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Der Israelit · 1895-03-28 · Heft 25 (28.3.1895) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 25 (28.3.1895)
Date
1895-03-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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«Xtt Zkchrga»-. Zweite Keilage ,u M 25 des „Janmif-. Zeitungsnachrichten und Correfpondenze« Deutschland. st. Laubach (Obcrhessen), 10. März. In vollster körperlicher und geistiger Rüstigkeit feiert übermorgen Herr Maier Strauß den n eunz igsten Geburtstag, nachdem es ihm bereits vor mehreren Jahren"vergönnt war, das seltene Fest der goldenen Hochzeit zu feiern. Der Jubilar geht täglich seinem Geschäfte nach und macht, oft mit schweren Packeten beladen, größere Touren nach umliegenden Orten zu Fuß. Mögen ihm noch viele Jahre in gleicher Rüstigkeit an der Seite seiner Gattin beschieden sein. Markirch i. <g., 12. März. Im Januar dieses Jahres wurde hier unser Glaubensgenosse. Herr Seligmann Lang in seiner Wohnung ermordet. Anfänglich konnte trotz mehrfacher stattgefundenen Hausdurchsuchungen und vieler vorgenommenen Verhaftungen der Mörder nicht ermittelt werden. Nunmehr scheint man denselben jedoch in Person eines Jnstallationsarbeiters gefunden zu haben. Bet seiner Vernehmung verwickelte er sich in verschiedene Widersprüche und wurde am 8. März zusammen mit den Zeugen an den Ort der ruchlosen verbrecherischen That verbracht. Der Verhaftete soll, nach Aussage des Gefängnißwärters, den Versuch gemacht haben, aus dem Gefängniß auszubrechen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 18. März. Anläßlich eines von dem Abg. Dr. Bloch zur Sprache gebrachten Falles einer Concursausschreibung in Hallstatt, durch welche Juden von der Bewerbuni um ein Staats amt prinzipiell ausgeschlossen wurden, gab der Obmann des Polen-Clubs der Meinung Ausdruck, es empfehle sich nicht, daß sich der Polen Club in diesen Fall der Verletzung der Staatsgrundgesetze einmische, der Galizien nicht treffe; der Polenclub überlasse es den anderen Parteien des Hauses, wo cs ihnen nöthig erscheint, die Staatsgrundgesetze zu vertheidigen in Fällen, die Galizien nicht betreffen. Wir gestehen, daß die Aeußerung, daß den Polen Club eine Verletzung der Staatsgrundgesetze nicht berühre, falls dieselbe nicht Galizien betrifft, uns aus dem Munde des Herrn v. Zaleski einigermaßen überrascht, denn Herr V. Zaleski war ja vor einiger Zeit selbst Minister, und zwar Minister nicht blos für Galizien, sondern für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Wie«, 19. März. Kronawetter und Pernerstorfer interpellirten den Ackerbauminister wegen eines KonkursausschreibenS für einen Salinenarzt und einen Forstwart, wobei die Beibringung eines Taufscheines seitens der Bewerber verlangt wird, was dem Staatsgrundgesetze widerspreche, weil hierdurch die israelitischen und die konfesfionslosen Bewerber ausgeschlossen seien. Die Interpellanten verlangen die Annuüirung des gesetzwidrigen Ausschreib-ns. (Der Minister hat die Annulltrung dieses Ausschreibens und ein neues unpartetrsches bereits verfügt.) Aus Lemberg schreibt man: Während eines furchtbaren Schneetturmes bei lSgradtgem Frost fuhr in seinem Schl'tten der griechisch-katholische Pfarrer Forys aus Wola Gologorska und traf unterwegs einen armen Juden, der in höchster Noch zu ihm seine erstarrten Hände flehend erhob mit der Bitte, ihn auf den Schlitten zu nehmen, da er sonst erfriere. Der Pfarrer wies den Flehenden barsch ab, und trotz der Fürsprache seines Fuhrmannes ließ er ihn auf der Landstraße vehen. Nachdem der Pfarrer in dem Doife angekommen, benachrtchligte sein Fuhrmann die jüdischen Insassen davon, daß unterwegs ein armer Jude im Schneesturm auf der Straße geblieben sei. Die Juden machten sich sofort auf den Weg und fanden wirklich den armen Wanderer, welcher schon zu einer im Frost erstarrten Leiche geworden! Die Leiche wurde in das Dorf überführt. Rumänien. Bukarest, 12. März. Die rumänische Regierung hat jetzt die Erfahrung machen müssen, daß die offizielle Behandlung der einheimischen, aber nicht naturalisirten Juden, als Fremde auch gewisse, die Autorität der rumänischen Staatsbehörde schädigende Rückwirkungen haben kann. Vor drei Jahren war der in Jassy einheimische israelitische Börsenagent Kirschen, den man bedeutender Betrügereien beschuldigte, aus Bukarest verschwunden. Nachdem sich derselbe ttne Zeit lang in den Bereinigten Staaten aufgehalten hatte, tauchte er vor Kurzem in London auf, und bald darauf war in hiesigen gouvernementalen Blättern zu lesen, daß das auswärtige Amt bereits alle nöthigen Schritte eingeleitet habe, um unter Berufung auf den zwischen Rumänien und England bestehenden, für gemeine Verbrecher giltigen Auslieferungsvertrag die Auslieferung Kirschen's zu veranlassen. Diese Nachricht hat sich aber nicht bestätigt, man erfährt vielmehr jetzt, daß die englische Regierung die vom rumänischen Ministerium des Aeußeren verlangte Auslieferung Kirschen's mit der Motivirung verweigert hat, daß der englisch-rumänische Auslteferungsver-

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