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Der Israelit · 1895-04-18 · Heft 30-31 (18.4.1895) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 30-31 (18.4.1895)
Date
1895-04-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXYL Jahrgang. Imeile Seil, ju M 30 & 31 des „Israelit". FeuiUero«. t^ain 8ii letauwoh. Humoristische Novellette von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten. Isidor Löb war ein fleißiger Main. Die Nachbarn, die Freunde und Bk kannten, die er hatte, sahen in ihm ein Muster des Fleißes, der Pünktlichkeit und gewissenhaften Pflichterfüllung. Er hatte einen Laden, in welchem seine Frau Colonial-, er selbst jedoch Schnittwaaren verkaufte. Die Haushaltung wurde von Rosa, der erwachsenen Tochter des Ehepaares versehen. Am Sonntag, wenn es im „Manufacturwaaren-Geschäfte" viel zu thun gab, half Röschen dem Vater, während die Mutter um keinen Preis der Welt in dem Departement ihres Mannes thätig gewesen wäre. „Jeder vor sein Geschäft," war ihre Parole. „Ich verkaufe Zucker und Reis, mein Mann Tuch und Buckskin: ich vor mein Geschäft, mein Mann vor das Seinige." Selbst wenn der kleine Laden voller Kunden war, kam fit nicht herbei, um zu verkaufen, sondern sie unterhielt sich mit den Kunden und verkürzte ihnen die Zeit des Wartens. Ein solcher Fleiß wurde belohnt. Das Geschäft hatte sich vergrößert; Isidor Löb hatte schon sein „Comptoir", ein hinter dem Laden liegendes kleines Kämmerchen zu dem Laden nehmen, hatte den Platz, den das Colonialwaarengeschäft beanspruchte, schon auf ein Minimum reduzieren müssen, und er sah die Zeit kommen, wo er — er war doch auch ein Mensch und wurde immer älter — und sein Röschen die Arbeit nicht mehr allein bewältigen konnten. So saß das Ehepaar eines Abends, nachdem um zehn Uhr das Geschäft geschlossen worden war, plaudernd beisammen. Isidor klagte über die Last der Arbeit und machte seiner Frau den Vorschlag, sie solle eine Magd engagieren, damit Röschen von den Arbeiten des Haushaltes entlastet werde und ihm im Geschäfte beistehen könne. Mit offenem Munde sah ihn sein biederes Weib an, dann kam es langsam über ihre Lippen. „Ei, ei, mein Isidor, bist Du übergeschnappt, oder bist Du ein Srore geworden, daß Du nit weißt wohin mit Deinem Geld! Weißt Du auch was eine Magd kostet. Einhundert Mark das Jahr doch zum wenigsten, ohne Essen und Trinken. Hast Du Luft so viel Geld auszugeben, so geb mirs, ich trags auf die Sparkasse für die Nedinje von unserer Tochter." „Und dann," fuhr sie weiter, ohne ihres Mannes Erwiederung abzuwarten, „hast Du auch überlegt, was das im Jahr kostet, was so eine Magd zerbricht und Trese macht? und wie sie einem den ganzen Haushalt trese machen kann, ohne daß man etwas davon weiß? Nein, mein Mann, so lang ich gesund bin und schaffen kann, kommt mir keine Magd ins Haus." „Aber," warf Isidor ein, „Du wirst doch auch mal alt." „So. Gott will, ja, und recht sehr alt; aber noch bin ich es nicht, noch fühle ich mich jung." „Eine schöne junge Frau, mit einem weißen Kopf und einer heirathsfähtgen Tochter," spottete Isidor. „Bin ich Dir nit mehr jung genug, so such Dir eine andere,"geiferte die nunl beleidigte Frau, „ich bin in Ehren weiß geworden." „So war es ja nicht gemeint," besänftigte Isidor die Zornige; „warum sollst Du mir nicht mehr recht sein, bist Du mir doch seit zwanzig Jahren recht gewesen. Es war nur ein Gedanke, eine Idee von mir." „So ist auch der Gedanke und so ist die Idee, als ob sie von Dir käme. Seit wann giebst Du Dich mit Gedanken und Ideen ab? An denen ist nichts zu verdienen, die kann man nicht verkaufen." „Ist doch schon mancher durch'ne Idee zum reichen Mann geworden, warum soll ich nicht auch mal'ne Idee haben!" „Es ist ein Glück, daß Du nicht oft Ideen hast, sonst wärst Du bald ein armer Mann, denn Deine Ideen kosten Geld." Isidor wagte nicht, seiner Frau zu widersprechen. Er schwieg stille und fuhr sich mit den Fingern über das spärliche Haar. Endlich sagte er: „Nun gut, wenn Du keine Magd haben willst, so nehme ich eine Verkäuferin, denn allein kann ich unmöglich fertig werden. Oben im Stübchen mag sie schlafen —" „Isidor! ich glaube sicher, Du bist von Größenwahn befallen. Eine Verkäuferin willst Du ins Haus nehmen! Die kostet ja noch mehr. Unter dreißig Mark und freier Station wirst Du keine bekommen und das sind im Jahre — zehn mal dreißig ist dreihundert, zwei mal dreißig ist sechzig — das sind dreihundert und sechzig Mark im Jahr ohne Essen und Trinken. Das ist eine halbe

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