Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1895)
- Date
- 1895-03-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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500 aus der Mitte.der kleinen Wohlthäter wählen, welche Wahl sich alle 3 Monate wiederholen wird. Nach 6 wöchentlichem Bestände des Vereins sind bereits über 30 fl. eingegangen, auch ließen mehrere Gemeindemttglieder dem Vereine Spenden zukommen. Die etngezahlten Beträge werden vom Rab biner 1nj<3 Monaten dem Bestimmungsorte zugcführt. Es sei hiermit die Gründung solcher Vereine allen Religionslehrern wärmstens empfohlen, da hiedurch einerseits mit solchen Sparpfennigen viel für das Wohl der Nothletdenden in p-w gethan wäre, andererseits Hiebeider erhabeneZwkck erreicht wird, das Wohlthätigkeitsgcfühl und Sparsamkeitsbestreben bei den Kindern schon in der Zeit des Schulbesuches zu erwecken, und sie an die Ausübung von onon zu gewöhnen. (Ob vom pädagogischen Standpunkte aus es gerechtfert gt ist, daß Schulkinder Präsidenten und Kassirer emes Vereins sind, da sie dadurch leicht vom Lernen abgelenkt werden könnten, ist noch sehr fraglich. Red.) Pretz-rrrg, 8. März. Am yw m feierte die hiesige, seit einem Jahre bestehende .-,-,211 ü"w einen dvd über ganz d"v. Das Fest nahm einen sehr animirten Verlauf, da sämmtliche min PreßburgS (über 100 an der Zahl) zu dieser niLv bv nr.öt* sich vereinten, deren jedes Mitglied citte nmdö vollendet hatte. Mit der vorrresfltchm Rede des Herrn Oberrabbiner S. B. Schreiber '".1 begann die echt jüdische Feier, wie es auch die anderen Herren mm \i3 an mm nr» nicht fehlen ließen. Das Mahl dauerte bis 1 Uhr in der Nacht. Ignatz Frankl. Rußland. Helsingfors, 16. März. Das Großfürftenthum Finnland, sonst noch, Dank seiner eigenen Landesverfassung, human oer christlichen Bevölkerung gegenüber, dürfte diese Eigenschaft nunmehr in größerem Maße auch den Juden zu Theil kommen lassen. Es verlautet nämlich gerüchtweise, daß den Juden in Finnland alle Rechte cingeräumt werden sollen, deren die Ausländer in diesem Lande sich erfreuen. Und in Finnland erleiden die Ausländer, namentlich bezüglich des Grunderwerbs keineswegs solche Bedrückungen, wie in Rußland. In Finnland ist auch niemals an eine Judenverfolgung gedacht worden, da die russische Willkür, welcher man eben die Judenverfolgung verdankt, sich nicht in die inneren völkerrechtlichen Angelegenheiten des Großfürftenthums mischen durfte. Schon darum wäre die Bestimmung des neuen, bald zu erlassenden russischen Naluralisationsgesetzes, den ausländischen Juden die Aufnahme in den Staatsverband zu versagen, für Finnland an sich undenkbar. Im Uedrtgen hat die finnländische Regierung selbst die Initiative der Erweiterung der Judenrechte ergriffen und so können die Machthaber an der Newa hierzu — vorausgesetzt, daß das obenmitgethetlte Gerücht begründet ist — nichts anders thun, als betsttmmen. Bezüglich der Judenauswanderung aus Rußland heißt es, daß man keine Aenderung zu erwarten habe. Die Gerüchte von der Abnahme der Auswanderungsbewegung sind unrichtig. In den polnischen Gouvernements rüsten sich gegenwärtig vielmehr zahlreiche jüdische Familien zur Auswanderung nach Argentinien und Afrika. Dondiuszany (Bessarabien). Im December 1893 wurde die Strecke Oku ca-Bteltzy für den Güter-und Personenverkehr eröffnet. Die Station Dondiuszany ist 25 Werst von einem Orte entfernt, wo den Juden der Aufenrhalt gestattet ist. Wie es in Rußland überall üblich ist, muß das Gedretde von sogenannten Commtssionären abgefertigt werden, und da der ganze Getreidehandel sich in Händen der Juden befindet, so befassen sich auch btc jüdischen Einwohner jenes Ortes mit dem Abfertiger! nach dem Auslande. In jenen Orten, in welchen den Juden der Aufenthalt nicht erlaubt ist, kommen sie täglich früh von den benachbarten Städten und verbringen den ganzen Tag im Wartesaale III. Klasse. In Dondluszauy gestattete nun die dortige Polizei, zu diesem Zwecke ein Häuschen zu bauen, in welchem oft 30 bis 35 jüdische Commtssionäre übernachteten. Ein Nichijude, der sich gleichfalls mit der Getreide-Abfertigung befaßte, baute nun ein großes Gasthaus, in der Hoffnung, daß der Gouverneur sämmtliche» Juden den Aufenthalt in DondtuSzany verbieten und ihm allein die Abfertigung zufallen werde. Der dortige Zemski naczalnik aber ist einer der größten Gmsbesitzer und ist überzeugt, daß die Juden und die Getretdeproducenten nützen und nicht schaden können. Er bat daher den Bezrrkshauptmann, die Juden ruhig gewähren zu lassen. Der Nichtjude Darde war darüber sehr aufgebracht und wandte sich in einer Bittschrift an den Kaiser Nikolaus II., in welcher es hieß: „Nachdem die Juden laut Gesetz vom Jahre 1882 betreffend die Judenfragc das Aufenthaltsrecht in Dörfern und unbewohnten Ortschaften nicht haben und in Dondiuszany sich 30 Juden ansässig machten, die sich mrt dem Getreldehanvel befassen und daraus Nutzen ziehen, möge der dortigen Polizei aufgetragcn werden, dieselben auszuweisen". Der Bittsteller fügte hinzu, daß er schon einigemal die dortige Polizei ersucht hatte, ihres Amtes zu walten, was jedoch aus geheimer Ursache immer ohne Erfolg geblieben sei. Kurz darauf kam eine Depesche an den Gutsbesitzer, der zugleich Senator ist und 6 Werst von Dondiuszany wohnt, folgenden Inhaltes: „Nachdem ftch Juden bei der Station Dondiuszany