B. die Synagogen des badischen Landes, deren Errichtung doch mit keinem Wort in der Bibel gedacht wird! Warum sollte man sie nicht unter den Hammer dringen und mit der daraus zu erzielenden Summe den materiellen Bedürfniffen des Volkes Rechnung tragen, oder damit die Gehälter der Rabbiner und sonstigen Cultusbeamten aufbeffern, ein Gegenstand, der die Synode ja auch in hohem Grade beschäftigt und für den sie wenigstens viele platonische Liebe bekundet hat.^ Aber^die Rabbiner, Lehrer, Cantoren. Schächter, und wie die Cultusbeamten alle heißen, sind, wie/unsLnochlrechtzettig^etnsällt, selber nicht in der Bibel erwähnt! Hätten da die badischen Gemeinden, wenn^schonFalles, was nicht ausdrücklich in der Bibel vorgesehen ist, abgeschafft werden soll, nicht noch viel Naheliegenderes abzuschaffen? — Herr Dr. Sondhetmer ist von seiner Unentbehrlichkeit für die badische Judenheit allerdings viel zu tief durchdrungen, als daß er für sich selber eine solche Consequenz'seiner Erörterungen fürchten zu müssen glaubt. Er darf — denkt er — mit seinen Anträgen ruhig an dem Aste sägen, auf dem er sitzt. Aber die anderen, weniger geriebenen Kollegen, was soll aus ihnen werden, wenn alles consequent abgeschafft wird, was in der Bibel mit keinem Worte erwähnt ist? Fällt der Mantel der zweiten Feiertage, so müssen ihm so und so viele Herzöge Nachfolgen; das wird der praktische Sinn unserer auf ihre materiellen Bedürfnisse aufmerksam ge machten Gemeinden bald genug herausgesunden haben. Das werthvolle Zugeständniß werden sie Mit Recht festnageln, wenn sich ffhnen auch die übrigen Argumente und Motive als kindliche Seifen blasen erweisen werden. Wie in seiner Anmaßung der alte Bileam sich als jrVy njn snr verkündet, so berichtet uns Herr Sondhetmer in seiner Bescheidenheit ganz treuherzig,' daß er genau weiß, was Gott will und was Gott nicht will. „Hätte Gott gewollt, daß wir 13 Festtage feiern, so hätte Moses ans dies verkündet; Gott aber wollte, daß wir sieben Tage feiern und wollte nicht, daß wir dreizehn feiern. Es läßt sich förmlich beweisen, daß esdemWtllen Gottes widerspricht den sogenannten zweiten Festtag zu begehen, und zwar durch die Hinweisung. daß die beiden mosaischen Pesachfesttage nach göttlichem Gebote nicht unmittelbar hintereinander gefeiert, sondern als erster und siebter Tag auseinander gehalten, und daß in gleicher Weise die Feier des ersten Tages des Hüttenfestes und die Feier des Beschlußfestes nach dem Worte der Schrift von einander getrennt und nicht hintereinander begangen werden. Der göttliche Gesetzgeber wollte also überhaupt nicht, daß zwei Festtage unmittelbar nach einander gefeiert werden." „Mit Rücksicht auf den Pentateuch und die Bibel, in welchen sich keine Spur von einem zweiten Festtage findet, steht somit der Abstellung des zweiten Feiertags nichts entgegen. Im Gegentheil: Eine Zurückführung der jetzigen 13 Festtage auf die in der Schrift gebotenen sieben Tage wäre durchaus der heiligen Schrift gemäß, somit echt konservativ." Nehmen wir einen Augenblick diese radikal - konservativen Sprünge für Ernst^und bereden uns, Herr Dr. Sondhetmer glaub: selber an das, was sein Mund redet. — Wenn es ihm wirklich bewiesen ist, ein zweiter Festtag widerspreche dem Willen Gottes, wie kann er denn gegen den Willen Gottes dem zweiten Neujahrstag eine besondere Berücksichtigung zuerkennen, „weil er vielfach streng gefeiert wird und somit für das religiöse Leben von Bedeutung ist?" Wie kann etwas, was dem Willen Gottes zuwider ist, von Bedeutung für das religiöse Leben sein? Ferner: Im Absatz III der vorliegenden Erörterung wird auch die Sonntagsruhe als Motiv für Abschaffung des zweiten Feiertags ins Treffen geführt. Wenn es nun wahr ist, daß der göttliche Gesetzgeber nicht zwei unmittelbar nach einander fallende Festtage wollte, so muß ja auch der erste Festtag, muß sogar der Sabbat weichen, wenn er unmittelbar vor oder nach der Sonntagsruhe fällt. „Handel und Verkehr nehmen ja auf die kleine jüdische Minderheit keine Rücksicht," wie uns tn demselben Absatz gesagt wird, also muß consequent die kleine jüdische Minderheit mit ihrem ersten Feiertag und dem Sabbat der Sonntagsruhe der Majorität weichen! Wenn nun aber der allerdings nur Herrn Dr. Sondheimer bekannte göttliche Wille schyK zwei hintereinander fallende Feiertage perhorresctrt,