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Der Israelit · 1895-04-08 · Heft 29 (8.4.1895) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 29 (8.4.1895)
Date
1895-04-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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564 kretärstelle bei dem Kgl. Landratsamt Hierselbst, hat stets streng nat? gehalten und war bei seinen Vorgesetzten, die während dieser Zeit 4 mal wechselten, ein beliebter, geschätzter Beamter. Auch der gegenwärtige Herr Landrat sieht Herrn Dienstag nur ungern aus seinem Amte scheiden. Aus der Provinz Posen: Bekanntlich werden von Palästina aus unzählige Briefe nach dem Ausland verschickt. Dieselben rühren theilweise von Privatleuten, theilweise von Anstalten her und verfolgen den Zweck, zur Wohlthätigkeit aufzufordern. Diese Briefe sind meist hebräisch, zuweilen hebräisch und deutsch geschrieben. Abgesehen davon, daß viele Empfänger der hebr. Sprache Nicht mächtig und die hebräisch geschriebenen Briefe in solchen Fällen zwecklos sind, sind solche auch deshalb von großem Nachtheile, weil dieselben häufig D’piDS und dergl. enthalten und sohin aufbewahrt werden müßten. Nur von wenigen Personen durfte dies aber beachtet werden, die betr. Briefe werden vernichtet. Es wäre daher dringend rathsam, daß die Briefschreiber im heiligen Lande dies beherzigen und künftighin nur deutsch geschriebene Briefe versenden. Auch bei den ru&n Karten sollten die häufig angewendeten O'pwv künftighin unterbleiben *vDr6 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 2. April. Bei der gestrigen Wahl zum Gemeinderath erlangten die Antisemiten einen unerwartet großen Sieg. Der Gemeinderath der Stadt setzt sich laut dem seit 1891 bestehenden Statut aus 138 Mitgliedern zusammen, die aus den 3 Wahlkörpern entsendet werden, welche in den einzelnen Bezirken je 2, 3 bis 7 Mandate besitzen. Bis jetzt bestand der Gemeinderath aus 92 Mitgliedern der liberalen Fraktion und 46 Antisemiten, welches Verhältnis durch die letzten Donnerstag vollzogene Wahl aus dem dritten Wahlkörper des 2. Bezirkes dahin verschoben wurde, daß der Gewählte sich den Antisemiten zugesellte, welche demnach 47 Mandate innehaben. Der gestrige Wahltag aus dem zweiten Wahlkörper, welcher die intelligentere Bevölkerung umfaßt und der bei d:r vor 4 Jahren stattgehabten Wahl 7 Antisemiten zum Siege verhalf, erbrachte diesmal deren 17 Mandate, so daß, falls der 1. Wahlkörper sich nicht sehr tapfer halten sollte*), die antisemitische Fraktion auf 64 Mitglieder gegen 74 Liberale sich beläuft! Was diese Anzahl bedeutet, liegt klar auf der Hand. Die Antisemiten sind dann in der Lage, den von ihnen so heiß begehrten Sitz im Präsidium für einen ihrer Genoffen zu verlangen und auch zu erhalten, zumal von der Majorität einige Unzufriedene dem antisemitischen Candidaten ohneweiters ihre Stimme geben werden. Da unter dem solcherart zusammengesetzten Präsidium ein einträchtiges Wirken absolut unthunlich ist, so ist zu befürchten, daß der Bürgermeister sowie der zweite Bicebürgermeister ihre Ehrenstellen niederlegen *) Auch im l. Wahlkörper siegten die Antisemiten. Red. werden. Hier herrscht darob in jüdischen Kreisen die denkbarste Verwirrung und die sonst gut redigirte „Oest. Wochenschrift" empfiehlt in ihrer momentanen Kopflosigkeit sogar den Juden zur Socialdemocratie überzugehen. Wenn schon im Laufe der letzten Zeit der Gemeinderath nur Sitzungen abhielt, die alles nur nicht diesen Namen verdienen, wie wird sich das Bild von [tmn ab gestalten, da es eigentlich gar kcine Majorität mehr gibt? Vermischtes. Frankfurt a. M. Der Einladungsschrift zu der den 6. 