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Der Israelit · 1895-04-22 · Heft 32 (22.4.1895) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 32 (22.4.1895)
Date
1895-04-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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' ' ■'■• ' ' - '- * ' ' - XXXVI. Jahrgang. MS». Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudentßum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den SS. April 5655 (1895). Leitender Artikel. Sie AtiKtiafluu« des Weite» Feiertags vor der badischen Synode.'^ Das enfant terrible der badischen Rabbiner, das den Collegen durch sein taktvolles Benehmen auch von dem Abschiedsseft des Rabbiners Dr Schwarz von Karlsruhe her in frischer Erinnerung ist, scheint auch das der Synode werden zu wollen. Herr Dr. Sondh eimer, Bezirks- und Konferenzrabbtner in Heidelberg hat anläßlich des Zusammentritts der ersten badischen israelitischen Synode, einen Antrag ans Abschaffung fWß zchesissy F-i-rtags gestellt. Es fehlt nun der Synode allerdings nicht an Mitgliedern, die längst den zweiten und den ersten Feiertag, die sogar den Sabbat und manches andere in praxi bereits Preis gegeben haben, aber es schien doch nicht opportun schon sofort beim ersten Zusammentritt, vor dem ganzen Lande die Sammtpfötchen so übermüthig zurückzuziehen, welche die Krallen dieser modernen Sphynx dürftig verhüllen. Aber Herr Dr. Sondheimer hatte fein Elaborat schon gedruckt fertig in der tiefen Brusttasche stecken, gerade auf der Stelle, wo sonst das Herz liegt, bet Leuten die so glücklich sind ein solches zu besitzen. Er bestand daher auf seinem Schein. Man wies den Antrag deshalb tn eine geheime Sitzung, wo ihm ein ehrenvolles Begräbniß zu Theil wurde. Da aber keine noch so geheime Diskussion so fein gesponnen ist, daß nicht etwas davon an das gefürchtete Sonnenlicht dringt, so sickerte auch hier genug an die Oeffentltchkeit, das aber aus Rücksichten der Dtscretion für jetzt unerörtert bleiben möge. So viel aber darf ohne Jndiscretion schon jetzt gesagt werden, daß bei der Zusammensetzung der Synode die feierliche Beisetzung dieses Antrags *) Von einem Rabbiner in Baden. — Red. . keine Garantie gegen seine Wiederauferstehung bietet. Für diese Eventualität dürfte es von Interesse sein, ihn ein wenig bet Licht zu betrachten. Wenn dabei der Sentenz: De mortais nil nisi bene, nicht überall Rechnung getragen wird, so wird Niemand im Ernste verlangen, diese Rücksicht auch Scheintodten gegenüber zu beobachten. Zudem brauchte man sich nur die Rabulist!! und sophistische Dialektik zum Muster zu nehmen, wie sie in dem vorliegenden Sondheimer'schen Elaborat aus allen Fugen und Kanten leuchtet, um auf solche Rücksichten nicht viel Rücksicht nehmen zu müffcn. Man brauchte z. B. den Sondheimer'schen Jargon, wie er uns hier entaeaentritt. nur nachzu- In den fünf Büchern Moses und in der ganzen Bibel sieht kein Wort über die Rücksicht, die man Tobten schuldig ist, es handelt sich also nur um einen Brauch, sogar um einen römischen, also heidnischen Brauch, während der jüdische Brauch, nach dem Sprüchwort, „dem Todten darf man die Wahrheit nachsagen," sogar das Gegenthetl verlangt, wer also die Todten zum Opfer seiner Lästerzunge macht, der ist somit echt konservativ! npitb pw nto rrnnn i?3 n\n 1? das ist eigentlich die Quintessenz der ganzen Sondheimer'schen Thora, bei der nach Art von üttztgen Kartenspielern, die ihrer Sache sicher zu sein glauben, der fetteste Trumpf sofort mit dem ersten Satze ausgesptelt wird: „In den fünf Büchern Moses und in der ganzen Bibel steht kein Wort über die Feier eines zweiten Feiertags." Was also nicht in der Thora und tn der ganzen Bibel steht, das ist vogelfret. Die Erwägungen, Gründe, Bedenklichkeiten und Schädlichkeiten, die dann nachgehinkt kommen, sind nur Dekoration und Staffage. Selbst Herr Sondheimer würde nicht die Keckheit haben, seine kritischen Weisheitszähne an einer Institution zu versuchen, die in den

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