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Der Israelit · 1895-03-28 · Heft 25 (28.3.1895) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 25 (28.3.1895)
Date
1895-03-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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.v~-WHWWffMkNBW 494 Kraft auf Befehl Gottes noch freiwillig herab und vergießt fein Blut statt auf dem Schlachtfelde im Dienste feines Gottes. Woher nahmen sie den Muth zu dieser heroischen That? Sie wußten, daß fie mit diesem ihrem Blut, das Bündniß mit Gottes Allmacht aufs neue besiegelten, sie wußten, daß sie im Bunde mit Gott keine Macht der Menschen zu fürchten hatten, und im Hochgefühl des Bewußtseins Gott zum Bundesgenossen zu haben, dankten sie Gott an der Schwelle ihres zu erkämpfenden ErblandeS uik» normt? fmu by für den Bund, desten Siegel jeder Einzelne an seinem Körper trägt. Und alle diejenigen, welche seitdem im Laufe der Jahrtausende die Wunderkraft an sich selber erfahren haben, mit welcher die Zugehörigkeit in diesem Bunde alle Genoffen ausstattet, sie alle erheben fich nicht von ihrem Mahle, um den Kampf mit dem Leben wieder aufzunehmen, ohne des Bundes dankend zu gedenken, der sie siegreich aus allen Kämpfen hervorgehen läßt. Dieser Kampf galt damals wie heute der Verwirklichung des Gottesgesetzes durch Erfüllung seiner Gebote. Dafür wurde Israel sein Land, dafür wird uns das Leben, alle Gewährung und jede Liebe, mit der uns Gott begnadet. Deshalb ist uns Gottes Thora, mit ihren Satzungen, weit entfernt als drückende Feffel zu erscheinen, Gegenstand unseres innigen Dankes. Ihre Gebote erschweren nur scheinbar das Leben. In Wirklichkeit verdanken wir ihr allein das Leben und die Mittel zu seiner Fristung, denn es ist nicht unser Geschäft, unser Witz, kurz unsere Fähigkeit, die uns unfern Unterhalt schaffen, unser mächtiger himmlischer Bundesgenosse ist es, der zu allen Zeiten mit dem Leben auch die Mittel zum Leben gibt. .nyr toi ny toi or to Ton unix mivoi y nrow Zeitungsnachrichten nnd Correspondeuze«. Deutschland. Berlin. Vor einigen Tagen fand eine Sitzung des Kuratoriums und Dozentenkollegiums des Rabbinerseminares behufs Wahl eines neuen Dozenten statt. Dieselbe fiel auf Herrn Dr.Joseph Wohlgemuth aus Hamburg, der sich zur Annahme der Wahl bereit erklärte. Herr Dr. Joseph Wohlgemuth genoß seine Ausbildung am Rabbinerseminar, und konnte das Seminar kein ehrenderes Zeugnis sich ausstellen, als durch die Wahl eines seiner Schüler zum Dozenten. Mit Freude wird die Wahl auch seitens der Hörer' ieS Rabbinerseminars ausgenommen, da Herr Dr. Wohlgemuth es verstanden hat, die Achtung und Zuneigung aller seiner früheren Kollegen sich zu erwerben. Auch ist durch diese Wahl Aussicht vorhanden, daß die von allen Seiten ähnlichst gewünschten Vorlesungen über Reltgionsphtlosophie und Homiletik wieder ausgenommen werben; Herr Dr. Wohlgemuth ist durch seine gediegene philosophische Bildung, die er durch eine von kompetenter Sette sehr gerühmte philosophische Arbeit an den Tag gelegt hat, und durch seine große rednerische Begabung hierfür besonders geeignet. Im nächsten Semester wird derselbe, wie wir hören, ausschließlich Gemarah unterrichten, indem er den zweiten Schiur, Herr Dr. Hoffmann 'M den ersten und der Rektor »*j einen Schiur der älteren Hörer übernehmen werden. Für die Freunde der Reltgionsschule bemerke ich noch, daß, wie ich aus guter Quelle höre, die große pädagogische Kraft des Herrn Dr. W. zur Freude der Leiter, Lehrer und Schüler der Religionsschule, derselben erhalten bleibt. Berlin, 23. März. Die Btsmarckltteratur, der sich gerade in diesen Tagen wieder die Aufmerksamkeit zuwendet, hat einen neuen Zuwachs erfahren. Der auf diesem Gebiete schon vielfach thättge Herr Heinrich v. Poschtnger hat jetzt die Tischgespräche und Interviews des greisen Staatsmannes gesammelt und in einem stattlichen Band von 426 Seiren bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart herausgegeben. Sie enthalten auch die Aeußerungen Bismarcks über den Antisemitismus, wie sie der Kaufmann Behrend aus Köslin Anfangs November 1881 in Varzin vernommen hat. Behrend, einer der Pächter des Fürsten, war bet diesem zu Tisch geladen und auf eine zufällige Bemerkung des Gastes, nahm der damalige Kanzler Veranlassung, sich über die Judenfrage auszusprechen: „Ec sprach in eingehendster Weise darüber", heißt es in dem angeführten Werk „und ließ dabei starke Schlaglichter auf einzelne bezeichnende Phasen der Bewegung fallen. Dann sagte er unter Anderem auf die Frage, ob er mit der antisemitischen Bewegung einverstanden sei: „Nichts kann unrichtiger sein. Ich mißbillige ganz entschieden diesen Kampf gegen die Juden, sei es daß er auf konfessioneller oder gar auf der Grundlage der Abstammung sich bewege. Mit gleichem Recht könnte man eines Tages auf Deutsche von polnischer oder französischer Abstammung herfallen wollen und sagen, sie seien keine Deutschen. Daß die Juden mit Vorliebe sich mit Handelsgeschäften befassen, nun, das ist Geschmacksache; durch ihre frühere Ausschließung von anderen Berufsarten mag das wohl begründet sein. Aber sicherlich berechtigt'es nicht über ihre gröbere Wohlhabenheit jene aufreizenden Aeußerungen zu thun, die ich durchaus verwerflich finde, weil fie den Neid und die Mißgunst der Menge erregen. Ich werde niemals

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