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Der Israelit · 1895-04-04 · Heft 27-28 (4.4.1895) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 27-28 (4.4.1895)
Date
1895-04-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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m 540 baS Recht erhalten, die wichtigste aller Lehrstunden zu ertheUen, nicht aber Männer, deren ganze Kraft sich einzig in frivolem Spott und zersetzender Krittlet äußert und das unschuldige Kindesgemüth mit ihren glaubensschwachen Zweifeln und ihrer armseligen Nörgelsucht seines Jugendzaubers berauben und vergiften. Ferner ist zu verlangen, daß der jüdische Religionsunterricht die Stundenzahl erhalte, die er zu beanspruchen berechtigt ist, wenn er seine Aufgabe auch nur annährend lösen soll. Mit einer oder zwei Stunden wöchentlichen Unterrichts, kann sich ein jüdischer Religionsunterricht nicht ablohnen lasten. Ist er doch kein bloßer Catechismusunterricht mit Memorirstoff und Merksprüchen. Hat er sich doch sein Ziel viel, viel höher gesteckt. Will er doch die Kenntniß all unserer Glaubensgesetze, die innige Vertrautheit mit Israels Literatur und Geschichte, mit seiner Sprache und ihren Schöpfungen, kurz eine Vorbereitung für das jüdische Leben mit seinen Pflichten und Freuden, mit feinen Mühen und Feiern ermöglichen. Für heute wollen wir mit Vorschlägen, die ins einzelne gehen, zurückhalten. Es genügt uns die allgemeinen Gesichtspunkte bet Beurtheilung der Frage betont zu haben. Gewiß, so schmerzlich die geschilderten Vorgänge find, ebenso lehrreich sind sie. Bilden nicht all die traurigen Erscheinungen unserer Zeit die lebendigste Illustration zu dem alten Talmudworte, daß Haman, der Judenfeind, seine Weisen fragen läßt, wann er dem Volke der Juden, das er für unüberwindlich hielt, erfolgreich beikommen könne. Wenn die Stimme des Gotteswortes in den Schulen verhallt ist, wenn der Kindermund nicht mehr begetsterungsfreudtg Gottes Lob kündet, wenn aus der Judenmitte die Kunde und Kenntniß des ThoragesetzeS geschwunden, dann hast du leichtes Spiel mit den Juden, dann brauchst du sie nicht erst zu vernichten, dann sind sie schon vernichtet." Wohl unS, wenn endlich die Erkenntniß unter uns durchdringt, daß die religiöse Zerfahrenheit und Zerrüttung lediglich aus Unkenntniß des Judenthums und 1 einer Lehre entstanden ist. Wenn wir die tiefe Wahrheit und den reichen Trost in dem jesajantschen Prophetenwort begreifen lernen: *”J3 Dftff 311 'n HlO’b "p3 bi Sind alle deine Kinder Jünger des Herrn, dann ist Fülle des Friedens deinen Kindern. Bemerkung: Um unliebsamen Mißverständniffen vorzubeugen, wollen wir noch einmal daran erinnern, daß nicht das Auerbach'sche Waisenhaus, sondern des der jüd. Gemeinde, also die sogen. Reichenhetm'sche Waisenanstalt ihre Zöglinge zwingt den Sabbat durch Arbeit zu entweihen und ihnen verwehrt die heiligsten Religionspflichten zu erfüllen. Demnach ist in der Correspondenz aus Hamburg vom 21. März, die sich auf unfern Artikel beruft, mißverständlich das Aueibach'sche Waisenhaus, statt die Reichenhetm'sche Anstalt genannt worden. 36. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen Deutschland Berlin, 31. März. Heute tagte die Generalversammlung des „Esra", Vereins zur Unterstützung der ackerbautreibenden Juden in Palästina und Syrien, die von allen Theilen Deutschland durch Delegirte zahlreich besucht war. Der Vorsitzende Herr Dorn ertheilte den Bericht über das verflossene Jahr und hob hervor, daß trotz des allgemeinen Druckes, der auf den ökonomischen Verhältnisse unserer Glaubensgenossen laste, es doch gelungen sei die Mitgliederzahl zu vermehren, die jetzt 2124 betrage. Auch die Einnahme des Vereins sind auf rund 8500 Mark gestiegen, vor allem aber war dieselbe in der Lage über die aus zweijähriger Thätigkeit angesammelten Geldern eine den Zielen des Vereins entsprechende Verfügung zu treffen. Für die kleine Colonie Mauza sind M. 500, ferner für eine Colonie, die den Namen „Esra" führen wird und in der Nähe von Rechavoth liegt, Fr. 10,000 und für eine größere Ansiedelung auf dem Terrain Kastinich Fr. 7500 bewilligt. Die beiden zuletzt erwähnten Ansiedelungen sind neue gegründete Dörfer in Palästina, die nur durch das Zusammenarbeiten aller Vereine mit gleicher Tendenz angelegt werden konnten. Der Bericht wurde ohne Debatte genehmigt und ebenso auf Antrag des Revisors dem Kassirer Decharge ertheilt. Bei den statutenmäßigen Wahlen wurden in das Central-Komitee die Herren S. Brilles, I. Gutmann, Dr. M. Oppenheimer, I. Friedmann wieder und die Herren W. Bambus und Dr. Richard Löwe neu gewählt. Zur Entlastung des Central-Komitees wurde endlich noch eine Agitationskommission orgauisirt, deren Aufgabe eine außerordentlich intensive Thätigkeit zur Ausbreitung des Vereins sein soll, damit derselbe eine seiner hohen Ziele und den großen Bedürfnissen, die an ihn herantreten, entsprechende Zahl von Mitgliedern und höhere Beiträge gewinnen. Allseitig wurde in der Debatte betont, wie rapide in den letzten 3 Jahren der Verein gewachsen sei und wie durch die einzig dastehenden Erfolge der bestehenden Kolonien der Gedanke der Ansiedlung russischer Juden in Palästina in den weitesten Kreisen populär geworden ist. Deshalb ist auch die Hoffnung berechtigt, daß das Wachsthum des „Esra" in erhöhtem Maße auch in Zukunft anhalten werde. Auch wir können dem so wohlthätig wirkenden Vereine nur die weiteste Ausdehnung wünschen. Jlferrbrrrg, 1. Aptil. Gestern beging das Jlfenburger Kupferwerk Aron Hirsch & Sohn das fünfzigjährige Arbeiterjudiläum des WalzmeisterS Carl Spormann, des dritten Arbeiters dieses Werkes, welcher in den letzten fünf Jahren ein solches Fest feiern konnte. Nachdem am Morgen der Jubilar von den Chefs des Hauses und den Betriebsleitern des Werkes begrüßt und mit einem Ehrengeschenk bedacht worden war, versammelten sich am Nachmittag die mehr

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