Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 30-31 (18.4.1895)
- Date
- 1895-04-18
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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594 gekommen? Ich sehe ein, daß Du eine Stütze im Geschäft nöthtg Haft und wünsche nur, daß wir bald das finden, was wir suchen." Isidor wurde es heiß und kalt bet diesen Worten. Sollte er seiner Frau alles sagen? Wie ärgerlich würde sie werden. Ach, das hatte immer noch Zeit. Erst wollte er mit Röschen sprechen. Er that deshalb, als ob er ihre Frage nicht gehört hätte, fing an das Tischgebet zu sprechen und ging rasch in den Laden, wo ein Kunde seiner harrte. Als fich der Kunde entfernt hatte, ging Isidor daran, die neu angekommenen Briefe zu öffnen. Er hatte sich nicht getäuscht — es waren wiederum Offerten. Wie zerschlagen saß Isidor da und starrte ins Leere, so daß er erschrocken auffuhr, als Röschen kam und ihn anredete: „Nun, mein Vater, was hast Du?" Isidor sah sich ängstlich um, dann fragte er leise: „Schläft die Mutter?" Röschen nickte mit dem Kopfe. Der Vater nahm sie bei der Hand, führte sie hinter bat Ladentisch und sagte, während er mit dem Finger auf die geöffneten Briefe zeigte: „Stehst Du, mein Kind, das sind die Briefe, die mir Kopfweh machen. Mit unserer Annonce muß etwas nicht richtig sein." „Wieso mein Vater." „Weil jeder von den jungen Leuten schreibt, daß er Dich glücklich machen will. Wieso wissen die alle, daß ich eine Tochter habe? Vom Gehalt, was sie beanspruchen, schreibt keiner, dagegen wollen sechs oder acht nächsten Sonntag sich Dir und mir vorstellen." Röschen schüttelte den Kopf und sagte: „Hast Du auch richtig gelesen, Vater?" „Da, lies selbst," und er reichte die Briefe hin, die Röschen nun aufmerksam durchlas. Stirnrunzelnd blickte sie in die Ep stein. Doch jetzt brach sie in ein heiteres Lachen aus und sagte in einem fort: „Das ist köstlich, das ist amüsant, das ist ein rechter Purimscherz." „Wieso?" fragte Isidor, „ich verstehe das ganze nicht und kann auch keinen Schluß drin finden." „Aber lieber Vater," sagte Röschen, sich vor Lachen die Seiten haltend, „das sind ja Offerten auf ein Hetrathsgesuch." „Hei—raths—ge—such!!" Isidor stand da wie erstarrt. „Du hast die Annonce geschrieben, Du wirst^Dir.doch mit Deinem Vater keinen solchen Scherz erlaubt haben." „Nein, gewiß nicht. Väterchen. Ich denke noch gar nicht an heirathen." „Das will ich auch meinen und einen Choscn auf solche Weise — doch warum nicht. Du hast's Alter dazu. Vielleicht ist es min haschomajim so bestimmt und Haschern jisboraeh gibt mir einen Wink, wie ich mir soll helfen. Ich annoncire um einen jungen Mann fürs Geschäft und hasohem jisboraeh will's anders Haben. Haschew jisboraeh hat Recht. Was brauch ich das viele Geld an einen fremden Menschen zu geben. Dein Mann, mein Röschen, soll es verdienen und Sonntag, s. G. w. wollen wir sehen, was Hasche« jisboraeh ins Haus schickt." Röschen sah ihren Vater fragend an, dann fing sie wieder an zu lachen und sagte: „Das muß die Mutter hören, wenn sie aufwacht." Isidor erschrack. An seine Frau hatte er gar nicht mehr gedacht und jetzt fiel ihm der Gedanke an sie schwer aufs Herz. Er winkte Röschen mit beiden Händen, doch nicht so laut zu sein und sagte: „Aber es ist mir unklar, wie ein vernünftiger Mensch auf unsere Annonce so 'ne Offerte schreiben kann. Es steht doch gar nichts von Dir und vom Heirathen drin." „Vielleicht ist es ein Druckfehler, Vater." „Ja! laß mich in Ruhe mit den Druckfehlern. Ich habe den Schaden. Wie wird man sich lustig machen über uns! Und Sonntag, was mach ich Sonntag mit all den jungen Leuten." Röschen saß der Schelm im Nacken. Sie hatte eine Antwort auf der Zunge, aber die dem Vater schuldige Ehrfurcht ließ sie schweigen. Isidor, der einen Rath von ihr erwartet hatte, verdroß dieses Schweigen und ärgerlich sagte er: „Nun, Du bist ja stumm wie ein Fisch! Keine Teschuwo ist auch me Tfchuwoh." „Was soll ich dazu sagen? Ich meine, wir werden uns Sonntag gut amüsiren." „Wir? Wie heißt wir? Ich werde mich nicht amüsiren, ich werde mich ärgern und die Leute werden mich verspotten." „Laß mich nur machen, Vater. Ich werde es der Mutter sagen, und Du sollst Dich gar nicht mehr drum kümmern." Und Röschen theilte es der Mutter mit. Diese war aber gar nicht so aufgebracht, als sie die Sache erfuhr, sondern sie sagte: „Das ist ein Fingerzeig von Sehern jisboraeh. Was können wir dabet verlieren? Sehen wir uns die jungen Leute an, eschwer ist ja ein Ehoson für Dich dabei." „Ach, Mutter," sagte Röschen, in Purpur erglühend, „sprich nicht so. Noch habe ich lange Zeit daran zu denken."