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Der Israelit · 1895-04-01 · Heft 26 (1.4.1895) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 26 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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525 schreitungen unserer Presse zu bekämpfen. Darauf wurde mir nachstehende Antwort des Verewigten zu Thkit. Es ist mir ein Herzensbedürfniß dieselbe zur Vermehrung der Lorbeeren, welche Bekenner aller Confessionen und der verschiedensten Parteien dem großen Patrioten und Religionsstreiter gewidmet, zu veröffentlichen und zur allgemeinen Nachahmung innigst zu euipfehlen. — Alst, 20. Mai 91. Ew. Wohlgeboren danke ich verbindlichst für Ihr sehr freundliches Schreiben und für Ihre Betheiligung an meinem Befinden, welches sich Gott Dank in letzter Zeit erheblich gebessert hat; doch verlangen die Aerzte meine Schonung, ein Verlangen, dem ich mich ungern und nur halb füge. Ich begreife Ihren Schmerz bei den Vorkommnissen in Rußland, aber die Macht Ihrer nationalen Verbindungen scheint sich doch zu regen. Die Presse aller Länder nimmt sich Ihrer an, während dieselbe, als die Katholiken in Rußland viel schwerer <? des Eins.) mißhandelt wurden und werden kein Wort darüber verlor und auch heute die entsetzlichen Greuel, welche an den Katholiken in China verübt wurden, kaum erwähnt. Und wie ging es uns während des Kulturkampfs bei den zahlreichen Ausweisungen, Jnterimsklagen ic. an Tausenden des deutschen Vaterlandes? Statt Unterstützung oder nur Mitleiden fanden wir nur Hohn und was uns heilig und ehrwürdig war, wie wurde es und wird es noch heute in den Koth gezogen. Ich habe daraus um so mehr gelernt die religiöse Ueberzeugung Andersdenkender zu achten und darf sagen, daß ich dieselbe niemals in Wort und Schrift, auch nicht in Gedanken verletzt habe. Daß Sie selbst die gleiche Gesinnung hegen, sagt 'mir Ihr Brief und begrüße das mit Freuden. Von Herzen Ihnen volle baldige Herstellung wünschend, verbleibe ich Hochachtungsvoll Ihr ergebener Dr. Frhr. v. Scho r leurer-Al st. Italien. Mailand, am 22. März. Heute wurde der Senator Advocat Salvatore Ottolenghi, der im thatenreichen Alter von 65 Jahren verstorben ist, zur letzten Ruhe bestattet. Es war ein Leichenbegängniß, wie es höchst selten gesehen wird. Der Dahingeschtedene, welcher auf den verschiedensten Gebieten der allgemeinen Wohlfahrt emsig thätig war, wurde in den höchsten wie in den niedrigsten Kreisen der Bevölkerung hochgeachtet und verehrt. Im Jahre 1891 durch das Vertrauen des Königs in den Senat berufen, widmete er seine Kräfte besonders den wichtigsten Fragen für das Wohl der arbeitenden Klaffe. Für diese vorzüglich gründete oder leitete er Vereine, wie er auch allen Humanitären Einrichtungen und Zielen seinen Beistand lieh. Die Regierung, das Land, die Stadt, die Gemeinde und viele Vereine waren im Leichenbegängnisse vertreten. Mitglieder des Senats und des Parlaments waren in großer Anzahl erschienen. Alle wollten Zeugniß dafür ablegen, daß Salvatore Ottolenghi zu den Großen zu zählen ist und —? fügen wir hinzu — dem Jndenthume zur unvergänglichen Zierde für alle Zeiten bleiben wird. vermischtes. Dem Lissaer Hilfsverein zu Berlin sind durch landesherrliche Bestätigung die Rechte einer juristischen Person verliehen worden, demzufolge fand in der am 5. März d. I. ab gehaltenen 27. ordentlichen General-Versammlung die Constituirung des Vorstandes auf Grund des neuen Statuts statt. Zum Vorsitzenden wurde gewählt Herr Herm. See galt, zum Schatzmeister Herr I. Metz, zum Schriftführer Herr Max Kann. Nach dem Bericht des Vorsitzenden gab der Verein im verflossenen Jahre Nt. 5789 — für Unterstützungen aus und zwar: schenkungsweise M- 3609 an 30 Personen, Kranke, Wittwen, Altersschwache, sowie '.zur Berheirathung armer Mädchen und gewährte außerdem M. 2180 zinsfreie Darlehen zur Aufhilfe im Gewerbe und an Studirende, ferner wurden aus der Theodor Bernhardt Stiftung, sowie aus der Auguste Cohn, geb. Mendel Stiftung die Zinsen nach Maßgabe der Stiftungsvorschriften vertheilt. Der eiserne Fonds des Vereins beträgt M- 33,000, der Stiftungs-Fonds M. 1,700 — die Zinsen dieser Fonds und die Beiträge der Mitglieder reichten zu den Werken der Liebe, wie sie hier beziffert find, nicht aus, und hat der Verein es wesentlich den außerordentlichen Zuwendungen zu danken, wenn er in diesem Jahre auf dem Gebiete der Wohlthatigkeit mehr leisten konnte als in den früheren Jahren. Wir mochten den aus Lissa stammenden Mitbürgern im Interesse der guten Sache aufs Wärmste empfehlen, sich dieser Vereinigung von Wohlthätern anzuschließen und sich auch bei freudigen und andern Veranlassungen ihrer in Berlin darbenden Landsleute zu erinnern, indem sie bei festlichen Gelegenheiten dem Verein auch ferner Zuwendungen machen. Dieser Verein, der durch sein 27jährigeS Bestehen die Existenzberechtigung dokumenirt hat und dem durch die landesherrliche Genehmigung dieselbe von allerhöchster Stelle bestätigt worden ist, bildet die erste und oft einzige Zuflucht in der Großstadt verlassener, würdiger und bedürftiger L'ssaer, wohin sich diese Armen um so vertrauensvoller wenden, weil die Unterstützungen in der zartesten und dircretesten Form gegeben werden. Anmeldungen zum Beitritt sind an den Vorsitzenden Herrn Herm. A. Seegall, Siegmundshof 16 Berlin zu richten, der jährliche Mindestbeitrag beträgt Mk. 10. Die immerwährende Mitgliedschaft kann durch einmalige Zahlung von mindestens Mk. 300 erworben werden. K. Bayreuth, 25. Febr. Wie Gerüchte über einen „Ritual- Mord" entstehen können, davon gab die heutige Landgerichts- Verhandlung ein recht drastisches Beispiel. Ende August v. Js. verbreitete sich in Burgkundstadt und Umgebung das Gerücht, der isr. Kaufmann Bernhard Markus von Burgkundstadt habe den 11jährigen Knaben Hans Pettrich in seinen Laden gelockt, ihn dann in den Keller mitgenommen, an den Beinen aufgehängt und ihm den Mund verstopft. Als Markus dem Jungen den HalS abschneiden wollte, sei der Knabe wie durch ein Wunder von einem Dritten gerettet worden. Bernhard Markus wurde auf diese Sage hin gemieden, ja sein Geschäft litt ganz bedenklich darunter; er gab sich alle erdenkliche Mühe, den Verbreiter dieses infamen Gerüchtes zu entdecken und bat die Gendarmerie, ihm behilflich zu sein. Diese führte den Hans Pettrich in die Wohnung des Markus, damit er zeige, wo die That sich abgespielt habe. Der Knabe konnte dies aber nicht; nun gestand er zu, seiner Großmutter, der Wittwe Magarethe

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