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Der Israelit · 1895-04-08 · Heft 29 (8.4.1895) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 29 (8.4.1895)
Date
1895-04-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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569 neue Gunst des Schah war noch mehr Grund, die Zahl seiner Feinde und Neider, die dem Juden diese hohe Stellung mißgönnten, beträchtlich zu vermehren. Sein erbittertster Frind war jedoch Gadjo. Er hatte die schöne Tochter des einflußreichen Ministers, Esther, bei einer Gelegenheit in ihrem Vaterhause gesehen und sein Herz entbrannte in Liebe für sie. Seine Bewerbung um ihre Liebe fand weder bei der Tochter noch bei dem Vater Erhörung und er schwor ihnen bittere Rache in seinem Herzen. „So, auch die Sederplatte ist geordnet" — sagte Mordochai. — „Nun aber will ich mich richten, um in das Gotteshaus zu gehen!" „Es ist doch das schönste Fest, dieses Peffachfest, das uns vor Jahrtausenden die Freiheit unseres Körpers und Denkens gab" — sagte Esther mit bezauberndem Lächeln. — „Es ist schon die Mühe Werth, die es uns Frauen verursacht!" „Gewiß meine Tochter." * * * Die Wolken, welche den Horizont verschleierten, wichen zurück und die Mondscheibe ergoß ihr silbernes Licht über Teheran, in deren Schein der schneebedeckte ToschLl sich gespensterhaft wiederspiegelte. Die Straßen der Stadt lagen verlassen und menschenleer da. Heilige Ruhe und tiefer Frieden herrschte allenthalben; in den Lehmhütten wie in den Palästen schien Alles schon in tiefem Schlummer zu liegen. Doch nein! Plötzlich vernahm man Waffengeklirr. Ein Zug bewaffneter Männer bewegte sich langsam durch die einsamen Straßen. An der Spitze des Zuges schritt ein Mann, dessen Turban mit Diamanten bedeckt war und die ein eigenthümlich funkelndes Licht ausströmten, als ob sie mit den Mondstrahlen wetteifern wollten. „Sind wir nicht bald an unserm Ziele, Gadjo?" — frug der Führer des Zuges, an den Mann der ihm zur Richten schritt gewendet. „Gewiß, König der Könige, nur noch wenige Schritte!" An dem Hause des Mustaufi el memalek Mordochai blieb der Zug stehen und harrte der wettern Befehle des Schah. — Ein Lichtglanz strahlte aus den Fenstern des Hauses und andächtiger Gesang drang an das Ohr des Schah. „Hattest Du nicht gesagt, Gadjo," — sagte der Schah mit leiser Stimme, — „daß Mordochai sich zur Flucht rüstet und sein Haus räume?" „So habe ich es gesagt, Sonne Persiens!" Eine finstere, drohende Wolke legte die Stirn des Schah in Falten. „Wo sind die Vorbereitungen zu dieser Flucht? Ich sehe keine Spur davon, Sclave!" „O König^aller Könige, diese find vorgenommen worden und Dein theuerstes Kleinod wirst Du^bei ihm finden!" Der Schah trat von Gadjo gefolgt an das Fenster des Hauses und überrascht fuhren ste zurück. Darin saß der Hausherr an der Spitze der Tafel, umgeben von ehrwürdigen Gestalten. Alle, etwa zehn an Zahl waren in lange schneeweiße Gewänder gekleidet, ihr vor freudiger Begeisterung strahlendes Gesicht war von einem langen, bis zum Gürtel herabwallenden silbernen Bart umrahmt. Alle hatten ste aufgeschlagene Bücher vor fich und schienen in ihre Lektüre besonders vertieft. „Allah ist groß!" — rief der Schah aus — „Mordochai scheint alle Propheten versammelt zu haben. Auch der Prophet Muhammed ist unter diesen!" Jetzt erscholl der Gesang um den Tisch im Hause. „Chad Gadjo, chad Gadjo!" sangen sie im Chore. Als der Schah den Namen Gadjo hörte, richteteereinen durchbohrenden Blick auf Gadjo, der wie Espenlaub an seinem ganzen Körper zitterte. „Gestehe, Sclave, hörst Du die Stimme der Propheten drinnen —" fuhr ihn der Schah an. „Gewiß hat Mordochai die Propheten eingeladen, um von ihnen zu erfahren, wer mein Kleinod gestohlen." Da stürzte plötzlich Gadjo zu Füßen des Schah. „Gnade! Gnade! O König aller Könige! Ich habe den Ring gestohlen, um den Juden zu verderben. Ich wußte nicht, daß er mit Propheten Umgang hat, die ihm mein Verbrechen verrathen werden!" In grenzenlosen Zorn brach der Schah aus, in seinen Augen blitzte und^funkelte es wild auf. „Ergreift den Hund und fesselt ihn!" befahl er den bewaffneten Männer. — „Wo hast Du den Ring, Hund?" „Hier in meiner Tasche. Unbemerkt wollte ich ihn in das Haus meines Feindes legen, wenn wir dort vorgedrungen wären. Aber Allah ist groß, Mordochai ist der Günstling der Propheten." „Führet ihn hinweg, den elenden Tiger!" — befahl der Schah. Er selber aber begab sich in das Haus. Die Gesellschaft erhob sich ehrbietig beim Anblick des Herrschers. „Allah ist groß!" — sagte der Schah, als ihm die Bedeutung dieses Abends erklärt wurde. — „Deine Religion hat Dich vor stcherm Tod gerettet und mir erspart unschuldiges Blut zu vergießen. Doch wer ist der schöne Jüngling dort?" — er wies auf Chasdai — „doch nicht Dein Sohn?" „Nein, großmächtiger Schah, einen Sohn hat mir lGott nicht gegeben" — sagte Mordochai. —

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