Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 29 (8.4.1895)
- Date
- 1895-04-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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566 wtld; überall schauerliche Abgründe und nackte Felsen, und nur weiterhin erblickte das Auge ein fruchtbares Thal, in dessen Hintergründe herrliche Wälder sichtbar wurden. Doch auch hier war die gesuchte Farm noch nicht; über alle Beschreibung schlechte Wege, wie sie nur von afrikanischen Boers zu überwinden waren, sollten sie noch weiter führen. Das Thal erweiterte und verengte sich nochmals, ja die Felsen traten drohend so nah aneinander, daß die Wagen ihren Weg im Bette des Stromes, der freilich jetzt nur ein murmelnder Bach war, selbst nehmen mußten. Endlich, nach fünf Tagen gelangten sie auf den Rücken einer hohen Gebirgskette, von der sie das ganze zu ihren Füßen liegende Thal sehen konnten. Steile, dürre Gebirge, die sich im Hintergründe zum Theil in scharfe kegelförmige hohe, jetzt mit Schnee bedeckte Spitzen erheben, umgaben auf allen Seiten ein freundliches, grünes Thalbecken, welches von einem kleinen Flusse durchschlängelt ward. Seine Länge mochte eine Meile betragen, seine Breite wechselte zwischen einer viertel und halben Meile, Mimosenhaine und grüne Wiesen, auf denen Herden wohlgepflegter Rinder weideten, bedeckten es. Hier stand die Farm, die Annh suchte, hier sollte der wohnen, der ihrem Vater seinen guten Namen wiedergeben konnte. Als der Zug sich dem Hauptgebäude der Farm näherte, sprang ein Rudel großer Wolfshunde den sich Nähernden mit lautem Gekläff entgegen. Eine tiefe Baßstimme rief sie jedoch zurück und jetzt erschien an dem Thore eine Hünengestalt, welche mit Staunen die Näherkommenden ansah. Es geschieht so selten, daß Fremde auf die Farm kommen, daß uns dies Staunen nicht wundern darf. Einige hundert Schritte vor dem Hause machte der Zug halt und Mr. Hawkins schickte einen Burschen ab und ließ fragen, ob der Herr der Farm zu sprechen sei. Der Bursche kam mit der Botschaft zurück, daß der Herr der Farm nicht anwesend sei, und daß während der Abwesenheit deffelben keine Fremden das Haus betreten dürften. „Auch gut," sagte Mr. Hawkins, „so machen wir es uns hier bequem," und er gab Befehl, daß die Zelte zum Lager aufgestellt wurden. Von der Farm aus sah man dem Treiben der Fremden mit Besorgnis zu. Man machte alles zur Verthetdigung bereit und war auf einen Angriff während der Nacht gefaßt. Anny war so müde und abgespannt, daß sie theilnahmlos für alles war. Sie legte sich auf ihr Feldbett und schlief rasch ein. Wirre Träume jedoch störten ihren Schlaf und ächzend und stöhnend warf sie sich umher. Die schwarze Dienerin, die sie zur eigenen Bedienung mitgenommen hatte, und die vor dem Zeltraum Annys schlief, mußte mehrmals während der Nacht aufstehen und nach ihrer Herrin sehen, so laut stöhnte und ächzte diese. Am folgenden Tage war Anny so matt, daß sie sich nicht erheben konnte. Sie fieberte stark und machte ganz den Eindruck einer Kranken; sie war so apathisch, daß Mr. Hawkins befürchtete, sie könnte das Fieber bekommen. Auch diesen Fall hatte er vorgesehen und sich darauf eingerichtet. Aus seiner Reiseapotheke nahm er eine Dosis Chinin und gab sie Anny, worauf sich der Zustand etwas besserte. Gegen Mittag ging er selbst zur Farm und bat um ein Unterkommen für eine kranke Dame. Nach langem Ueberreden gelang es ihm den Hüter des Hauses zu bewegen, daß er Anny und ihre Dienerin ins Haus nahm. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraeltt" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedeSmal in mindestens zwei Vogen. Preis bei Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 18 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Sr« Buchhandel M beziehe« bei <. $. Klrtnackrr, Leipzig, Drßplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterretchische Banknoten laut EourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «nd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. Ssterr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Et»e SttitksendnnO Von an die Redactton eingesandten Manuseripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Copic zurückzubchalten. Inhalt (zpauprotaNF: Leitender Artikel: Hagadah schel Peßach. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Würzburg. Schrimm. Posen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. — Feuilleton: Rur eine Tochter. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Feuilleton: Der Ring Nadris oder Eine Sedernacht in Teheran. Von Max Sta. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisie. Gratis Beilage: Illustration: I. Epstein. In drei Zügen matt. Verantwortliche Redaktion: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierz« drei Beilage«.