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Der Israelit · 1895-04-18 · Heft 30-31 (18.4.1895) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 30-31 (18.4.1895)
Date
1895-04-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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584 ken, daß der Verf. hier durchaus keine Mtsstonszwkcke verfolgt, eS liegt ihm ganz fern, Profelyten zu machen, es ist in seinen Augen nur ein praktisches Mittel, praktische Zwecke zu erreichen. — Ein Werk, es sei klein oder groß, von Prof. Dr.D. Kaufmann ist jeder Zeit ein gern gesehener Gast; man ist überzeugt, daß man etwas Gediegenes erwarten darf und ist in seinen Erwartungen niemals getäuscht. So hat auch die soeben erschienene Schrift dieses Verfassers „Die Erstürmung Ofens und ihre Vorgeschichte," verbunden mit R. Jsaac Schulhosers pw piVjd (Trier 1895. Sigmund Mayer) alle die Vorzüge, durch welche sich die übrigen Schrif ten Kaufmanns auszeichncn. Die bisher unbekannte und zum ersten Male herausgegebene pw rtoo, in welcher R. Jsaac Schulhofer als Augenzeuge die Einnahme Ofens im Jahre 1686 durch die -Kaiserlichen beschreibt, entrollt uns ein furchtbares Bild von dem Blutbade, das der Erstürmung dieser Stadt folgte und ist somit von allgemein historischem Werte. Zugleich erfahren wir aber auch von den Leiden uüd der ans Wunderbare grenzenden Errettung aus Todesnoth, die der Schreiber dieser Megtllah, der später zum Mitglied des Rabbinats in Prag ernannt wurde, erfahren hat. Ein wirkliches Verständniß dieser Aufzeichnungen gewinnen wir aber erst durch die Abhandlung Kaufmanns, die sich nicht nur auf die Geschicke R. Schulhofers während jener furchtbaren Zeit beschränkt, sondern eine ausführliche Lebensbeschreibung dieses so schwer geprüften und bedeutenden Mannes gibt, der mit den größten Männern seiner Zeit in naher verwandtschaftlicher Beziehung stand. Die jüdische Geschichtsforschung darf dem Vers, für seine Gabe dankbar sein. Zeituugsuachrichte» und Correspoudenzen. Deutschland. Mainz, am Ausgange des Peßachfestes. Alljährlich, wenn uns mit dem Verlesen des Wochenabschnittrs Schemini der Hingang der beiden Söhne Ahorons in unserer Thora aus so ergreifende Weise geschildert wird, wird uns auch das Hinschetden des Begründers dieser Blätter, besten Jahrzcitstag übermorgen sein wird mächtig in das Gedächtnis zurückgerufen. Der Tod Nadabs und Abthus war eine harte Prüfung für Aharon, den altgebeugten Vater. Dieser, so heißt (s (Sebachim 115) stand bewegt und tieferschüttert bei der Todesnachricht seiner beiden Söhne und rikf heftig krgriffcn: „O des Schmerzes, o der Sünde, die mich mit meinen.Söhnen in diese Lage versetzte!" Da ging Moscheh an ihn heran und redete ihn beruhigend also an: „Aharon, mein Bruder! tröste Dich, denn der Tod Deiner Söhne soll die Herrlichkeit Gottes verkünden! Schon auf Sinai erhielt ich geheimnisvoll die Tradition, daß die Weihe der Stifts- Hütte mit dem Tode eines Großen enden wird. Und ich deutete mir damals dieselbe, das ziele entweder auf mich, oder auf Dich hin. Doch jetzt ist das Räthsel gelöst: „Die Großen, das stnd Deine zwei älteren Söhne Nadab und Abihu die vor Gott uns vorgcwgen wurden." (Jalkut.) Aharon schwieg und zeigte stille Ergebung. Als aber Aharon selbst durch den göttlichen Kuß von dieser Erde hinweggenommen wurde, da schwieg man nicht in Israel. „Ist es möglich", so sollen viele ausgerufen haben, „daß Aharon, der vielen das Leben gerettet und erhalten selbst dem Tode verfallen seid" Der Verlust Aharons wird als ein sehr empfindlicher dargestellt, dessen Folgen man bald im Hause, bald außerhalb desselben fühlte. Es fehlte in der Familie der Freund und Friedestifter, im Hause der kluge Lehrer und Erzieher, der, ohne zu beschämen, das Vergehen vorhtelt, belehrte und b.sterte, und außerhalb des Hauses vermißte man den göttlichen Führer, der sie von dem sichtbaren Schutze Gottes, der in der Wolkensäule, die während der 40jährigen Wanderung durch die Wüste Israel umhüllte seinen Ausdruck fand, zu überzeugen suchte. Doch bald wußte sich Israel selbst über den für es so überaus herben Verlust, der für es in gewisser Hinsicht noch größer war, wie derjenige Mosche's (Aboth des R. Nathan E. 12) zu trösten. Andere Führer traten an die Spitze des Volkes, welche das heilige Erbe mit fester Hand übernahmen und Israel seinem Ziele näher führten. Auch uns gewährt es einen hohen Trost, daß das theuere Vermächtnis unseres Vaters, daß diese Zeitschrift, die sich die höchsten Aufgaben innerhalb des wahren Judcnthums zum Ziele gesetzt hat, in mächtigem Emporblühen begriffen ist und, daß die Führer und Leiter in Israel mit uns begeistert um dieselbe geschaart stehen, um an dem Gelingen unseres Hochzieles kräftig mitzuarbetten. — Jairer, 12. April. Eine jüdische Strafgefangene, welche im hiesigen Zuchthaus internirt ist, sollte am 9. April re. als am ersten Peßachtage, vor der Strafkammer zu Breslau behufs Vernehmung vorgeführt werden. In Anbetracht des Festtages wurde unser Cultusbeamter Herr Eantor Feibel, der gleichzeitig Seelsorger der jüdisch. Insassen ist, durch die Direetion bei der Strafkammer vorstellig, um eine Verlegung des Termins zu erwirken, wurde aber ohne Weiteres mit seinem Anträge abgewiesen. Darauf wandte sich, wenige Tage vor dem Fest, p. Feibel unter Angabe derselben Gründe direct an den Justizminister und bat um Verlegung des Termins, und am 8. dieses traf Abends eine Depesche von der Staats-

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