Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 29 (8.4.1895)
- Date
- 1895-04-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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565 ihrem hochherzigen Begründer wiederum Mk. 50V, als Legat des fel. Herrn I. Jeffel Mk. 1000 und von Herrn M. Stamm eine Spende von Mk. 50 zu, wodurch sich der Betrag der Stiftung auf M. 12050 erhöht hat. Die Einnahmen betrugen 34678 M-, die bis auf einen Casienbestand von 2451 M. verausgabt wurden Wie«. Das Curatortum der Baron Hirsch-Stiftung hat in seiner am 27. v. abgehaltenen Plenarsitzung zum Vice- Präsidenten den Curator Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann gewählt. In derselben Sitzung beschloß das Curatorium unter Anderm auf Antrag seines Präsidenten, Herrn David Ritter v. Gutmann, zu Beginn des nächsten Schuljahres zehn neue Volksschulen an Orten, wo das Bedürfniß hiefür am dringendsten, zu creiren. New-Dork. Das Montefiore Haus für chronische Kranke beabsichtigt die Errichtung eines Lrndasyls für Schwindsüchtige in den ersten Stadien der Krankheit. Die Herren M- G. Blomingdale und Jakob Schiff haben je 100000 Mark für diesen Zweck beigesteuert, und der kürzliche veranstaltete Ball hat einen Ueberschuß von rund 50000 Mark ergeben, so daß die Direktion ernstlich an die Durchführung ihres Planes gehen kann. $ t U i II C t 0 «. 4^5 Uur eine Tochter. K» Erzählung von H. Berger. 31.) (Me Rechte Vorbehalten. Es war am i 3. Juni als Anny und Hawktns die Reise nach dem Innern antraten. Die südliche Erdhälfte hat um diese Zeit ihren Winter, daher waren die Nächte kalt, die Tage glichen unseren Septembertag-n. Holländische Colonisten beförderten fie mit Lastwagen. Vor jedem Wagen waren zehn bis zwölf Ochsen gespannt, die von Schwarzen geführt wurden. Die Wagen selbst waren dem bergigen und unebenen Lande angemessen, an Straßen war nicht zu denken. Eine ausgespannte Decke schützte die Reisenden vor Sonne und Regen, die Ochsen waren paarweise zusammengekoppelt und durch ein starkes Tau mit dem Wagen verbunden, auf dessen Vorderthetle der Treiber mit einer Peitsche von ungeheurer Länge saß. Ein junger Hottentott lief dem Gespanne voraus und führte das erste Ochsenpaar an einem, an die Hörner desselben befestigten starken Riemen. Noch gegen Abend des ersten Tages erreichten sie einen merkwürdigen Salzsee, dessen ganzer Rand, sowie ein großer Theil seiner Oberfläche mit einer dicken Salzrinde bedeckt war. Sie nahmen sich etwas davon mit und setzten ihre Reise durch die Wildnis des Gebüsches fort, welches die Ufer dieses Sees umgtebt. Die Dämmerung brach herein und man machte auf einem offenen Platze des Gebüsches halt. Die Führer machten nun auf etwaige Ueberfälle von Löwen und Elephanten aufmerksam und trafen deshalb Vorkehrungen. Feuer wurden angezündet, die langen Flinten vom Wagen herabgenommen und bereit gelegt, die Ochsen aber zu größerer Sicherheit mit den Hörnern an die Wagenräder befestigt. Nun erst setzte man sich zum Abendessen, das Annh für sich selbst zubereitete. Es bestand aus einer Tasse Thee, einigen Eiern und etwas Zwieback, wovon man genügend mitgenommen hatte. Nun zündeten die Führer ihre großen Tabakspfeifen an, während die Schwarzen und Hottentotten, um ein großes Wachtfeuer gelagert, stch in ihrer Weise vergnügten. Wunderbar klangen die fremden Sprachen vor Annys Ohren, während ein pfiffiger Buschmann jedes Glied der Gesellschaft aufs Sprechendste nachzuäffen verstand. Doch die Nacht rückte heran; Anny und Hawkins zogen stch in ihre Zelte zurück, die Pfeifen der Boers verlöschten, sie selbst hüllten stch in ihre weiten Mäntel. Auch das schnalzende Geschwätz der Hottentotten und Buschmänner verstummte; unter dem schafledernen Caroß oder Mantel zusammengekrümmt, die Füße gegen das Feuer, das Gesicht zur Erde gewandt, lagen fie, den wilden Thieren nicht sonderlich unähnlich. Alles war still; der Mond beleuchtete die wilde Landschaft und nur aus der Ferne ließ stch das Geheul der Hyäne von Zeit zu Zeit vernehmen. So die erste, so jede der folgenden Nächte. Während einer ununterbrochenen Reihe von acht Tagen passtrten sie nach und nach mehrere nicht eben wasserreiche Flüsse. Waren ihre Ufer zu steil, dann mußten oft zwanzig bis vierundzwanztg Ochsen vor einen Wagen gespannt werden, und in der Nähe eines Berges wurden die Wege so steil und gefährlich, daß kein in Europa üblicher Wagen ausgehalten hätte. Der Anblick des Landes bot dem Auge bald dunkles Gestrüpp, bald reiche parkähnliche Landschaften, verschönt durch dunkle Massen Tannengrün; bald aber auch wieder trostlose Dürre wilder Gebirge oder ausgedörrten und verlassenen Flächen mit großen Ameisenhaufen und Herden wilder Ziegen. Antilopen eilten oft in weiten Fernen vorüber, dagegen war nur selten an einem mit Werden besetzten Bache das einsame Landhaus eines Boers oder Viehzüchters zu sehen. Am 21. Juni erreichten sie eine Mtlitärstation an einem großen Flusse. Seit zwölf Tagen hatten sie kein Haus betreten, ja kaum zehn bis zwölf gesehen. Noch waren einige Meilen bis zur Farm des von Anny gesuchten Mannes zurückzulegen; daher verweilten sie einige Tage, um stch von den Beschwerden der Reise zu erholen. Am 23. Juni verließen sie die Station unter Begleitung einiger wohlbewaffneter Boers, die sie gegen Ueberfälle von Kaffern schützen sollten. Der Weg blieb fahrbar bis zu dem Thale eines Nebenflusses des großen Flusses. Die ganze Gegend war furchtbar