Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 27-28 (4.4.1895)
- Date
- 1895-04-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1 532 fol. 39.) noch eine fünfte Deutung, indem er wbnn mit 'ZNi d. h. Anspornen wiedergibt. Die Mizwoth, die Gott zahlreich wie die Tage deS JabreS und wie die Glieder unseres Körpers mit unserem Leben verwoben hat, haben in der That zu allernächst die Kraft alles Beengende, Trübe und Herabstimmende von unS ab zu st reifen, wie man den Schuh vom Fuße streift. Sind ste der einzige, eigentliche Zweck unseres ganzen Daseins, so find die Sorgen und Bitterniffe des Lebens und ihre Ueberwtndung mit Nichten unser erstes, dringliches Anliegen, während andere von dieser Roth überwältigt werden und ihre ganze Kraft für ihre Bekämpfung einsetzen. Ist dies bei allen Mizwoth der Fall, so tritt diese Eigenthümlichkeit ganz besonders beim Sabbat — rnrrvn bi na» rfcipitf N»nr — zu Tage. Der Kampf umS Dasein, der die Kämpfer früh und spät rastlos in die Arena jagt, der auch von dem Juden den vollen Einsatz seiner materiellen und geistigen Kraft verlangt, mit dem Sabbat hat er aufgehört. Mit den Wochenkleidern haben wir auch die Sorgen der Wochentage abgestreift, wir lasten die kämpfende Hand finken, schließen unsere Geschäfte, versagen uns jeden Erwerb und freuen uns der Ruhe und des SabbatftiedenS, als ob ihm nie ein Kampf voraugegangen, als ob ihm nie einer folgen werde. Unsere Mizwoth im allgemeinen und unsere Sabbatfeier insbesondere find die geistige« Athemzüge, welche den jüdischen Menschen mit neuer Kraft w a f f n e n und ihn gegen alle Unbilden des heißen Kampfer feien, die auf ihn wuchtiger, als aus alle andere einstürmen. Mit diesen Waffen, die ihm sein Sabbat ausgerüstet, stürzt er sich nach zurückgelegtem Sabbat in das Getümmel der Woche, aber nicht ohne den Gottessegen in Saugesworte zu kleiden: nvn^ ’myasK *t ibVöh „der meine Hände den Kamps, meine Finger den Krieg lehrt." Der Sabbat ist ihm der rettende Talisman, der ihm auch im Kampfe der Woche treu bleibt, der ihn nicht versinken läßt in den Pfuhl eines gewistenlosen Ausbeuterthums, der ihm die Sorge aus dem Herzen nimmt, den Schweiß aus dem Antlitz trocknet und die Furche auf der Stirne glättet, der die Tage der Woche mit allem Herben und Trüben nur als Uebergang von einem Sabbath zum anderen begreifen und ihn mit heiterer Zuverficht der Zeit entgegenharren läßt, der ganz Sabbat sein wird. Und diese trostvolle Ueberzeugung giebt dem sabbatfeiernden Juden die heitere Ruhe, mitten in dem ihn umtosenden heißen Kampf, die sonst nirgends gefunden wird. Er ist ihm die beglückende Braut, die kostbare Perle, die Quelle alles Segens, den er von seinem wochentägigen Ringen und Schaffen erhofft und er klammert sich deshalb um so inniger an dieses Gotteshetligthum, je mehr stch die Schaaren derjenigen lichten, die treu zu ihm stehen. Er weiß, je höher er den Sabbat hält, desto höher hält ihn der Sabbat über dem niederen Getriebe einer sich in Mühen und Sorgen aufreibenden Welt und er lernt daher an dem Sabbat den hohen unvergleichlichen Werth alles dessen schätzen, was uns Gottes heiliger Wille zur Hut hingestellt hat. Das ist die anspornende Kraft des Sabbat, welcher mehr als alle anderen Mtzwoth die Fähigkeit innewohnt, uns von allen Verirrungen zu heilen, uns für alles Gute und Wahre uns immer nachhaltiger zu gewinnen und zu erhalten. Vor dieser geistigen Regsamkeit, dieser rückhaltlosen Hingebung, die den ganzen jüdischen Menschen mit Gut und Blut in den Dienst seines Schöpfers stellt, verfliegt alles Leid und Weh; nicht nur das körperliche, sondern selbst das seelische, das unseren höchsten, universellen Anliegen gilt. Wenn wir z. B. in dem „vnn-Gebet" Jerusalems, Zijons und des davtdischen Königthums mit der sehnsüchtigen Bitte um Gottes Erbarmen gedenken, so gipfelt diese Sehnsucht in der Bitte um den Wiederaufbau des zerstörten Gottesheiligthums. Es überragt mit seiner Opferstätte, in welche Gott dienende Menschen hintraten, um ihre ganze Persönlichkeit, Leben und Besitz, Blut und Gut symbolisch Gott zu Füßen zu legen, es überragt mit dieser Hingebung alle irdischen Größen und alle menschlichen Heiltgthümer. Es ist deßhalb ron -joff topp tfHpr» „das große und heilige Haus, über welchem der Name Gottes zum Ausdruck gelangt." Gewiß nicht umsonst werden in unserem nsn* Gebete dem Sabbath dieselben beiden Attribute zweimal hintereinander beigelegt nat^n y'im nv Nin itmpi nt nv »a ntn »npm um uns den Gedanken nahezulegen: Wie der Tempel das Gottesheiligthum im Raum, so ist der Sabbat daS Gotteshetligthum der Zeit. Der Sabbat ist der Hochaltar, aus dem wir allwöchentlich unser ganzes Leben und Genießen nicht nur symbolisch, sondern thatsächlich huldigend Gott zu Füßen legen, um verklärt und vergeistigt nach Verlauf des Sabbat die Güter des Lebens wieder füc den Kampf der Woche aus Gottes Vaterhand neu hinzunehmen. Der Tempelaltar Zijons mag in Trümmer liegen, dieser Altar steht groß und heilig da, und keine Menschenmacht hat Gewalt über ihn. Von seiner, alles Hohe überragenden Größe, von seiner alle menschlichen Heiligthums-Jnstitutionen überragenden Heiligkeit, fällt ein verklärender Strahl auf alle, welche sich ihm nahen, um Gott den Zoll ihrer Huldigung darzubringen.