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Der Israelit · 1895-04-08 · Heft 29 (8.4.1895) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 29 (8.4.1895)
Date
1895-04-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Unser nti Gebet, welches in erster Reihe daS lrniw pro feiert und unseres yrot nur im Anschluß an dasjenige der Väter gedenkt, kann daher das Gedächtniß der Väter nicht bester beleben als durch die bloße Benennung unseres Festes als niston jn. Daß wir dieses Mazzoth-Fest noch feiern wie es die Väter feierten, daß wir das Brod der Armuth essen wie es die Väter aßen, und daß wir mit dem Brod der Väter auch den Geist und die Gesinnung der Väter in uns ausgenommen, das giebt unS den Muth zu der Bitte: id 'n 'n mit nTö? Gedenke unser an ihm zum Guten! -id inpBi bedenke uns an ihm zum Segen, d’td id '.jjrnni und hilf uns an ihm zum Leben! „Zum Guten!" Welcher ergreifenden Wahrheit geben doch diese Worte Ausdruck und wie hat sie sich in das ganze Denken und Fühlen ihrer Beter so tief hineingelebt, daß sie zur stehenden Redensart im täglichen Leben und Verkehren geworden ist. Von ihr durchdrungen gedenkt der jüdische Mensch alles was er erhofft und ersehnt, alles was er besitzt und ihn erfreut, „zu Gutem." Er zählt „zu Gutem" seine Lebensjahre, er steht „zu Gutem" seine Kinder aufblühen, er gedenkt jeden Plan, jedes Vorhaben „zu Gutem" auszuführen, er sieht jeder Zeit und ihren Geschehnissen „zu Gutem" entgegen. Ob sie wohl eine Ahnung davon haben, diejenigen, welche uns als Krämerseelen verleumden und uns den Schachergeist andichten, daß der Jude erst für die gute Verwendung id *n *n iroT und dann erst um den Segen selbst bittet, nmai» uD-jpei daß er für diese gute Verwendung des Segens, Gottes unablässiges Gedenk m, uren, für den Segen selbst aber nur das zeitweilige göttliche Bedachtwerden unpöi erfleht, daß er den Segen Gottes überhaupt nicht erbittet, um zu besitzen, um zu genießen, sondern um Edles und Gutes damit thun zu können, „zum Guten?!" Nicht der Besitz, die edle Verwendung des Besitzes zum Guten, macht ihm den Segen erst zum Segen. Er erbittet den Segen des Himmels, um mit der Gewährung dieser Bitte selber zum Segen seiner Umgebung, kurz, wie der himmlische Spender tddi td zu werden. Ohne diese Möglichkeit macht der Segen stolz und der Besitz hart, und das Leben verliert seinen Reiz. Während der landläufigen Anschauung Leben, Genießen und Genießen derart Leben heißt, daß wir einen Mann, der alle Genüsse gekostet eine Lebe-Mann nennen, läßt uns der heilige Gottesgeist, den unsere Gebete athmen, erst um das Leben n uy’iwni bitten, nachdem wir für die gute Verwendung seiner Segensgüter Gottes Gedenken angeru.en haben! L.benswir doch in einer Zeit, deren Gescheht niste nachdrücklicher als je darauf Hinweisen, wie die reichste Fülle zum Schlechten führt, wenn nicht von dieser Anschauung durchdrungene Besitzer darüber schalten und walten. Sie glauben in dem bloßen Besitz und Genuß das Glück des Lebens gewinnen zu können; sie erlisten, erraffen Geld und Ehre, steigen von Stufe zu Stufe, täuschen eine ganze Welt durch ihren geflissentlich zur Schau getragenen äußeren Glanz, wecken den Neid ihrer Umgebung durch die Macht ihres Einflusses und in ihrer socialen Stellung blicken sie von ihrer Höhe verächtlich auf alle edle Regungen des re'n Göttlichen und Menschlichen hernieder — und enden mit einer Kugel durch den Kopf! Ein flüchtiger Blick auf die irdischen Segensgüter lehrt doch, daß sie vielfach ihren Besitzern nicht zum Segen gereichen. Sie sollten von Gott gereichte Mittel sein, um nun mit doppelter und dreifacher Hingebung den göttlichen Willen zu erfüllen, unh gerade sie sind es, welche von dieser Pflichtthat abztehen und zu unzähligen Versuchungen führen, denen nur wenige Widerstand leisten. Unser sittliches „Soll" leidet oft und am empfindlichsten durch unser materielles „Haben." Sinnig deutet die Weisheit der Weisen die ersten Worte des Priestersegens ■pari *n *p-i:r: Es segne dich Gott und behüte dich: pp^n p poon •pna». Es segne dich Gott mit Vermögen und er hüte dich vor allen schädlichen Einflüssen, die diesem Segen anhaften. In dem Besitz von Vermögen erblicken viele den Dispens von dem Gesetze Gottes und er gereicht ihnen dadurch zum Unheil. Die reiche Segensfülle ist für den damit Bedachten eine ebenso schwere Prüfung, wie für den Armen sein Mangel. Die glücklichen Besitzenden vergessen leicht die Gefahr, den dieser ihr Segen in sich birgt. Deshalb erinnert unser nti r^p'-Gebet daran zuerst hdidS dann erst und zuletzt erst D"rf> von Gott zu erbitte». Füglich ist es jedoch nicht dieser materielle Segen, der uns wirklich und für die Dauer hilft. Wenn irgend eine Institution, so ist es das Fest der Mazzoth, seine Geschichte, welches uns die alte Wahrheit einprägt, daß der Mensch nicht vom Brode allein, daß er von allem lebt, was Gottes Mund entströmt. Dieses Gotteswort, welches uns das Gesetz unseres Lebens offenbart, bringt uns die wahre Hilfe und das Erbarmen Gottes, dessen wir trotz der glänzendsten Geschickeslage nicht entrathen können. Das ist das D'orrn njnte” iDi durch dessen gewissenhafte Erfüllung wir allein der göttlichen Berücksichtigung und Seines Erbarmens würdig befunden werden. In ihm ausschließlich liegt unsere ganze Hilfe, ohne

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