7. und 13. April 1895 stattfindenden öffentlichen Prüfung der Israelitischen Religionsschule zu Frankfurt a. M. entnehmen wir: An allen Anstalten, wo der Religionsunterricht in unsren Händen liegt, entwickelte sich derselbe immer mehr nach dem Ziele, das wir in Aussicht genommen hatten. Das Lehrerkollegium besteht außer dem Direktor, Rabbiner Dr. Horovitz, aus den Herren Dr. Grünbaum, Schwab, Unna, Fromm, Stamm, Feilchenfeld und Kellermann, und den Damen Fräulein Schüler und Fräulein Fontheim. Im Beth-Hamidrasch lehrten wie seither die Herren Jacob S. Posen, Dr. Grünbaum und Unna neben dem Direktor. Mit Genugthuung erfüllt es uns, daß die Befürchtung» als ob die Erlheilung des Unterrichts in jüdischer Geschichte, Literatur und Religionslehre an den öffentlichen Schulen den Besuch des hebräischen Unterrichts in den Anstalten HermeSweg und Unterlindau beeinträchtigen konnte, sich als unbegründet erwiesen hat. Im Gegentheil haben wir erfreuliche Beispiele, daß der von unS geleitete Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen Kinder angeregt hat, auch an dem hebräischen Unterricht theilzunehmen. So haben die einzelnen Zweige der Religionsschule nach innen und außen einander gekräftigt, indem durch ihr Zusammenwirken e ne bessere Bertheilung des Lehrstoffes erreicht wurde und die Schülerzahl ansehnlich gewachsen ist. In dem Berichtsjahre wurden im Ganzen 444 Schüler (gegen 393 im Jahre 1893/94) unterrichtet. Auch in diesem Jahre haben wir wieder eine Reihe von Geschenken zu verzeichnen, die uns für die verschiedenen Zweige unserer Wirksamkeit zu Theil wurden. Außerdem hatte sich unsere neue Synagoge in der Unterlindau einer Anzahl von Zuwendungen von Gegenständen für den Gebrauch beim Gottesdienst zu erfreuen. So spendeten Herr und Frau Loewenihal anläßlich der Verheiratung ihrer Tochter Amalie mit Herrn Ludwig Seckel aus London einen prachtvollen kompleten Thoraschmuck, weitere Geschenke kamen uns von Herrn Dr. med. Beuario, Frau B. Roßbach und Frau Max Jonas zu. Vermittelst der Spenden einer Anzahl von Synagogenbesuchern und Freunden konnte ferner ein reichgestickter Thoravorhang aus dem Jahre 1861 angekauft werden. Ein besonders schönes Geschenk, bestehend in einem gestickten seidenen Trauhimmel, wurde. Dank den freundlichen Bemühungen des Herrn Consul Adolf Baer-Goldschmidt, von einer ungenannten Gönnerrn für unsere Synagoge in der Unterlindau gestiftet. Ein nennenswerter Vermögenszuwachs wurde unserer Anstalt durch die Herren Feist Joseph und Raphael M. Kirchheim, als Administratoren der Traubschen Synagoge, zu Theil. Aus den angesammelten Beständen dieser Synagoge wurden uns nämlich M. 1200 4°/<> Bayer. Obligationen, Fl. 300 österreich. Silberrente, St. 1 Cöln Mindener Loos und Mk. 445,98 baar übergeben, mit der Bedingung, so lange die Traub'sche Synagoge besteht, derselben ein Lokal zur Abhaltung des Gottesdienstes zur Verfügung zu stellen. Der Borbereitungsschule für den rabbinischen Berus gingen seit dem letzten Bericht von

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