Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 26 (1.4.1895)
- Date
- 1895-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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516 WMWWWWW und dem des Tempelheiligthums auf seinen Erbauer den König Schelomo zurückgeführt. Die Form der Berachah, die ste heute in unserem Tischgebet hat, ist im Laufe der Jahre den veränderten Zeitverhältniffen entsprechend modificirt worden. Während die beiden ersten Berachoth uns wohl noch in der Form erhalten sind, die ihnen Moscheh und Josua ursprünglich gegeben haben, ist dies bei der nun folgenden o’tevv rua nma nicht der Fall. (Es wird dies zum Ueberfluß auch in den bereits angeführten Worten Rab Nachman's (Berachoth 49) bestätigt. Während es dort von den beiden ersten Berachoth heißt: p'n rwo onjpTi Min» .pn or6 tv» nyteo pn jriDin iDJDjr pa pwn nD13 wird der Antyeil David's und Schelomo's an N^12 rona durch die Worte ausgedrückt: p’n in, o^rn» n^2 upn nn^i -in n'2n ip'n no*?tcn ,-p'y D^nT b\n py by .(«Pipm b)iin py epbwi' byi py *>y 't* 'i am „Erbarme Dich Gott, unser Gott, über Israel dein Volk und über Jeruscholajim deine Stadt, über Zijon, die Stätte Deiner Herrlichkeit, über das Königthum des Hauses David, Deines Gesalbten, und über das große und heilige Haus, über welches dein Name genannt ist! Unser Gott, unser Vater, weide uns, speise uns, ernähre uns, versorge uns, gteb uns Raum, und gieb uns Weite von allem, was uns beengt! O laß uns nicht bedürfen, Gott unser Gott, weder einer Gabe aus Händen von Fleisch und Blut, noch ihrer Darlehen, sondern Deiner Hand, der vollen, offenen, heiligen und wetten, damit wir nicht beschämt und nicht zu Schande werden für immer und ewig." Nichts ist in höherem Grade geeignet unseren sinnlichen Genuß, die Aufnahme von Speise und Trank zur Erhaltung und Fortsptnnung des eigenen Lebens mehr zu vergeistigen und zu verklären, als ihre Verknüpfung mit den höchsten, heiligen nationalen, die jüdische Gesammtheit umfaffenden Anliegen. Haben wir durch Ueberschätzung von Besitz und Genuß unsere nationale Selbstständigkeit, unser Land und unser Tlmpelheiligthum eingebüßt, so sühnen wir dieses Unrecht dadurch, daß wir seit Jahrtausenden uns keinen Genuß gestalten, uns von keinem Mahle gesättigt erheben, ohne dieser Ideale wehmüthig zu gedenken und um ihre Wiederherstellung zu bitten. Während der Gesättigte, sonst leicht geneigt ist die Noth des Einzelnen und gar der Gesammtheit zu vergessen, weckt hier die Befriedigung unseres Körpers die Bitte um das Erbarmen Gottes über Israel als Sein Volk. Indem wir aber gleichzeitig auch um Erbarmen für Jerusalem, Zijon, das davtdtschr Königthum und die heilige Tempelstätte bitten, sprechen wir damit den Gedanken, von der innigen Verbindung unseres Geschicks mit diesen nationalen Institutionen aus. So lange ste in Trümmer liegen, haben wir für Besserung unserer socialen Lage und unserer sittlichen Vollendung Gottes Erbarmen anzurufen. Aber trotz dieser des Gottes-Erbarmens bedürftigen Schicksalslage ist Israel — py — Dein Volk geblieben. Seine Zerstreuung, selbst seine Schwäch?, seine Hilflosigkeit und seine Erhaltung in allen sein Leben, seine Ehre, sein Dasein bedrohenden übermächtigen, feierlichen Einflüssen bekunden noch lauter und glänzender als seine einstige staatliche Selbstständigkeit, daß es Tein Volk auch heute noch ist. Ebenso ist Jerusalem wie oft auch belagert, erobert, zerstört und wiedererbaut, noch heute D et n e Stadt; David ist dein Gesalbter und wenn er auch seit Jahrtausenden nicht das KöntgSscepter führt, so bleibt er doch der König von Gottes Gnaden, der wie kein zweiter mit den Liedern seiner Harfe die Geister und Gemütherder ganzen, gesitteten Menschheit beherrscht. Ebenso ist Zijon trotz seiner Verwüstung derart der Sitz von Gottes Schechina geblieben, daß unserem Tischgebet das Gotteshaus in seinen Trümmern groß und heilig dasteht, weil Gottes Name noch heute darüber waltet. Von West und Ost, von Süd und Nord hängt das Hoffen und Sehnen, das Denken und Fühlen des über das Weltall zersprengten Gottesvolks an diesen Trümmern. Es ist zum m^n geworden, es ist die welthistorische Ruine, an welcher der Mund der durch alle Zetten und Zonen Zerstreuten hängt, deren Schutt und Geröll auf ihre Verehrer noch heute einen verbrüdernden Einfluß ausübt, mit dem sich keine Institution keines Bekenntnisses auf Gottes weiter Erde messen kann. Angesichts dieser wunderbaren Erhaltung Israels als Volk, im Hinblick auf dieses mächtige geistige Band, das uns an die geheiligten Glätten unserer Vergangenheit und Zukunft mit unserem ganzen Lebensgeschick knüpft, verlieren die Sorgen und Anliegen des Etnzelwohls ihren Stachel. Sie statten jedes von diesem täglich sich mantfesttrenden Weltwunder erfüllten Glied des Gottesvolkes mit der kindlichen Zuversicht aus, zu Gott wie das Kind zum Vater aafzubltcken und ihn bitten zu dürfen: uWo, udjid mir uyi irax 't«n: Unser Gott, unser Vater, weide uns! Wer wollte auch den mächtigen Hirten und seine väterliche Fürsorge für^die. Lämmerheerde leugnen, die unter 70 Wölfe