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Der Israelit · 1895-04-18 · Heft 30-31 (18.4.1895) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 30-31 (18.4.1895)
Date
1895-04-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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576 Frage rwo npbj ’so ,Mnsta u. a. seine Verwerthung für die Praxis gesucht und auch überall gefunden, die lebendige That ist ja Zweck und Ziel alles Wissens, ohne diese That ist alle Aneigung von Erfassung und Wissenschaft unfruchtbar und zwecklos. Wenn z. B. in der unmittelbar vorangehenden Mtschnah Diy:^ niypi nu rojro nno y=n« rnrfci von der größeren oder geringeren Disposition zum Zorne und seiner Beschwichtigung mit ihrer Folge für unser seelisches und körperliches Wohl die Rede ist, so liegt die Nutzanwendung davon auf der Hand» Sie liegt in dem Sporn in richtiger Würdigung dieser Wahrheit, jede Aufwallung des Zornes zu unterdrücken und uns für die Versöhnltchkett und Besänftigung nach dem Zorne geneigter zu machen. Wenn aber der vorliegende Väterspruch von der leichteren und schwereren Fassungskraft und von der geringeren und größeren Möglichkeit das bereits Angeeignete wieder zu vergessen spricht, durch welche sich lernende Schüler unterscheiden, so wird uns eine Wahrheit nahe gelegt, die wohl Niemand bestreitet, deren Nutzanwendung aber auf den ersten Blick sich kaum ergeben dürfte. Es kann doch nicht der Zweck dieses Ausspruchs sein uns die Vortheile einer leichten Auffassung deshalb nahe zu Legen, damit wir uns nun bestreben das zu Erlernende möglichst rasch aufzufaffen, da dies ja nicht in unserer Hand liegt, sondern durch die größere oder geringere geistige Begabung bedingt ist, mit der wir von Natur aus ausgestattet sind, und an welchen wir nichts ändern können. Da wir nun aber wissen, daß uns unsere Weisen nicht einen einzigen Ausspruch hinterlassen haben, der nicht sittigenden und veredelnden Einfluß auf unser Thun und Lassen hat, so liegt schon in dem Umstand, daß das größere oder geringere Fassungsvermögen, durch welches stch Lernende unterscheiden, Gegenstand ihrer Belehrung ist, die Garantie, daß wir wohl in der Lage sind selbst an diesem Umstande etwas zu ändern. Wenn unsere Weisen die Voriheile einer raschen Auffassung und der möglichst unverlierbaren Aneigung des Erlernten uns zur Erwägung htngeben, so haben sie oo ixso uns damit ihre tröstliche Ueberzeugung nahe gelegt, daß wir wohl in der Lage sind, unsere geringere geistige Befähigung zu steigern und ihre unbestrittenen Nachtheile auszugleichen. Und wenn irgendwo, so ist auf diesem Gebiete das Urthetl unserer Weisen competent. Trotz ihrer hohen geistigen Begabung galten sie sich selber nicht als Weise, sondern nur als „Schüler der Weisen", als D’oan. Sie waren die «Schüler" par excellence und wenn irgendwo so bewegten sie sich auf ihrem eigenen Gebiete, wenn sie über die Abstufungen sich äußerten, durch welche sich lernende Schüler unterscheiden. Eine reiche Fülle goldener Winke haben uns unsere Weisen hinterlassen, vermittelst welcher man der Vergeßlichkeit entgegentreten und der dauernden Aneignung des einmal Gelernten Vorschub leisten kann. Sie zählen fünf Dinge auf, welche die Vergeßlichkeit beschleunigen und ebenso viele die ihr entgegentreten (Talmud Hortoth fol. 13 b.) Sie erinnern wie ungezügelte Affecte, besonders der Zorn, das Vergessen des bereits Gelernten zur Folge hat (Nedarim fol. 22.) (In Paranthese sei daran erinnert, wie dieser Umstand auch den Zusammenhang unserer Mischna mit der ihr unmittelbar vorangehenden erklärt. Ihre bloße Nebeneinanderftellung spricht;bte Wahrheit aus: Dyian m&n raffD.) Sie betonen besonders wie die rastlose, emsige Hingebung an den Gegenstand des Lernens das mächtige Mittel ist, das einmal mit Ernst aufgenommene dauernd zu erhalten. In erster Reihe ist es das stete Wiederholen des einmal Gelernten, dem sie nicht genug das Wort reden können. Man könrn einen Gegenstand hundertmal lernen und ihn wieder vergessen, wer aber eine Sache hundert und einmal wiederhole, der vergesse sie nicht wieder, 'rai D’dj/b 'p ip-is rmr non (Die Bedeutsamkeit gerade dieser Zahl findet in den Bezeichnungen unserer heiligen Sprache für Denken und Vergessen auch äußerlich ihren sprechenden Ausdruck. Unser ganzes Wissen liegt zwischen Gedanken und Vergessen; 121 (227) und rav (328.) Die Differenz, die zwischen beiden liegt — 101. — nte.) Selbst nach der Ansicht, nach der alle auf das Lernen verwandte Mühe nicht gegen die Möglichkeit des Vergessens schützt und welche die dauernde Erhaltung des einmal Erlernten nur von einem besonderen göttlichen Beistände erwartet (Megilla fol. 6 *rn wo# p wny”D ’cpiK^») ist der geistig weniger gut Beanlagte doch in der Lage sich diesen göttlichen Beistand durch aufrichtige Rückkehr zu Gott und durch inniges Gebet zu erringen. Da wir alle zeitlebens Schüler sind, oder es wenigstens sein sollten, so ist es durchaus wichtig uns die höhere und geringere geistige Begabung, wie sie sich bei Schülern geltend macht, zu vergegenwärtigen, weil wir wohl in der Lage sind die Lücken und Schäden zu beseitigen, die sich aus dieser unserer Beobachtung ergeben. Wer leicht lernt und leicht vergißt, bet dem geht der Vorth eil in den Nacht heil auf. Die Leichtigkeit der Aneignung ist sogar meistens die Ursache des leichten Vergessens; eine Erfahrung, die stch auch bet materiellen Dingen hundertfach wiederholt. Es ist leichter z. B. einen Nagel in ein Tuch als in ein Brett zu schlagen; aber dafür fitzt er auch fester in dem Brett als in dem Tuchen Die Leichtigkeit, mit welcher der Nagel in das Tuch dringt, ist die Ursache der Leichtigkeit, mit

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