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Der Israelit · 1895-04-04 · Heft 27-28 (4.4.1895) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 27-28 (4.4.1895)
Date
1895-04-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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541 als 120 Arbeiter des Werkes mit den Leitern desselben im Beisein deS Königlichen Landraths Herrn v. Hertzberg, der Vertreter des Fürstlich Stolberg'schen Hüttenamts, der Jlsenburger Gemeindevorstände, der Halberstädter Chefs und ihrer ^Damen sowie de« gesammten Komptoirpersonals zu einem Festmahl. Dasselbe wurde mit einem Kaiserhoch eröffnet, das, vom Herrn Landrath ausgebracht, begeisterten Widerhall fand, und stehend sangen die Versammelten die Nationalhymne. Hierauf verlas der Herr Landrath die Kaiserliche Kabinetsorde, laut welcher dem Jubilar das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen wurde, welches der Herr Landrath Namens der Königlichen Staatsregierung selbst an der Brust de- Ausgezeichneten befestigte. Eng mit dem eigentlichen Zweck des Festes ward die Begehung des^ Geburtstages deS Altreichskanzlers verbunden. Der älteste der anwesenden Chefs, Herr Aron Hirsch, betonte in seiner Begrüßungsrede, daß das Fest neben dem Arbeiterjubilar in der Hauptsache dem Fürsten BiSmark mitgrwidmet sei, der das deutsche Reich gehämmert und geschmiedet habe. Im schön geschmückten Saal des Hotel „Lindenhof" prangte die Büste des Fürsten, umgeben von denen der drei deutschen Kaiser, und das donnernde Hoch, in welches die zündende Rede des Hern Jchenhäuser auSklang und welchem sich das Lied „Deutschland, Deutschland über Alles" anschloß, legte Zeugnitz ab von der verehrenden Liebe und Dankbarkeit, welche die Anwesenden dem achtzigjährigen Kanzler zollen. Ein an den Fürsten in Friedrichsruh von der Tafel des „Lindenhofs" abgesandteS Telegramm hatte folgenden Wortlaut: Seiner Durchlaucht Fürst Bismarck, Herzog von Lauenburg Friedrichsruh. Die zur fünfzigjährigen Jubelfeier eines Werkmeisters versammelten 120 Arbeiter des KupferwerkS Jlfenburg a/H. gestatten sich nebst deren Chefs Eurer Durchlaucht zu dem morgigen Ehrentage ein begeistertes dreifaches Hurrah auszubringen. Kupferwerk Jlfenburg am Harz Aron Hirsch & Sohn. Viele Toaste der Werkinhaber, der Vertreter des Fürstlichen Hüttenamts, der OrtSvorsteher u A. auf den Jubilar und die Arbeiterschaft, auf das Weiterblühen des Werkes, auf Se. Durchlaucht den Fürsten von Stolberg-Wernigerode und auf den Herrn Landrath, sowie einige Festlieder würzten das Mahl. Darauf erhob sich der Herr Landrath und legte dar, wie er hei dieser Feier kennen gelernt habe, wie das Verhältnitz zwischen Arbeitgebern und -Nehmern zu allseitigem Bortheil und zum Wohle des Vaterlandes sein müffe und sein solle, denn in dem guten Einvernehmen Beider erblickte Redner einen wichtigen Faktor, mit welchem die Königliche Staatsregierung zu rechnen habe. Seinen guten Wünschen gebe er beredtesten Ausdruck in der Aufforderung, auf das Blühen, Wachsen und Gedeihen der Firma Aron Hirsch u. Sohn ein dreifaches Hoch auszubringen. In später Abendstunde erst wurde die Festtafel nach Absingung des Chorliedes „Nun, danket alle Gott" aufgehoben und verließ der Herr Landrath mit den übrigen Gästen den Saal. Vertreter der Firma, die gesummten Arbeiter mit ihren Frauen und Töchtern harrten jedoch bis zum frühen Morgen aus und vergnügten sich bei Tanz, Gesang und Trank, nachdem ihnen vorher die Miltheilung geworden war, daß die Arbeit auf dem Werke zu Ehren des Altreichskanzler- Geburtstages heute während des ganzen Tages nicht ausgenommen werden solle. Ein solches Fest, das den denkbar günstigen Eindruck bei allen Teilnehmern hervorrief, hinterläßt bei beiden Theilen dauernde, angenehme Nachklänge schöner Erinnerung. Gchrimm, 28. März. Geehrter Herr Rebacteur! Ich erlaube mir hiermit Ihre Aufmerksamkeit auf einen Gedenktag zu richten, der in diesem Monat stattfindet und drssen Träger es verdienen dürfte, daß das gesammte Judenthum ihn als solchen begehe. Es find in diesem Monat 100 Jahre, seitdem Rabbi Hirsch Kalischer aus Thorn das Licht der Welt erblickte. Was dieser Mann dem Judenthum gewesen, das dürfte namentlich den älteren Männern unseres Volkes kaum unbekannt sein und wer das Vergnügen hatte, ihn persönlich kennen zu lernen, dem imponirte seine Erscheinung und namentlich seine durchgeistigten Züge, obwohl er ein kleines schwächliches Männchen war. Seine Werke v'nnv ,m»* nno« n«m minn by ,njn rm v«n rms by rorun u. A. nt., hasten ihm in der Gelehrtenwelt ein bleibendes Andenken bewahrt. Er war der Vorkämpfer für die (Kolonisation Palästinas, hat vor 30 Jahren, lange ehe der Antisemitismus austrat und ehe die Juden gezwungen wurden, durch die russtsche Ausweisung stch ein anderes Land zu suchen, schon alles daran gesetzt, um eine Colonie in Palästina zu gründen, hat selbst dort ein Stück Land und den Firman vom Sultan zur Errichtung einer Colonie erworben und mit Recht nennt ihn Paul Dimidof in seiner Schrift den Propheten, der ungehört s. Z. verlangt hat, daß die Juden in Palästina stch anfiedeln möchten und der im Voraus erkannt hat, daß dies die einzige Rettung für fie sei. Als die „Alliance israelite" die Ackerbauschüle in Jaffa errichtete und einen Rabbiner für dieselbe suchte, hat er den Schreiber dieses ersucht, bei derselben zu erwirken, daß ihm die Stelle übertragen werde, damit er in pviK leben könne, obwohl er damals schon nahezu 80 Jahre alt war. Er war es auch, der den russtschen und polnischen Juden hülfreiche Hand bot in allen ihren Begebnissen, der mit allen Großen in Europa Eorrespondevzen unterhielt zur Verbefferung der Lage der Juden, der den verschiedenen Conferevzen betteffs der westrussischen Juden beiwohnte, und der in Rußland einen solch geachteten Namen hatte, daß alle in seinem Todesjahre geborenen Kinder mit seinem Namen benannt wurden. In kurzen Umriffen erlaubte ich mir ein Bild des Mannes zu entwerfen, und bemerke, daß Thorn, in welcher Stadt er ohne Entgelt jahrelang die ranm ausübte, am rav die Gedächtnißfeier für ihn begehen wird. R. Wenn es der Raum unseres Blattes gestattet, werden wir eine ausführliche Lebensbeschreibung dieses bedeutenden Mannes in einer späteren Nummer bringen. Red.

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