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Der Israelit · 1895-04-18 · Heft 30-31 (18.4.1895) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 30-31 (18.4.1895)
Date
1895-04-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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580 Grund deS allbekannten tiefen Wissens und der hinreißenden Beredsamkeit des Vortragenden nicht anders erwarten ließ; kurz nach 8 Uhr war der ganze große Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Wir können leider nicht daran denken, an diesem Platze auf den Bortrag selbst genau einzugehen. Dieses würde uns zu weit führen, besonders da derselbe, der Materie entsprechend, im wesentlichen sich aus Details wie Begebenheiten, Daten, Urkunden rc. zusammensetzen müßte, die allerdings vom Redner mit seltener Kunst in so anregender und eleganter Form dargelegt wurden, daß das Publikum bis zum letzten Worte der Rede wie bezaubert an den Lippen des Vortragenden hing, um am Schlüsse dem mit Dank und Begeisterung erfüllten Herzen durch stürmischen Applaus Ausdruck zu geben. Erwähnt sei immerhin, daß die behandelte Epoche das 14. und 15. Jahrhundert umfaßte, eine Zeit der Verleumdung und Verfolgung aller Juden in ganz Europa und auch in Zürich, zu dessen Ehre aber gesagt sei, daß zu allen Zeiten der Züricher Magistrat es gewesen ist, der, weil von den gegen die Juden erhobenen schrecklichen und wahnsinnigen Anklagen nichts weniger als überzeugt, im Gegensatz zu andern Städten und Ländern, den Juden Zürichs so viel Schutz und Freiheiten angedeihen ließ, als immer in seiner Macht stand. Der Redner verlegt die erste Jüdische Ansiedelung in Zürich in die Mitte des 14. Jahrhunderts, von wo an dieselbe dann mit verschiedenen gewaltsamen Unterbrechungen sich immer wieder neu belebte und verstärkte und zwar, wie es scheint durch Zuzug von zum größeren Theile vermöglichen Juden. Auch dazumal wies die Züricher Gemeinde bedeutende Männer, Gelehrte (Rabbi Mosche), Aerzte rc. auf, deren Ruf weit über die Grenzen des Landes hinausdrang. Der Vortragende schließt mit einer inhaltlich wie rhetorisch wirklich meisterhaften Betrachtung, daß die in den vergangenen, düstern Zeiten gemachten Erfahrungen doch den ununistd'ßlichen Beweis geliefert hätten, daß das Judenthum trotz aller Anfeindungen, Unterdrückungen, sich stetig wieder aufgerafft hat und für alle Zeiten fortbestehen werde so lange dasselbe seiner alten Tradition getreu an seinem Glauben unerschütterlich fest halte. Um in dieser Zeit des Humanismus nichts destoweniger gegen leider allzu häufig sich noch zeigenden sogen. Hamanismus gerüstet zu sein, wird uns als beste Waffe das Befassen mit der jüdischen Geschichte und Glaubenslehre ans Herz gelegt, was den Kampf ums Dasein für uns Juden in hohem Grade erleichtere. — Der Verein Reunion hat alle Ursache dem Herrn Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein für den höchst genußreichen Abend von Herzen dankbar zu sein und wird den Tag mit Freuden begrüßen, an dem dieser hochwürdige Gast, der sich nunmehr, wie wir mit großen Vergnügen constatiren, als Mitglied hat ausnehmen lassen, wieder in seiner Mitte erscheinen wird. — Hoffentlich wird dieses recht bald der Fall sein. > «Vermischtes. < An da» Rabbinat der altisraelitischen CultuSgemeinde WieSb«td<« war von Seiten des kgl. Garnison-Kommando die Mittheilung ergangen, daß laut Verfügung de» kgl. * Generalkommandos 11. A. K. v. 2b v. M. die Befreiung der israelitischen Mannschaften für das Paffahfeft und zwar a. vom 8. April nachmittags 4 Uhr bis 10. April Abends d. vom 14. April nachmittags 4 Uhr bis 16. April Abends — soweit es das dienstliche Interesse gestaltet, — verfügt worden ist. v. W. Feuilleton. 4^5 Hur eine Tochter. Erzählung von H. Berger. 32.) (Alle Rechte Vorbehalten. Gerade als dte Ueberführung beendet war, kam der Herr der Farm und sah mit Befremden dte Zelte. Als er von seinen Leuten gehört hatte, um was es sich handle, war er mit dem Geschehenen einverstanden und bereit Mr. Hawktns za empfangen. Mr. Hawktns hatte eine lange Unterredung mit dem Farmer, aber, als er denselben verließ, lächelte er befriedigt. Der Mann, den er gesucht hatte, war gefunden und war bereit, Auskunft über das zu ertheilen, was dte fremde Dame von ihm wissen wollte. Anny war wirklich krank geworden. Sie hatte ihrem zarten Körper zu viel zugemutet und jetzt lag sie danieder, von Fieberschauern geschüttelt, von wilden Phantasten gequält. Mr. Hawkins war eine treue Seele. Er pflegte im Verein mit der schwarzen Dienerin das junge Mädchen mit einer bewundernswerten Aufopferung, denn Anny lag schwer krank danieder. Der Firmer lieferte nach bestem Ermessen aus seiner Hausapotheke die Medikamente, unter welchen das Chinin eine Hauptrolle spielte. Aber trotz des ärgsten Fiebers war sie nicht dazu zu bewegen, etwas anderes zu sich zu nehmen als Milch, die ihr hier freilich unverfälscht und in beliebiger Menge zur Verfügung stand. Hawkins hätte gerne einen Arzt zu Rathe gezogen, das war aber nicht möglich, denn der nächste Arzt wohnte acht Tagereisen entfernt und bis er zur Patientin gekommen wäre, wären vierzehn Tage verflossen, in welcher Zeit Hawkins hoffte, das junge Mädchen bis zu jener Zeit längst wieder hergestellt zu sehen und meinte, die Jugend die klüftige Constitution Annys würden auch ohne ärztliche Hilfe den Sieg über die Krankheit davontragen. AnnyS Befinden war wenig wechselnd. Entweder lag sie apatisch und unruhig schlummernd da, oder fie raste in heftigen Delirien, so daß es der Dienerin oft schwer wurde, sie im Bette zu halten. Dann hatte sie zu kämpfen gegen Riesen und Geister und Räuber und Mörder, oder fie stritt

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