Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 29 (8.4.1895)
- Date
- 1895-04-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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560 obwohl uns Gott stete, liebende Fürsorge durch jeden Athemzug verbrieft und deßhalb ganz gewiß ujrot ist, in den trüben Phasen unseres Geschickes vergeffen und verlassen vor. und hoffen dah-r mit uanps in den schweren und auferlegten Schicksalslagen um Gottes Eingreifen zur freundlichen Gestaltung unseres Geschickes. Diese Erwägungen haben jedoch in der jüdischen Brust Nur Raum, so lange sie dem heißen Kampf ums Dasein während der Wochentage ausgesetzt ist. Wie sie dem Sabbatgeiste weichen, haben wir aus dem ns>Gebcte ersehen; wie die gehobene Feststimmung, jeden Neumonds und jeden Feiertags sie überwindet, das spricht sich in dem um mp'-Gebet aus. Der Lichtgrnß, den die am Nachthimmel aufs neue erstandene Mondsichel bringt, das Gedächtniß der Wunderwaltung Gottes, welches jedes unserer Feste aufs neue belebt, ringt sich mit der zuversichtlichen Ueberzeugung aus dem bewegten Herzen über die betenden Lippen: nty’ Unser Gedenken und Bedachtwerden, das Gedächtniß Jerscholajims und der Gesammtheit Israels in der Gegenwart, so sehr es in der öffentlichen Meinung gesunken, so tief es auch im Kurse stehen möge, es wird steigen, und vor Dich o Gott gelangend Es handelt sich ja nicht um etwas, waS nur den beschränkten Kreis einer Religion der Eonfession angeht, es reicht hinan yn zu den höchsten fernsten Zeiten, auf welche der weitschauende Blick Gottes gerichtet ist nxvi. — Wenn irgend etwas so darf das Gedächtniß dieser Momente auf das Wohlgefallen Gottes und auf die Förderung rechnen, die von diesem Wohlgefallen unzertrennlich ist ,-isn'i. Und wenn die ganze Welt das Berständniß für die Hochziele, denen dieses Gedächtniß gilt, verloren oder nie besessen hätte, von Dir wird es begriffen und deshalb ist jeder Moment, jede einzelne Phase unseres Geschickes so von Dir bedacht ipL'i wie es in allen seinen Seiten als der die große Welt und Menschheit umspannende Plan von Dir gedacht ist nam; denn auch wir mit unserer Persönlichkeit und unserem ganzen Geschick umpEii uror sind nichts als die lebendigen in die Gegenwart reichenden Glieder jener großen Kette, welche aus der Vergangenheit das Gedächtniß der Väter mit dem lltzten fernsten Zukunftsideal unserer messianischcn Hoffnungen verbindet. Angesichts des unerschütterlichen Bewußtseins zu dcn von Gott Gedachten und Bedachten zu zählen, vcr'.ieit alles Leid und Weh seinen Stachel. Wenn mit dem Gedächtniß der Väter und unserer höchsten heiligen Anliegen wir selber steigen, und dahin gelangen unter Gottes Blick sein Wohlgefallen zu erringen, dann führt die Nacht zum Tage, der Tod zum Leben, die Knechtschaft zur Freiheit, dann ruft uns selbst aus dem widrigsten Geschicke alles nv'^ d't6 D’Dmb»! iDnVi )nb zur Rettung, zum Guten, zur Gewährung, zur Liebe, zum Erbarmen, zum Leben und Frieden. Und gar m'3 mn mstan an an diesem Tag unseres Mazzoth- Festes! In diesen Weihestunden, die für das Gedächtniß unserer Befreiung und Erwählung, unserer Errettung und Erhaltung gestiftet sind, erscheinen wir ja selber als die Zeugen, dessen was unser Mund von der über uns waltenden Wundernacht GotteS jubelnd verkündet! Es liegt eine tief begründete Etgenthümlichkett in der Art und Weise der Benennung des Festes unserer Freiheit, auf welche der Verfasser deS 'D »ii, n»np aufmerksam macht. Während es in der Thora und in unseren Gebeten nmn an das Mazzoth-Fest genannt wird, heißt es im Munde des Volkes nosn an das Peßach - Fest. Es heißt das Mazzoth-Fest mit Rücksicht auf den Umstand, daß unseren Vätern der Auszug auS Mtzrajtm sich so rasch und plötzlich vollzog, daß sie nicht einmal ihren Teig gähren laffen konnten und mit ungegohrenem Brod und ohne jede sonstige Wegzehrung den Zug in die Wüste antraten. Die Mazzah in unseren Händen lehrt uns noch heute das rückhaltlose Gottvertrauen unserer Väter, wie dies Rascht anmerkt zu den Worten (II. B. M. Cap. XII. V. 39): ina» yjd :Dnb wy *b ms on? ms wf?a nsj “jN'H nn« brn«" bv •piyj Ion ’mzsr ninpa ttniBDff mn ,oSn iroxn no /.nyni ab pwa “QiD3 nrw TmVta rorw .'ci 'N^ KHp?mn» «nieo „Auch Nahrung hatten sie sich nicht bereitet". Das verkündet Israels Lob, daß sie nicht sagten: wie können wir in die Wüste ziehen, ohne Nahrung? Sie vertrauten vielmehr und gingen, das ist's was in der prophetischen Ueberlteferung ausgesprochen ist: Ich gedenke dir die Hingebung deiner Jugend, die Liebe deines Brautstandes, daß du mir nachfolgtest in die Wüste, den unbesäeten Boden. Welcher Lohn wurde dafür sofort ausgesprochen? Das Heiltgthum Gottes ist Israel u. s. w. (Jeremia II.) Peßach heißt unser Fest, weil Gottes Vaterliebeschonend, schützend, rettend über Israels Häupter in der Mitternachtstunde der Befretungsnacht htnzog, als der Tod in derselben Stunde in den Häusern der Egypter die Blüthe des Volkes hinraffte. Peßach verkündet somit Gottes Preis, während Mazzah denjenigen Israels aussprtcht. Wenn daher unsere göttlichen Urkunden und unsere vom Gottesgeist durchhauchten Gebete unseres Festes gedenken, so nennen sie es mit dem Namen, der Israel feiert mnn an. Nennen wir es, so nennen wir es mit der Bezeichnung die Gottes Lob verkündet nvv.