Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1895)
- Date
- 1895-03-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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509 Pensacola in Florida ereignet. Dort brannte der Tempel der jüdischen Gemeinde Bethel ab und noch während das Feuer wüthete, kamen der Geist« liche und 2 Vorsteher der presbyterianischen Kirche in derselben Stadt, um der jüdischen Gemeinde ihre Kirche anzubieten für den Gottesdienst am Sonnabend. Bei dem Feuer verbrannte auch die schöne Bibliothek und nur die Thorarollen gelang es, zu retten. — Bekanntlich besteht in Amerika ein National-Verein jüdischer Frauen. Der Zweig dieses Vereins in Cincinnati, dem mehr als 100 Frauen angehören, beschloß stch folgende Organisation zu geben: es werden Cirkel von 10—15 Frauen gebildet, die wöchentlich 2 Stunden Zusammenkommen. Von diesen 2 Stunden wird die eine dem Studium der Bibel, die andere der Berathung philantropischer Pläne gewidmet sein. Indien. (v) Bombay, im Februa. In der neuesten Zeit ist es nichts Seltenes mehr, daß jüd. Gelehrte aus Europa, die stch in ihrer Heimat keine Stellung und kein Brot verschaffen können, stch nach dem reichen und auch äußerst toleranten angloindischen Reiche wenden, wo sie es bald zu Ehren und Ansehen bringen. Unter Anderen will ich hier nur den Ungar, Dr. Lettner nennen, der Professor an der Pendjabe- Universttät war und der selbst in Indien, wo die Kenntntß des Arabischen, des Alt- und Neuperstschen und der verschiedenen indischen Idiome allgemein verbreitet ist, als ein vorzüglicher Orientalist galt. Bor Kurzem hat der Secretär der genannten Universität, ein deutscher Israelit, Namens Dr. Stein, den Katolog der Sanscrithandschrtften dieser Lehranstalt zusammengestellt und der Oeffentlich. kett übergeben, und wird diese Arbeit als eine vorzüglich gelungene geschildert. In mehreren Städten Indiens, so hier, dann in Calcutta, Mulmein, Mandalay re. gibt es heute nnan D»r, deren Mitglieder, die zumeist eingewan« derte arabische, persische oder polnisch-russtche Juden sind, stch gewönlich einige Male in der Woche, gewöhnlich am Montag und Donnerstag versammeln, um dem Talmudstudium obzultegen. Die dazu nöthigen Talmud-Exemplare werden gewöhnlich aus Calcutta oder direct aus Europa bezogen und ist es besonders der vom Hause Rom in Wilna edtrte Talmud, der stch in Indien großer Beliebhett erfreut. An der hiesigen Universttät studirt jetzt eine Israelitin, Frl. Benjamin, die medicinischen Wissenschaften und will stch nach Erlangung des Doctorats hier ansiedeln, um hier ihre Kunst — die orientalischen Frauen lassen sich ungerne von einem Manne behandeln — ausüben zu können. > Vermischtes. «*■ BibliS, 10. März. Heute — am Alurimfeste — haben wir eine brave Frau zur letzten Ruhestätte geleitet. Babette Hochschild, Frau des Herrn Maier Hochschild, hauchte TIN ihre reine Seele zu ihrem Schöpfer aus. Ein hartnäckiges Leiden fesselte dieselbe nahezu 10 Jahre an das Krankenbett. Jedoch ihre unentwegte Frömmigkeit, die sie auch stets in der Vollkraft ihres Lebens bethätigte, verlieh ihr die moralische Stärke das schwere^Körperleiden in Ergebenheit zu ertragen. Möchten dir trauerndenHinterbliebenenin der hingebungsvollen und unermüdlichen Pflege, die sie der Verstorbenen stets zu Theil werden ließen, Trost finden. n"32jn Berlin, am Schuschan-Purim. Anläßlich der in einer der letzten Reichstagssitzungen bekundeten Haltung gegen die Juden seitens der Agrarier, sei es mir gestattet, 30 Jahre zurückzugreifen und auf die Verdienste unseres Glaubensgenossen Jos. Jak. Flatau für den Hopsenbau in Preußen hinzuweisen: Die 24. Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe 1863 zu Königsberg in Preußen ernannte Flatau zu ihrem Präsidenten für die 8. Frage: Welche Mittel sind geeignet, den Hopfenbau in Preußen zu heben? Im Mai 1862 wurde Flatau von Sr. Excellenz dem Minister für landwirthschaftliche Angelegenheiten mit den Worten: „Sie haben den Bewohnern der Provinz Posen einen neuen Erwerbszweig gegründet," ein stlb. Ehrenpokal überreicht, worauf eingravirt war: „Die Bürgerschaft von N>>utomySl am 19. Mai 1864 ihrem Ehrenbürger Herrn Jos. Jak. Flatau in Berlin in dankbarer Anerkennung rastlosen, uneigennützigen, gesegneten Strebens für Förderung des Hopfenbaues." Die umfangreiche, landwirthschaftliche und wisienschaftliche Literatur, sowie amtliche Berichte nennen Flatau und die Resultate seiner Thätigkeit für Preußens Staat und Volk in Ehren als Autorität, die Zeitschrift des königl. preutz. statistischen Bureau zu Berlin Rr. 3, Dez. 1860 S. 82—84 und Nr. 10, October 1862 S. 244—248 bekunden seinen geschichtlichen Ruf. Flatau ist eS zu verdanken, daß Preußen ein Hopfen producirendes und exportirendeS Land geworden. Erwähnt fei noch, daß Herr Flatau wohlhabend und feine Thätigkeit nicht nur uneigennützig ausübte, sondern bei armen kleinen Landwirthen selbst mit Geldopfern bahnbrechend war, um günstige Resultate für Staat und Volk zu erzielen. Aus allen Gegenden des In- und Auslandes und selbst von Behörden wurden Rath und Gutachten über Hopfenbauangelegenheiten von diesem berühmten Manne eingeholt, und ist ihm unter anderm von dem landwirthschaftlichen Centralverein Ostpreußens, desgleichen von Westpreutzen, von der konigl. schwed. Akademie der Landwirthschaft zu Stockholm, von dem landwirthschaftlichen Verein zu Btttburg in Rheinpr., aus Belgien der ehrenvolle Ruf geworden, jene Gegenden wegen Einführung und Verbesserung des HopfenbaueS zu bereisen. Berlin, 18. März. Die Justizkommisston des Reichstages nahm § 61 der Novelle zur Srafprozeßordnung in folgender Fassung an: «Der Zeugeneid lautet» daß der Zeuge nach bestem Wissen und Gewissen die reine Wahrheit gesagt, nichts verschwiegen und nichts hinzugefügt hat." Ferner wurde 8 63 angenommen: „Der Eid wird mittelst Nachsprechens oder Ablesens der die EideSnorm enthaltenden Formel geleistet; bei gleichzeitiger Vereidigung mehrerer Zeugen hat der Richter die Eidesnorm mit der EingangSformel: „Sie schworen bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden" vorzusprechen." Bei § 65 betr. die Vereidigung der Zeugen im Vorverfahren wurde der bisherige Wortlaut vetbehalten.