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Der Israelit · 1895-04-18 · Heft 30-31 (18.4.1895) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 30-31 (18.4.1895)
Date
1895-04-18
Page
– (sequence 18)
Language
German
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592 Nedinje. Weißt Du was, Jstdor, leg Dich ins Bett, Dir ists nicht gut." „Mir ists ganz gut und ich will morgen schon mich nach einem bescheidenen tüchtigen jüdischen Mädchen umseben." „Schern jischmerenu, der Mann ist meschugge. Hast selbst eine heiratsfähige Tochter und willst Dir noch ein junges Mädchen ins Haus nehmen, Deinem eigenen Kinde Concurrenz machen, wenn ein Freier kommt, denn eine mteße Person darf mir net ins Haus, die vertreibt die Kunden und eine schöne kann ich erst recht nicht brauchen." „So laß uns eine christliche Verkäuferin nehmen." „Gewiß, die am Schabbos saullenzt und am Sonntag nichts thut und hast Du auch schon überlegt, daß Du, wenn Du eine fremde Person ins Geschäft nimmst, Du leicht bestohlen werden kannst?" „Es gibt auch ehrliche Mädchen." „Gewiß, und sogar recht viele. Aber warum sollst Du gerade eine ehrliche bekommen? Auf Dein schönes Ponim hin?" „Mein Ponim hat Dir doch mal gefallen, was hast Du fitzt dran auszusetzen?" „An Deinem Ponim nicht, aber die großartigen Posten wie Magd und Verkäuferin gefallen mir nicht. Wir haben es seither allein fertig gebracht, es wird auch weiter so gehen." Jstdor gab sich seufzend zufrieden. Er wußte, daß wenn seine Frau etwas nicht wollte, keine noch so einleuchtenden Gründe ste umstimmen würden und er erhob sich deshalb und ging ärgerlich zu Bette. Zum ersten Male in ihrer zwanzigjährigen Ehe sprach keines ein Wort zum andern und auch das „gut Nacht" und „schlaf wohl" wurde kaum gehört. Jstdor konnte lange nicht einschlafen; er hatte sich wirklich über seine Frau geärgert. Er wußte, daß es weniger der Geiz war, der sie so widersprechen ließ, als das Unangenehme, eine Fremde in den Familienkreis aufzunebmen. Aber er war auch wiederum so viel Geschäftsmann, daß er voraussehen konnte, wie ihm die Arbeit über den Kopf zu wachsen drohe. Er sann nach, auf welche Weise er die unbedingt nöthig; Einwilligung seiner Frau erhalten könne, und konnte keinen Ausweg finden. Als Haustyrann mochte er nicht auftreten, das war gegen seine Natur, und so blieb ihm nichts übrig, als zu versuchen mit List zum Ziele zu gelangen. Seine Frau schlief schon langst, was durch das Schlafzimmer erfüllende, dem Geräusch einer arbeitenden Säge ähnliche Schnarchen bewiesen wurde. Am nächsten Morgen war Jstdor krank, das erste Mal in seinem Leben. Er stöhnte und ächzte -! in seinem Bette, daß es seiner Frau und seiner Tochter angst und bange wurde. Dazu kam, daß an diesem Tage sehr viel in beiden Geschäften zu thun war, so daß sich Mutter und Tochter kaum dem ungeduldigen Patienten widmen konnten. Kaum hatte ihn eine von seinen Damen verlassen, weil sie im Geschäfte oder in der Haushaltung zu thun hatte, so wurde ste auch wieder gerufen, so daß Röschen sowie ihre Mutter fast verzweifelten, und als bei Abend endlich kam, waren sie müde zum Umfallen. Als Jstdor auch am andern Morgen sich noch so schlecht befand, da sandte seine Frau zum Arzte, der die I fluenza diagnostizierte und vollständige Ruhe und Schonung anempfahl. Jstdor hatte starkes Fieber und der Arzt befürchtete eine Lungenentzündung als Gefolge der tückschen Krankheit. Röschen ließ sich die Pflege des Vaters nicht nehmen und so lag die Last des Geschäftes allein auf den Schultern der Mutter. Diese arbeitete gerne, aber eine solche Hetzjagd, wie jetzt in ihrem Hause war, brachte ste zum Verzweifeln. Isidor wollte Röschen keinen Augenblick entbehren und so blieb der Mutter nichts übrig, als ein Nachbarsmädchen zu bitten, ihr im Geschäft ein wenig zu helfen. Das ging zwei, auch drei Tage gut. Aber schon am vierten Tage schien es der mißtrauischen Frau, als ob die Kasse nicht recht stimme, als ob ein Theil des Zuckers fehle, kurz — ste traute der Nachbarin nicht mehr. Als diese das Mißtrauen seitens der Frau Löb merkte, kam sie nicht mehr und ließ durch ihren Vater um Lohn für vier Tage bitten. Frau Löb wollte sich zuerst weigern, aber als der Nachbar mit Klage drohte, gab ste ihm seufzend das verlangte Geld. „Nie mehr," sagte sie zu sich selber „kommt mir eine Fremde ins Haus oder ins Geschäft." Sie erzählte ihrem Manne von der Unverschämtheit des Nachbars und konnte nicht begreifen, wie dieser demselben Recht geben konnte. Ste war böse, als er wieder den Vorschlag machte, eine Gehilfin ins Haus zu nehmen. „Damit ich und Röschen dieselbe bedienen können," sagte ste. sich ereifernd. „So Gott will, bist Du bald wieder wohl und bis dahin mag es gehen, wie cs will. Ich kann nun einmal kein fremdes Frauenzimmer im Hause leiden." „Nun gut," erwiederte Isidor, „Du sollst Deinen Willen haben, ich will aber auch den Meinigen haben. Ein Frauenzimmer nehme ich mir nicht ins Haus, aber einen jungen Mann, einen Commis, der in der stillen Zeit auch auf dem Land reisen kann. Wir haben entfernt wohnende Kunden, die sich freuen, wenn ste ihre Bestellungen tm eigenen Haufe machen können.

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