Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 27-28 (4.4.1895)
- Date
- 1895-04-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448559-2448587--40529-2489446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WWWMW 53S Wie ist doch in Wahrheit der Sabbat eine große einzig dastehende Institution! Zu Kaiser Nero sagte einst ein jüdischer Weiser, wie uns der Midrasch erzählt: „Unser Moses, obwohl er schon seit vielen Jahrhunderten nicht mehr lebt, hat heute noch eine größere Macht, als der mächtigste Kaiser während seiner Regierung." „Wie willst Du das beweisen?" fragte erstaunt der mächtige Kaiser. „Würdest Du Dich getrauen," entgegnete der jüdische Weise, „zu befehlen, daß keine Seele in Deinem Reiche volle 24 Stunden ein Licht anzünden dürfe, und hättest Du die Ueberzeugung, daß man ausnahmslos Deinem Befehle Nachkommen werde?" „Nein," erwiederte der Kaiser, „auf die ausnahmslose Erfüllung eines solchen Befehles könnte ich nicht zählen." „Aber uns", bemerkte darauf der Weise, „hat unser großer Lehrer vor tausenden von Jahren befohlen, allwöchentlich mehr als 24 Stunden kein Licht anzuzünden und wir befolgen noch heute alle diesen Befehl." Freilich war es nicht Moses, Gott ist es, der den Sabbat gesegnet und geheiligt hat und der uns mit dieser seiner Sabbat-Institution, wie durch keine andere zur Heiligkeit erzieht. Ist Heiligkeit die kampflose Bereitwilligkeit den eigenen Willen. Vorthetl und Interesse, dem höheren göttlichen Willen unterzuordnen, wo gäbe es dann eine lautere, feierlichere Bekundtgung aufrichtiger Lebensheiligkeit als der Vorzicht und das Opfer, welche der Subbat allwöchentlich von seinen Bekennern fordert! Hand in Hand mit dieser Heiligkeit geht aber auch der Segen, mit dem Gott seinen Sabbat auSgestattet hat. Er bekundet sich nicht nur in der äußeren, materiellen Fülle, in dem „Ecbe ohne Grenzen", die den Verehrern des Sabbat verbrieft ist, sondern noch mehr in der inneren, heiteren, zufriedenen Seelenstimmung, die der Sabbat als Angebinde allen reicht, die ihn als Hetltglhum Gottes ehren und lieben. Im Hinblick auf d ese dem Sabbat eigenthümliche Seite haben wir an Gott nur die Bitte, daß sein Wohlwollen uns vor der Verblendung bewahre, weiche ihr Glück in der ruhe- und rastlosen Entweihung des Sabbat erblickt. *h 'n rron -jjiro. Lasse uns in deinem Wohlwollen die Ruhe finden, zu welche uns der Sabbat verpflichtet: Haben wir durch Einstellung unserer Werkthätigkeit dasjenige gethan, was unsere äußere Ruhe bedingt, so brauchen wir für die innere nicht zu sorgen. Dann dürfen wir vertrauensvoll zu Gott mit der Zuversicht emporblicken, unnuD dyq ms »nn vbv, daß kein Leid unS trifft, das unsere Seelenruhe trübe. Seine ganze Wundergröße bewährt der Sabbat aber erst, wenn uns wohl ein Leid an ihm begegnet, dasselbe aber kein Weh und keinen Kummer — zu* — in den vom Sabbatgeiste erfüllten Herzen aufkommen läßt. Der Sabbat ist stärker als alles Weh und Leid der Erde. Er richtet den um einen geliebten Tobten zu Boden Gesunkenen von der Erde auf, und flüsterte ihm zu: an Sabbat giebtS keine Trauer. Er tritt ans Krankenbett und entbietet dem Stechen seinen Sabbatgruß: piyr^v N’n nar „Sabbat ist's, man darf nicht klagen, die Genesung wird bald kommen, feiert nur den Sabbat in FriedenSelbst wenn der Schmerz im Busen wühlte, der Sabbat hat die Kraft ihn zu verwinden, ihn zu unterdrücken, daß er sich nicht einmal durch einen Seufzer — nruNi — veräth und so den Sabbatgeist verscheuchte, der schützend, schirmend und segnend allen Leidenden und Gedrückten liebend — nanNa — umfängt, bis sie ihr Weh vergessen. Angesichts dieses Wunders, daS sich allsabbatltch an ungezählten Tausenden vollzieht, verliert das Wunder, welches der jüdische Volkskörper für seine höchsten Ideale erhofft, sein Wunderbares. Jeder Sabbat erscheint auf diese Weise «an oiny i'pv als Wiederschein der künftigen Welt, in der es kein Leid und Weh mehr gtebt. Wenn der Eintritt des Sabbat genügt um für jeden Einzelnen ms Drum aus seinem Kreise zu bannen, wie mag uns dieser Tag erst die Zuversicht für die einstige Beseitigung unseres großen nattonalen Wehs neu beleben, und uns vertrauensvoll bitten lassen: umm -j*n? Ty D^nnT paai "py \vv norm Vn „Laß uns schauen den Trost Zijons und den Wiederaufbau Jeruscholajims demer heiligen Stadt!" Während wir an Wochentagen Gott um sein liebendes Erbarmen für Israel und seine zerstörten nationalen Heiligthümer b ittev, setzt unser Sadbatgebet die Erbauung und Gewährung dieser Bitte voraus, und hat nur den Wunsch, daß eS uns vergönnt sein möge diese Verwirklichung zu erleben und sie mit eigenen Augen zu schauen. Wie leicht Gott helfen, und selbst wenn er nicht Hilst, wie leicht er uns in r.nserer Htlflogstkeit trösten kann, deß ist jeder Sabbat mit der Erfahrung unseres eigenen Lebens Zeuge. So tausendfältig auch die Roth, so vielfach auch der Jammer sein mag, so manigfach ist auch die Hilfe und der Trost, den Gott allein zu gewähren vermag tya «in nn« '2 moron bym myism. (Fortsetzung folgt.)