Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 29 (8.4.1895)
- Date
- 1895-04-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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VAMMMWW 568 treuester Diener — dessen Ergebenheit durch viele Jahre erprobt ist." „Gebe Allah, daß ich Unwahrheit rede! — es würde mich beglücken! So ist es aber die reine Wahrheit, mächtiger Herrscher! So wahr Muhamed ein Prophet Allah's ist! Wie würde es Dein Sklave 0 König, Stolz und Freude Persiens, wagen Dich zu betrügen P" „Hast Du Beweise?" — rief der Schah drohend aus. — „So rede! her mit diesen! oder der helle Strahl der morgigen Sonne soll Deinen Leichnahm beleuchten!" „O König aller Könige bedarf es noch der Beweise, wenn Mordochai sich zur Flucht aus Teheran rüstet? Gestern ging ich vor seinem Palast vorüber, da sah ich, wie alles aus seinem Hause ausgeräumt wurde. Was vermag diesen einflußreichen Mann aus der Nähe seines gütigen Herrn wohl zu vertreiben, wenn ihn sein schlechtes Gewissen nicht dazu drängt? Denkst Du nicht daran, o König, daß er sich an Dir rächen wollte, weil die Bevölkerung von Jspahan, von Allah erleuchtet, die Juden überfiel und ausgeplündert hatte? Wohl hast Du in Deiner allzugroßen Güte angeordnet, daß die Verbrecher bestraft werden sollen. Doch genügt daS dem Herzen eines rachsüchtigen Juden? Nein, der Sonne Persiens will er ihren ewigen Glanz nehmen, indem er dem Könige der Könige und seiner Dynastie das Theuerste stiehlt, dadurch Gefahr über das Haupt meines Gebieters heraufbeschwören will." Im Gedanken verloren saß der Schah eine Weile lang über das Gehörte nachstnnend; in seinem Gesichte zuckte und wetterte es. Es wollte ihm doch nicht recht in den Sinn, daß der Mann, dessen Treue er durch eine ganze Reihe von Jahren zuverlässig und dessen Rath er stets bewährt fand, ein gemeines Verbrechen begangen haben könnte. Doch plötzlich trat ein energischer Zug auf sein Angesicht und er versetzte: „Es ist gut, Gadjo, ich will Deine Beweise prüfen. Wenn die Nacht ihre breiten Schatten über die Erde wirft, dann komme und führe mich in das Haus des Mordochai. Wir wollen ihn überraschen und finde ich Deine Aussage bestätigt, dann sollst Du seine Stelle etnnehmen. Im anderen Falle bist Du dem Henker verfallen!" * * * Unterdeß herrschte im Hause des Mustaufi el memalek reges Leben und Treiben. Den Abend sollte das Pesachfest seinen Einzug in alle jüdischen Häuser halten und bei dem reichen Mordochai wurden alle Vorkehrungen getroffen, dieses würdig zu empfangen. In dem weiten Speisesaal, dessen Fußboden mit buntfarbigen Teppichen belegt waren, erblicken wir eine lange Tafel mit einer lilienweißschimmernden Damastdecke umhängt, auf welcher in geordneter Weise kostbare Gefäße von Gold und Silber, sowie wohlriechende Blumengewinde ihre Aufstellung fanden. Ein junges schönes Mädchen huschte geschäftig um die Tafel, hie und da etwas zurecht legend oder anders ordnend. Jetzt that sich die Thüre auf und Mordochai. ein Mann mit klugem ernsten Gesichte trat in das Gemach und als er das hurtigschaffende Mädchen erblickte, leuchtete es wie freudiger Stolz in seinem Auge auf. „Du hast Deine Sache vortrefflich gemacht, Esther, meine Tochter! Jetzt aber wollen wir an die Zurichtung der Sederplatte gehen." „Hast Du heute viele Gäste geladen, Vater?" „Ja, meine Tocher. zehn sehr gelehrte Rabbiner und Deinen Bräutigam, den nicht minder gelehrten Chasdat." Ein heiße Blutwelle schoß in das Gesicht des Mädchens. „Wenn es nur nicht zu spät wird! Wir sind alle von der Arbeit sehr ermüdet." „Kein Wunder" — lächelte Mordochai — „Ihr habet ja das ganze Haus von oben nach unten gekehrt. Gestern frug mich der Muschir eddauleh, Gadjo, als er vorüberging und alle Möbel unseres Hauses im Hofe stehen sah, ob wir von Teheran fortziehen wollen." „Ach der Gadjo!" — rief Esther aus. — „Er ist ein gräßlicher Mensch, ich mag ihn nicht sehen! Sein falsches Gesicht sagt nichts Gutes." Einem Zufall hatte Mordochai die Gunst des launischen Schah zu verdanken. Mordochai, der ein bescheidenes Geschäft betrieb und auch in der Heilkunde nicht unerfahren war, ging eines Tages seinem Geschäfte in der Nähe des Lustschloffes Ntaveram nach. Zu derselben Zeit sprengte der Schah mit einem glänzenden Gefolge hoch zu Roß aus dem Schloßthor. Das Pferd scheute, bäumte sich hoch empor und warf seinen Reiter ab, der Schah verfiel in eine Ohnmacht. Während sein Gefolge in lautes Wehklagen ausbrach, ohne jedoch ihm Hilfe zu leisten, sprang Mordochai hinzu und untersuchte ihn auf's Sorgfältigste, ob er einen Schaden erlitten habe, dann bemühte er sich ihn aus seiner Ohnmacht zu erwecken. Von jener Stunde ab besaß er die Gunst seines Herrn, und dieser hörte gerne auf seinen Rath. Als aber Mordochai dem Schah, der den Krieg, den Dschtng-Chan erklärte und seine Kassen leer fand, einen vortrefflichen Rath gab, wie er diese wiederum Men könnte, da erhob er ihn zu der Würde des Mustaufi el memalek. Diese