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Der Israelit · 1895-04-01 · Heft 26 (1.4.1895) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 26 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SIS Karlsruhe, 20. März. Man übersendet uns nachfolgende Berichtigung: Im Aufträge des Gr. Oberraths der Israeliten lassen wir Ihnen nachstehende Berichtigung zum Abdruck in der nächsten Nummer JhrcS Blattes nach Maßgabe des §. 11 des Paßgesetzes zugehen: J) Als im Jahre 1869 eine Anzahl orthodoxer Mitglieder der isr. Gemeinde Karlsruhe wegen der daselbst geplanten gottesdienstlichen Rt formen ihren Austritt aus dem Verbände der badischen Israeliten erklärt hatte, verfaßte Oberrath Altmann eine Ansprache, inhaltlich deren von einer solchen Absonderung öffentlich abgemahnt und an die Rabbiner, Bezirksältesten, Gemeindevorsteher, Lehrer, sowie überhaupt an alle Gutgesinnten die Aufforderung gerichtet wurde, für möglichste Verbreitung dieser Abmahnung zu sorgen. 2) Der bezügliche Erlaß des Gr. Oberraths erhielt schließlich diejenige Fassung, in welcher er unter dem Datum vom 24. Februar 1870 namens desPlenum der Behörde veröffentlicht worden ist. Mit dieser Fassung hat sich Oberrath Altmann noch besonders einverstanden erklärt. 3) Oberrath Altmann hat das Rundschreiben dom 4. März 1870 verfaßt und unterzeichnet, mit Welchem die fragliche Ansprache den B.zirkssynagogen und Synagogenräthen behufs möglichster Verbreitung unter den Israeliten Badens nrtgethellt und den Rabbinern gegenüber noch besonders die Erwartung ausgesprochen worden ist, daß sie bei sich bietender Gelegenheit die Ansprache zum Gegenstand öffentlicher Belehrung und Beleuchtung machen werden. 4) Die Angabe in der der Synode zugegangenen Denkschrift, daß Oberrath Allmann pflichtgemäß von einer Absonderung, wie sie in der israel. Gemeinde Karlsruhe vorgekommen ist, öffentlich abgemahnt hat, ist daher richtig, wenngleich die Druckexemplare der fraglichen Ansprache nur die Unterschrift des Vorsitzenden des Gr. Overraths trugen. 5) Davon, daß Oberrach Altmann mit seiner Demission gedroht Hube, falls ihm die Unterzetch nung der Ansprache zugemuthet würde, ist dem Gr. Oberrath nichts bekannt, wie denn auch Elfterer während seiner weiteren vierjährigen Wirksamkeit im Gr. Oberrathe gegen dessen Stellungnahme in fraglicher Angelegenheit in keiner Weise aufgetreten ist. Sekretariat Gr. Oberraths der Israeliten. Ein stet n. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Mie», 25. März. In seltner geistiger und körperlicher Frische feierte heute die Präsidentin im Vorstande des israelitischen Taubstummen-Jnstttuts' Frau Julie Schlesinger, eine ebenso wohltätige als kunstsinnige Dame, ihren 80. Geburtstag. Aus diesem Anlässe fanden sich in der Wohnung der Greisin unter den Gratulanten Reichsgerichts- Präsident Dr. Unger mit Gemahlin, das Künstlerpaar Olga und Joseph Lewinsky, Baronin Königswarter, Baronin Todesco, Baronin Oppenheimer, zahlreiche Deputationen, darunter der Gesammtvorstand des Taubstummen-Justitutes unter Führung des Präses Hildburghäusser, der israelitischen Cultusgemeinde unter Führung des Oberrabbiners Dr. Güdemann, und viele Andere ein. Außerdem erhielt die Jubilarin Hunderte von telegraphischen und schriftlichen Glückwünschen. Rußland Petersburg Mitte März. Es courstrt in Petersburg eine bedeutsame Aeuhernng, die der russische Ackerbau- und Domänenminister, Geheimrath Jermolow, kürzlich gethan haben soll. Auf dem in der russischen Hauptstadt gegenwärtig tagenden LandwirthschaftScongresse, dem Geheimrath Jermolow präsidirte, soll ein Mitglied des Congresses, ein Gutsbesitzer auS Saratow, den Vorschlag gemacht haben, Juden von jedweder Theilnahme an der Vermittlung beim Kaufe und Verkaufe von landwirtschaftlichen Producten auszuschlietze'. Jermolow soll diesen Vorschlag mit folgenden Worten parirt haben: „Seit Jahren wird bei uns in Rußland die Annäherung der Intelligenz an das Volk gepredigt; seit Jahren wird uns die Seelenrernheit der russischen Bauern vorgehalten, und doch wähnen wir, der Bauer müffe anders werden, um uns als Muster gelten zu können. Eines unterliegt jedoch kein m Zweifel: in der Frage der Behandlung der Juden muß der Bauer der Intelligenz als Beispiel dienen; der Bauer kennt den Antisemitismus nicht, für ihn gibt es weder Juden noch Christen, er sieht überall den Menschen. Es ist gewiß wünschenSwerth, jedes schädliche Element aus drm landwirthschaftlichen Leben des Reiches zu entfernen, aber es liegen keine Gründe vor, dieses schädliche Element gerade in den Juden zu erblicken." Diese Aeußerung charakterifirt die gegenwärtige Lage der Juden in Rußland am trefflichsten. Nicht daß die Politik der russischen Regierung in Bezug auf die Juden unter Nicolaus II. eine andere geworden wäre; aber man hat aufgehört, die Juden um jeden Preis als schädliches Element zu betrachten. Und darin liegt vorderhand die Besserung der Lage der Juden, welche seit der Thronbesteigung Ricolaus' II. eingetreten ist, und diese Besserung äußert sich bereits in vielen Thatsachen, welche verzeichnet zu werden verdienen. In erster Reihe stehen die Verordnungen des Ackerbauministeriums betreffend die jüdischen Ackerbaucolonien und die aus dem Militärverbande entlassenen jüdischen Soldaten, welche in voriger Woche verlautbart worden sind. Wenn Geheimrath Jermolow sagte, „es liegen keine Gründe vor, gerade in den Juden ein schädliches Element zu erblicken", so ist dieses G ständniß doppelt werthvoll, weil es aus dem Munde eines Mannes kommt, der das ökonomische Leben Rußlands durch und durch kennt, der in zahlreichen werthvollen Werken diese Kenntnitz glänzend zum Ausdrucke brachte. Die verrosteten Werkzeuge aus der Rumpelkammer der Verleumder der jüdischen Ackerbaucolonien in Ruvland versagten angesichts der genauen Sachkenntniß Jermolow's ihre Wirkung völlig, so daß die von den notorischen Ver-

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