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Der Israelit · 1895-04-18 · Heft 30-31 (18.4.1895) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 30-31 (18.4.1895)
Date
1895-04-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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581 mit einem Unsichtbaren über Religion und religiöse Dinge. Rührend war es, wenn sie in ihrem Fieberwahn mit ihrem Vater sprach und ihm erzählte, wie es ihr nach harten Strapatzen und vielen Mühseligkeiten gelungen sei, die Ehre seines Namens zu retten. Das Fieber verzehrte die Kräfte der Kranken; sie magerte ab, die fieberglänzenden Augen blickten starr aus den tiefen Höhlen und die weißen, schlanken, mageren Hände vermochten nicht mehr das Glas zu halten, aus dem sie die Milch trank. Langsam vergingen die Tage in unfreiwillig r Muße. Hawkins hatte an den Consul geschrieben und ihm von Annys Krankheit Mtttheilung gemacht, denn er wollte die Verantwortung nicht allein tragen. Mit Sehnsucht wartete er auf Antwort. Der Farmer nahm immer mehr Interesse an dem jungen Mädchen, dessen Energie und kühner Mut ihn zur Bewunderung hinriß. Es that ihm unendlich leid, sie so leiden zu sehen und eines Tages sagte er zu Hawkins: „Wenn das Fieber nicht bald gebrochen wird, geht sie uns drauf; wir wollen einmal die Wasserbehandlung versuchen." „Verstehen Sie dieselbe?" fragte Hawkius. „Ich bin kein Arzt und was ich davon verstehe, habe ich an mir erprobt. Wenn mich das Fieber packt und nicht weichen will, gebrauche ich die Wasserkur und sie hat mich noch nie im Stiche gelassen." „Versuchen wir es mit derselben", erwiederte Hawkins, und nun wurde Anny von ihrer Dienerin und der Haushälterin des Farmers einer babarischen Wasserprozedur unterzogen. Man brachte sie in ein eiskaltes Bad und ließ sie eine Zeitlang darinnen, dann wurde sie herausgenommen, in das Bett gebracht und mit Decken warm zugedeckt. Wie eine Tote lag sie da, ohne sich zu rühren. Ihr bleiches Antlitz schien erstarrt zu sein, denn kein Muskel bewegte sich in demselben. Hawkins, der ins Krankenzimmer getreten war, hielt sie für tot und die Thränen traten dem Manne in die Augen. Der Farmer beobachtete sie ganz genau und jetzt bemerkte er einen röthlichen Schein auf ihren Wangen. Der Attm, der bisher sehr leise gegangen war, setzte wieder kräftiger ein, ein starker Schweiß begann sich zu bilden und die Lebensthätigkeiten fingen an sich bemerkbar zu äußern. „Gottlob, sie ist gerettet!" sagte der Farmer leise vor sich hin und er eilte zu Hawkins und machte denselben voller Freude auf seine Beobachtung aufmerksam. Hawkins blickte zweifelnd auf die Kranke und auch er bemerkte zu seiner größten Freude die Wendung zum Besseren, die sich augenscheinlich eingestellt hatte. Mit banger Erwartung verfolgten sie jede Bewegung der Kranken. Die Starrheit wich nach und nach aus dem Gesichte und machte einer Weichheit der Züge Platz, wie sie die Männer noch nie gesehen hatten. Der unruhige Fieberschlummer war einem festen und gesunden Schlafe gewichen; das Wunder war geschehen, die Kraft deS Fiebers war gebrochen und regelmäßig athmend lag daS junge Mädchen auf seinem Lager. Der Schlaf dauerte viele Stunden, so daß Hawkins ängstlich wurde, aber der Farmer beruhigte ihn und sagte, daß Anny gesund erwachen würde. Und so war eS. Am dritten Tage gegen die Mittagsstunde kam die schwarze Dienerin voller Freude zu Hawkins gestürmt und rief: „O, Mafia Hawkins, der böse Geist sein fort; Mts Anny sein gewach auf und haben gefragt nach Mafia Hawkins. Kommen Mafia, rasch, rasch!" Hawkins zögerte nicht lange. Er eilte sofort in das Krankenzimmer, wo ihn Anny mit Freude empfing. „War ich krank? Und wie lange?" fragte sie mit schwacher Stimme. „Ja, Mis Pretortus", sagte er, vor Freude in Thränen lächelnd, „Sie haben mir schlimme Wochen bereitet; doch Gottlob, daß diese Zeit jetzt vorüber ist. Schonen Sie sich nur, damit Sie bald wieder gesund und kräftig werden." „Wo befinde ich mich eigentlich?" fragte Anny nah einer Weile. „Darüber können Sie beruhigt sein. Sie sind in sicherer Obhut und am Ziele Ihrer Reise. Wenn Sie erst wieder kräftig genug find, sollen Sie vieles erfahren, was Ihnen Freude bereiten wird:" Anny wollte noch etwas erwiedern, aber Hawkins war schon wieder auS dem Zimmer und hatte die schwarze Dienerin gesandt, die ihre Herrin bat, jetzt sich zu schonen und nichts zu thun als zu trinken und zu schlafen. Annys Genesung machte rasche Fortschritte; bald war sie so weit hergestellt, daß sie im Bette sitzend mit Hawkins plaudern konnte. Nun war sie auch nicht länger zu beruhigen. Sie wollte alles wissen, was Hawkins erreicht und worüber er ihr Andeutungen gemacht hatte, und eines schönen Tages theilte Hawkins ihr denn auch mit, daß der Farmer, der sie ausgenommen, derjenige sei, dessen Vermögen ihr Vater vor vielen Jahren verwaltet und als er mündig geworden, auch auSbezahlt hatte. Er fei bereit, eine diesbezügliche Erklärung vor dem nächsten Gerichte abzugeben und es thue ihm leid, daß Dr. Pretortus, den er als Ehrenmann kennen gelernt Hab?, seineihalben solche Unbill hatte erdulden müssen.

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