Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1895)
- Date
- 1895-03-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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508 trag bloß für die beiderseitigen Staatsangehörigen gelte, daß aber Kirschen trotz des Umstandes, daß er außerhalb Rumäniens kein Vaterland besitzt, keinen Anspruch auf die rumänische Staatsangehörigkeit habe. Da fich die englische Regierung bet dieser ihrer Erklärung nur auf die in Rumänien selbst geltende Rechtsauffaffung stützt, so wird es dem hiestgen auswärtigen Amte nicht gut möglich sein, sein Auslteferungsverlangen aufrecht zu erhalten. Ls. Bukarest. Bekanntlich sind die rumänischen Juden außer anderen drückenden Vorschriften auch von dem Besuch der öffentlichen Volksschulen ausgeschloffen. Nun sollte ein neues Lehrbuch der rumänischen Sprache eingeführt werden — und eine Ironie in der That, es fand sich kein anderes brauchbares Buch, als eine von einem Juden verfaßte Grammatik. Der betreffende Gelehrte heißt Dr. Tiktin, aus Deutschland gebürtig, aber seit langem in Jassy wohnhaft. Rußland. Ls. Petersburg. Das hiesige Departement für Unterricht und geistliche Angelegenheiten fragte vor Kurzem beim Cultusmintster an, ob jüdische Schüler, welche ein Pro-Gymnasium oder eine Realschule beendigt haben, besondere Erlaubniß haben müffen in eine höhere Schule einzutreten, wenn diese nicht in dem-' selben Bezirke liegt, wo fie ihre bisherige Ausbildung genoffen haben. Wie Warschauer Blätter uun berichten, hat der Kultusminister diese an ihn gerichtete Frage dahin beantwortet, daß d e r jüdische Schüler ebensowenig an der Schule seines Bezirkes gebunden ist, wie der n i ch t j ü d i s ch e. Es steht vielmehr allen Schülern, ohne Unterschied der Confession, frei, jede ihnen beliebige höhere Schule des Reiches zu besuchen. — In Rischnij Nowgorod findet im Jahre 1896 eine Gewerbe-Ausstellung statt. Die jüdische Handwerksschule „Trud" in Odessa ist seitens des vorbereitenden Comites aufgefordert worden, die Ausstellung mit den Erzeugnissen der Lehrlinge zu beschicken. — Die jüdische Gemeinde in Zckaterinuslaw hatte sich vor einiger Zeit an den Minister des Innern mit einem Gesuche gewandt, die geschäftliche Leitung des dortigen jüdischen Krankenhauses der städtischen Behörde übergeben zu dürfen. Infolge dieses Gesuches ist nun der Magistrat vom Ministerium des Innern beauftragt worden zu berichten, ob ein derartiges Bedürfntß vorltegt und, ob nicht durch die Uebernahme der geschäftlichen Leitung des jüdischen Krankenhauses eine Störung in der Verwaltung der städtischen Geschäfte zu befürchten sei. — Aus einem soeben im Woschod erschienenen Bericht ist zu ersehen, welch' einen hervorragenden Antheil unsere Glaubensgenossen am kommerziellen Leben Rußlands nehmen. Im Jahre 1894 sind aus Ntkolajew 87 744 210 Pud Getreide in's Ausland exportirt worden, und davon haben jüdische Geschäfte allein die stattliche Zahl von 62 684 210 Pud aufzuweisen. Mit Recht bemerken die Nowoskt und auch andere Blätter: „Man mag über die Juden denken und urtheilen wie man will, eins aber müffen auch ihre Neider zugeben, sie sind bei uns für den Handel und besonders für das Exportgeschäft unentbehrlich." In Smolensk herrschte kürzlich unter den jüdischen Professtonisten eine fürchterliche Aufregung. Als sie nämlich, wie üblich, im Januar ihre Gewerbescheine erneuern wollten, wurde von ihnen verlangt, Zeugnisse einzureichen, daß sie vor ihrer Selbstständigkeit drei Jahre als Lehrlinge und drei Jahre als Gesellen gearbeitet haben. Vierzig Professtonisten. die einen solchen Nachweis nicht herbetschaffen konnten, wurden ihre Meisterbriefe entzogen, und sie hatten allen Grund zu befürchten, infolge dieser Ungiltigkeitserklärung ihrer Meisterbriefe auch ihr Aufenihaltsrecht in Smolensk zn verlieren. Da wandte sich ein von dieser Maßregel ebenfalls betroffener Professiontst, Namens Witktnd, mit einem Bittgesuch an den Senat und erlangte dadurch, daß die Regierung in Smolensk dieZWeisung erhielt, die Meisterbriefe der in Smolensk bis jetzt ansätzig gewesenen jüdischen Professtonisten nicht anzutasten. Amerika. Ls. New-Pork. Der auf der letzten Generalversammlung des Hospital zum Berge Sinai erstattete Jahresbericht weist Zahlen auf, um die die europäischen Institute ihren Schwesterveretn wohl beneiden dürfen. Die Einnahmen beliefen sich auf rund 400 000 M. Jahreseinkünfte und 66 000 M. einmalige Gaben. Die Ausgaben erreichten die respektable Höhe von 495 000 M., doch war ein Thetl der Patienten in der Lage zu zahlen. Im Jahr behandelt wurden 3065 Kranke außerhalb des Hospitals, in demselben 2 528 arme und 337 zahlende Patienten. Am 30. November betrug" der Bestand 103 männliche und 100 weibliche Kranke. — Auch der Jahresbericht der jüdischen Wohlthättgkeitsgesellschaft in Baltimore zeigt eine so enorme Einnahme, die aus verschiedenen Quellen zusammenfloß. Darunter sind die Erträge eines Festessens mit 45 000 M. aufgesührt und die Gesammtsumme beträgt 108 000 M. Unter den Ausgaben find die größten: 58 000 M. an 4 035 Empfänger baar iezahlt und 9 500 M. für Kohlen. Ntcht^unerhebich sind auch die Ausgaben, die durch die Rückendung von Emigranten nach Rußland entstanden sind. Ein interessanter Zwischenfall hat sich in